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Von Dresden in die Milliarden-Liga

Babatunde Aiyegbusi bekommt eine Chance in der NFL – dank der Ausbildung bei den Monarchs.

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© Lutz Hentschel

Von Alexander Hiller

Der Mann sprengt schon beim ersten Hingucken so einige Rekorde. 2,08 Meter ist Babatunde Aiyegbusi groß – und 155 Kilogramm schwer. Ein Gigant.

Der nun für die Dresden Monarchs eine Art neues Kapitel aufschlägt. Denn der 27-jährige mit polnischer Mutter und nigerianischem Vater lief im Vorjahr noch für die Elbestädter in der German Football League (GFL) auf. Nun schickt sich der Nationalspieler an, als erster Ex-Dresdner in das Milliarden-Geschäft der National Football League (NFL) einzusteigen. Noch nie waren die Monarchs Sprungbrett in die NFL. Den umgekehrten Weg sind schon einige Athleten gegangen. Auch der neue Dresdner Quarterback Clay Belton verfügt über ein bisschen NFL-Erfahrung. Beim zweifachen Champion Miami Dolphins absolvierte er 2013 ein Trainingscamp, ein Jahr später beim ebenfalls zweifachen Titelträger Indianapolis Colts. Für einen großen Profivertrag hat es für Belton bisher nie gelangt.

Aufwandsentschädigung in Dresden

Den könnte nun Babatunde Aiyegbusi abbekommen. Er unterzeichnete nach einem offenbar überzeugenden Probetraining beim NFL-Traditionsteam Minnesota Vikings einen nicht garantierten Dreijahresvertrag, der ihm jährlich im Erfolgsfall 435 000 US-Dollar einbringen soll. Zum Vergleich: Der Jahresetat der Monarchs beträgt 350 000 Euro. In Dresden spielte Aiyegbusi für eine Art Aufwandsentschädigung. Mit drei seiner polnischen Landsleute fuhr der Hüne dreimal pro Woche von Wroclaw nach Dresden – und wieder zurück.

Den Kontrakt mit den Minnesota Vikings postete Aiyegbusi stolz auf seiner Facebook-Seite. Sicher ist das Engagement jedoch noch nicht. „Die NFL-Teams decken sich weit vor Beginn der Saison mit Spielern ein“, erklärt der Dresdner Assistenztrainer Thomas Stantke. Jeder Verein darf sich mit einem 90 Mann starken Kader ausrüsten, der dann bis zum Saisonbeginn im September auf 53 Profispieler abgespeckt wird. So schreiben es die NFL-Statuten vor. Mit anderen Worten, Aiyegbusi hat noch jede Menge Arbeit vor sich – auch wenn die richtigen Superstars dieser Sportart noch gar nicht im Mannschaftstraining stehen. „Er kann in diesen 90er-Kader einziehen. Er ist da meines Wissens der größte und schwerste Mann. Und eine alte Football-Regel besagt: Größe kann man nicht coachen“, sagt Stantke. Selbst in der wirtschaftlich stärksten Liga der Welt nicht. 2012 erzielte die NFL einen Jahresumsatz von umgerechnet 6,7 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum erzielte die Fußball-Bundesliga „nur“ 1,94 Milliarden Euro Umsatz.

Babatunde Aiyegbusi könnte bei seinem bislang größten sportlichen Abenteuer entgegenkommen, dass die US-Amerikaner ein Faible für Superlative haben. Keiner im bisherigen Minnesota-Kader ist größer als der verheiratete Familienvater aus Wroclaw. Auch sein knapp zweieinhalbjähriger Sohn Babatunji soll bereits der größte Knirps in seiner Kindergartengruppe sein. „Meine größte Hoffnung ist, dass er eines Tages auch ein Footballspieler wird und vielleicht bei den Monarchs oder sogar in der NFL spielt“, sagte Babatunde Aiyegbusi im Vorjahr dem Stadion-Magazin der Monarchs First Down.

Den Weg in die NFL kann Aiyegbusi, der in Dresden den Spitznamen „Baba“ verpasst bekam, nun sogar selbst beschreiten. Und das ist aus Sicht des German-Bowl-Finalisten von 2013 eine Sensation. „Selbst wenn er es nicht in das 53-er-Roster in Minnesota schaffen sollte, ist das für uns eine Riesengeschichte“, sagt Thomas Stantke. Zumal die sportliche Entwicklung des außerhalb des Platzes beinahe sanft wirkenden Riesen nicht unbedingt abzusehen war. „Er ist schnell, für seine Größe auch ziemlich beweglich. Aber er arbeitet teilweise noch zu aufrecht. Er ist ein Rohdiamant, den man noch schleifen kann, trotz seiner 27 Jahre“, schätzt der 40-Jährige ein.

Ein bescheidener Vermögensberater

Auf Aiyegbusis Position als Offensive Tackler – die im Optimalfall den Weg für den balltragenden Runningback freimachen – könne man noch bis ins hohe 30er-Alter auf NFL-Niveau spielen. Aiyegbusi spielt erst seit neun Jahren Football, davor versuchte er sich im Basketball, spielt da sogar um die Juniorenmeisterschaft mit. „Baba hat uns versichert, dass er den Sprung in die NFL ohne das Jahr in Dresden nie geschafft hätte“, sagt Stantke. Die Dresden Monarchs hatten vor der überraschenden NFL-Berufung allerdings nicht mit Aiyegbusi geplant. „Er hatte sich für seinen Ex-Klub Giants Wroclaw entschieden“, sagte Stantke. Dort hatte der als Vermögensberater arbeitende Babatunde Aiyegbusi unter anderem auch das Juniorenteam betreut.

Offenbar scheint der mit Liza verheiratete Gigant ein ziemlich bodenständiger Typ zu sein. Diesen Eindruck hinterlässt Babatunde Aiyegbusi auch in den ersten Interviews mit US-Sportsendern, für die der farbige Europäer schon aufgrund seiner stattlichen Erscheinung mindestens eine Meldung wert ist. Im Gespräch mit Fox 9 Sports tritt Aiyegbusi demütig, bescheiden, humorvoll – aber dennoch selbstbewusst auf. „Das ist eine große Chance für mich. Ich weiß, dass ich noch einen langen Weg gehen muss, aber ich bin bereit dafür“, sagt Babatunde Aiyegbusi. Fast 12 000 Klicks hatte der Interview-Clip auf Youtube bereits. „Er ist ein absolut bodenständiger Typ. Selbst bei Partys war er eher zurückhaltend“, beschreibt Stantke den möglicherweise ersten NFL-Profi mit einer sportlichen Vergangenheit bei den Monarchs.