merken
PLUS

Von der Spreequelle im Dauerlauf bis nach Berlin

Ein Ultra-Langstreckenläufer will seine Heimat neu entdecken. Dafür ist er extra aus Norwegen in die Oberlausitz gereist.

Von Marcus Scholz

Kottmar. Henry Wehder ist Feuer und Flamme, wenn er über seine ausgefallene Leidenschaft erzählt. Der gebürtige Ebersbacher läuft für sein Leben gern. Distanzen, die normalerweise nur mit dem Auto zu bewältigen sind, läuft er zu Fuß. Weit mehr als 100 Kilometer pro Tag sind dabei keine Seltenheit, denn Wehder ist ein sogenannter Ultra-Langstreckenläufer. Normalerweise lebt und arbeitet er im skandinavischen Norwegen, doch um seine ehemalige Heimat neu zu entdecken, hat es Wehder momentan wieder in die Region verschlagen. Der 52-Jährige möchte, an der Spreequelle startend, im Durchschnitt täglich 122 Kilometer zurücklegen, um nach drei Tagen das Städtchen Bernau nördlich von Berlin zu erreichen. „Ich werde jeden Kilometer genießen, schließlich ist diese Strecke etwas ganz Besonderes für mich“, erzählt Wehder. Letztmalig fand der Spreelauf nämlich im Jahr 2004 statt, wurde dann aber durch andere Wettbewerbe ersetzt. Zur damaligen Zeit war die Veranstaltung sogar der erste Etappenlauf Deutschlands in so einer Größenordnung und wurde von Wehder mitorganisiert.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Der Wahl-Norweger freut sich besonders auf die abwechslungsreichen Streckenabschnitte und die heimische Landschaft, angefangen in der Oberlausitz, über Bautzen in die Niederlausitz, dann in den Spreewald und anschließend durch die Großstadt Berlin bis zum Zielpunkt.

Begleitet wird Wehder von einem befreundeten Ehepaar, das für die Verpflegung und das Wohl des Langstrecklers zuständig ist. Die ersten beiden Tage wird er allerdings auf den Laufstrecken auf sich allein gestellt sein. Erst am letzten Tag begleitet ihn der Freitaler Johannes Hacker, ein bekennender Barfußläufer. Schaut man aber in Henry Wehders jüngste Vergangenheit, dann scheint der Lauf von der Walddorfer Spreequelle bis ins brandenburgische Bernau eine Leichtigkeit für ihn zu sein. 2012 gewann der Oberlausitzer nämlich den Transeuropalauf. Der begann ursprünglich in Dänemark und führte durch halb Europa bis nach Gibraltar. Fast 4 200 Kilometer in 64 Etappen galt es da, ohne Pause zu bewältigen. Doch für Wehder war das zu wenig. „Es heißt doch Transeuropa-lauf, also kann es nicht mitten in Europa losgehen“, erzählt er voller sportlichem Ehrgeiz. Deswegen startete der Ultraläufer schon gut einen Monat eher am norwegischen Nordkap und legte, „um sich auf das Bevorstehende einzustimmen“, bereits vor offiziellem Wettkampfstart gut 2 300 Kilometer Wegstrecke zurück.

Eine solch große sportliche Herausforderung über teilweise mehrere Monate zehrt extrem an Körper und Geist. Jahrelanges Training und viel Entbehrungskraft sind Grundvoraussetzung, um die langen Entfernungen meistern zu können. Ohnehin sei alles nur eine Sache des Kopfes: „Bei lang andauernden Wettkämpfen muss man mental stark sein und zwei wichtige Dinge neben dem Laufen berücksichtigen: essen und schlafen“, sagt der Ausdauersportler lachend. Er freut sich über jeden Tag, an dem er an seine körperlichen Grenzen gehen kann.

Übrigens, wenn Wehder im Brandenburgischen angekommen ist, startet direkt schon die nächste Herausforderung. Der Baltic-Run, von Bernau bis zur Insel Usedom – 234 Kilometer lang, aber nur 41 Stunden Zeit für jeden Teilnehmer. Zu schaffen sicherlich nur, wenn man ein bisschen verrückt ist.