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Großenhain

Großenhainerin bringt ersten Krimi heraus

Anne von Vaszary hat sich deutschlandweit als Autorin von Computerspielen einen Namen gemacht. Nun erfüllt sie sich einen Wunsch.

Noch sind Autorinnen von Kriminalromanen in Deutschland eher die Ausnahme. Die Arbeitsstipendien der Mörderischen Schwestern e. V. wollen das ändern. 2016 erhielt Anne von Vaszary dieses Stipendium für ihr Krimiprojekt „Die Schnüfflerin“.
Noch sind Autorinnen von Kriminalromanen in Deutschland eher die Ausnahme. Die Arbeitsstipendien der Mörderischen Schwestern e. V. wollen das ändern. 2016 erhielt Anne von Vaszary dieses Stipendium für ihr Krimiprojekt „Die Schnüfflerin“. © Laszlo von Vaszary

Großenhain. Als Anne Schwiethal wurde sie in Großenhain geboren. Unter ihrem jetzigen Namen Anne von Vaszary ist die 44-Jährige deutschlandweit vor allem Fans von Computerspielen ein Begriff. Jetzt hat sie ihren ersten Krimi „Die Schnüfflerin“ geschrieben. Die SZ sprach mit ihr.

Frau von Vaszary, wie wird man eigentlich Autorin für Computerspiele?

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Das war kein bewusst gewählter Weg. Ich habe Filmdramaturgie und Drehbuchschreiben an der Filmuniversität in Babelsberg studiert, weil ich mich grundsätzlich für das Geschichtenerzählen interessiere. 

Es gab noch weitere Filmschulen mit dem Studiengang Drehbuchschreiben in Deutschland: in Ludwigsburg, in München und in Berlin sowie das Literaturinstitut in Leipzig mit literarischem Schreiben. Meine Wahl fiel auf Babelsberg, weil man sich dort vier Jahre komplett für das Studium des Erzählens Zeit nimmt.

Also spielte die Aussicht, Drehbücher fürs Fernsehen oder für Kinofilme zu schreiben, weniger eine Rolle?

Mir ging es in erster Linie nicht um das Verfilmen, sondern darum, wie man am besten Geschichten erzählt, wie große Regisseure und Drehbuchautoren es schaffen, dass man mit ihren Figuren weint und lacht. Ich war für alles, was sich aus dem Erlernten entwickeln würde, offen. Egal ob es nun als Buch, als Film, als Hörspiel oder als Computerspiel realisiert wird.

Und wie sind Sie dann letztendlich Computerspiel-Autorin geworden?

In Babelsberg wurden auch Seminare für interaktives Erzählen angeboten. 2004 gab es noch nicht so ein großes Interesse an dieser Art des Erzählens. Und weil ich eine der wenigen war, die an diesen Seminaren teilgenommen hatten, wurden Projekte, die mit interaktivem Erzählen zu tun hatten, an mich weiterverwiesen, so dass ich dabei immer mehr Erfahrungen sammelte.

Also sind Sie eine Vorreiterin in diesem Genre?

Ich weiß nicht. Es gab sicher auch andere Kommilitonen, die sich dafür interessiert haben und im Games-Bereich arbeiten.

Für welche Art von Computerspielen werden denn Autoren benötigt?

Auf jeden Fall für Spiele, in denen Dialoge vorkommen. Und in denen es Gründe dafür gibt, Dinge zu tun oder zu lassen. Fremde Welten brauchen Entstehungsgeschichten, Mysterien, Legenden, um sie lebendig und glaubwürdig werden zu lassen, ebenso wie die Wesen und Figuren, denen man in diesen Welten begegnet. 

Was die Handlung im Spiel betrifft, so ist es für mich am spannendsten, den Spieler in Situationen zu bringen, in denen er schwierige Entscheidungen treffen muss. Schwierig sind Entscheidungen dann, wenn sie mit klopfendem Herzens getroffen werden.

 Je tiefer der Spieler in die Geschichte hineingezogen wird, je emotionaler er agiert, desto besser wurde sie erzählt. Ein Beispiel für gutes Erzählen wäre das Spiel zum Film „The Walking Dead“ von Telltale Games.

Bei einem Film gibt es nur einen Handlungsstrang. Das ist einfach. Aber wie viele Erzählstränge müssen Sie für ein Computerspiel schreiben, in dem die Spieler immer wieder neue Entscheidungen treffen müssen?

Dass es unendlich viele Entscheidungen gibt, ist eine Illusion. Und wenn man sehr gut im Erzählen ist, schafft man es, dass diese Illusion vom Spielanfang bis zum Spielende anhält. Im Idealfall werden zwei Erzählstränge aufgebaut, die an einer bestimmten Stelle wieder zusammenfinden oder deren Bausteine untereinander ausgetauscht werden.

Sie haben an mehreren Computerspielen mitgewirkt. Nicht umsonst sind Sie von der Fachzeitschrift „Games Wirtschaft“ zu den zehn wichtigsten Spielentwicklerinnen Deutschlands gekürt worden. Kann es damit zusammenhängen, dass Sie eine der Vorreiterinnen waren?

Das kann schon sein. Vor allem werde ich immer wieder auf die „Black-Mirror“-Reihe angesprochen. Das war eines der beliebtesten Adventure („Abenteuer“, Anm. d. Red) damals.

Und nun wagen Sie mit ihrem ersten Krimi „Die Schnüfflerin“ den Schritt zurück in die Literatur.

Für mich geht’s vorwärts. Ich verwende nun meine Erfahrung und mein Wissen dazu, meine Romane fertigzuschreiben, die schon seit einigen Jahren nebenher entstehen, die ich aber immer wieder wegen anderer Jobs auf Eis legen musste.

 Das Romanschreiben hat den entscheidenden Vorteil, dass ich ganz allein dran sitzen kann und niemand mir Vorgaben macht, weder technischer noch inhaltlicher Art. Es gibt keine bessere Möglichkeit für mich, der Fantasie freien Lauf zu lassen.

Wann haben Sie denn mit dem Krimi „Die Schnüfflerin“ angefangen zu schreiben?

Die Idee dazu hatte ich schon 2013, kurz bevor Daedalic mich für das Adventure-Game „Silence – The Whispered World 2“ angefragt hat, an dem ich dann bis 2016 gearbeitet habe. Mittlerweile habe ich den Roman fertig und schreibe am zweiten Teil.

Ihr Auftaktkrimi soll im Januar 2020 im Knaur-Verlag erscheinen. Folgt Teil 2 ein Jahr später?

Ich hoffe es sehr, aber das entscheiden natürlich die Leser. Es kommt eben darauf an, wie sich „Die Schnüfflerin“ verkauft.

Worum geht es in Ihrem Krimi?

Es geht um eine Frau mit außergewöhnlich gutem Geruchssinn und einen Ex-Hundestaffel-Kommissar, die gemeinsam dem Duft eines Giftmörders folgen und so den Fall aufklären.

Das erinnert ein bisschen an den Bestseller „Das Parfüm“.

Da geht es auch um einen extrem gut ausgeprägten Geruchssinn, ja, aber bei der „Schnüfflerin“ nicht aus der Sicht des Mörders, sondern der Ermittler.

Haben Sie in Ihrem Roman Ihrer Geburtsstadt Großenhain ein schriftstellerisches Denkmal gesetzt?

Tatsächlich kommt darin eine sächsische Kleinstadt vor. Es ist die Heimatstadt meiner Hauptfigur. Die Geschichte selber spielt in meiner Wahlheimat Berlin.

Lässt sich Großenhain wiedererkennen?

Das würde ich nicht behaupten, denn ich habe die sächsische Kleinstadt an die polnische Grenze verlegt. Ich glaube, die Großenhainer würden lieber hierbleiben.

Oder können sich gewisse Leute in Ihrem Buch wiedererkennen? Zum Beispiel Ihre ehemaligen Lehrer?

Ich zitiere da mal vorsichtshalber: „Alle Handlungen und handelnden Personen sind frei erfunden, jegliche Ähnlichkeit mit lebenden Handlungen oder Personen wären rein zufällig.“ – Pionierehrenwort!

Werden Sie Ihren Krimi „Die Schnüfflerin“ auch in Großenhain vorstellen?

Sehr gern bei einer Lesung in der Preusker-Bücherei, zeitnah nach der Buchpremiere am 13. Januar 2020. In dieser Bücherei habe ich meine Liebe zu Geschichten entdeckt, in der ersten Klasse. Dort habe ich schon 2007 meinen ersten Roman „Rock mich!“ vorstellen dürfen und würde mich sehr freuen, wenn ich die Gelegenheit bekomme, dies auch mit meinem ersten Krimi zu tun.

Die Schnüfflernin: Der erste Krimi der gebürtigen Großenhainerin Anne von Vaszary (geb. Schwietahl) soll am 13. Januar 2020 im Knaur-Verlag erscheinen. Quelle: Knaur-Verlag