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Von einem Kommissar und Zombies in Zittau

Zwei Autoren sind gerade im Gerhart-Hauptmann-Theater zu Gast und schreiben Stücke – bis zum Dreiländerfest im Mai.

© Matthias Weber

Von Silvia Stengel

Zittau. Das klingt gar nicht nett. „Komm mir nicht zu nahe!“, sagt Sascha Hargesheimer, als ihm Daniel Ratthei die Hand geben will. Beide sind Autoren und seit reichlich zwei Monaten in Zittau zu Gast, um ein Stück für das Theater zu schreiben. Sie haben sich ein paar Tage nicht gesehen. Aber als Daniel Ratthei seinem Kollegen die Hand geben will, wehrt der ab. Sascha Hargesheimer hat einen guten Grund. Er ist zurzeit ziemlich stark erkältet, und so beginnt das Treffen im Theater eben ohne Händeschütteln. Beide sind noch zwei Monate da und werden auch beim trinationalen Theaterfestival Ende Mai dabei sein. Am Anfang haben sie sich noch in Zittau und der Umgebung umgesehen und Eindrücke gesammelt. Schließlich sollen ihre Stücke etwas mit der Region zu tun haben. Aber nun müssen sie langsam erste Ideen, eine Handlung oder Figuren präsentieren. Und das können sie auch.

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Einen Krimi will Sascha Hargesheimer schreiben. Er hat schon einen Arbeitstitel: „Der Kommissar verschwindet“, sagt der 35-Jährige aus Berlin. Er hat die schwierige Aufgabe, ein Stück zu schreiben, dass an drei Theatern zugleich aufgeführt und über das Internet verbunden wird. Neben Zittau sind die Bühnen im tschechischen Liberec und im polnischen Jelenia Gora beteiligt, die auch die Partner beim Theaterfestival im Mai sind. Wie der Krimi dann genau zusammengefügt wird, bleibt vorerst sein Geheimnis. „Da gibt es einen Trick“, sagt er, „den verrate ich noch nicht.“ Nur so viel: Es reicht nicht, den Kommissar nach Liberec fahren und nach einer halben Stunde wieder zurückkommen zu lassen. Noch hat er keinen Zeitdruck. Das Stück kommt erst in einem Jahr auf die Bühne.

Der Cottbuser Autor Daniel Ratthei ist da schon weiter. Der 39-Jährige weiß nicht nur, dass seine Hauptfiguren ein Junge und ein Mädchen sind und es auf jeden Fall eine Liebesgeschichte wird. Er hat drei Schlagwörter für das Stück parat: „Zombies, Zittau, Zärtlichkeit!“ Untote werden also auch mitspielen. „Zombies, das klingt vielleicht erst mal absurd“, sagt er. „Aber das hat einen ziemlich philosophischen Hintergrund.“ Zombie würde auch für Unterwürfigkeit und passiven Konsum stehen. Für Jugendliche können auch Erwachsene Zombies sein. Während sie noch so viel vorhaben, erscheint mancher Ältere schon erstarrt. Der Autor schreibt das Bühnenwerk für den Theaterjugendclub in Zittau und hat den bereits besucht. Den jungen Leuten gefällt die Idee, sagt er. „Es macht auch Spaß, Zombies auf der Bühne zu sehen.“

Theaterchefin ist peinlich berührt

Zum Festival in Zittau

Das Festival findet vom 23. bis 27. Mai im Zittauer Theater statt.

Zum Auftakt hat „House at the Crossroads 2.0“ Premiere, ein Stück in deutscher, tschechischer und polnischer Sprache mit Jugendlichen aus Zittau, Liberec und Jelenia Gora, die meisten zwischen 15 und 18 Jahren.

Zu Gast sind das Theater aus Zielona Gora mit der Komödie „Der Bär“ von Tschechow und Nova Gorica mit der Tragikomödie „Don Juan“ am 24. Mai, Jelenia Gora u.a. mit der Komödie „Gänschen“ am 25. Mai, Liberec mit dem Schauspiel „Märtyrer“ am 26. Mai. Alles wird Deutsch übertitelt.

Für Kinder gibt es u. a. das Animationstheater „Hündchen Karmelek“ aus Jelenia Gora am 27. Mai mit Simultanübersetzung.

www.g-h-t.de/de/J-O-S-Festival/

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Und wie das so ist bei Zombie-Filmen: Zum Schluss gibt es immer einen Ort, an dem sich die letzten Lebenden verstecken und sich ihren Freiraum schaffen. Das wird das Theater sein, sagt Daniel Ratthei. „Dankeschön“, sagt die Chefin. Der Intendantin Dorotty Szalma gefällt die Idee mit den Zombies. Und dass Daniel Ratthei vorhat, noch vor der Premiere so eine Art Flashmob oder Zombie Walk zu veranstalten, bei dem die Untoten durch Zittau ziehen. Zombie Walks kennt Sascha Hargesheimer schon aus anderen Städten. Auch ihm gefällt die Idee für das Stück und dass die Zombies in der Stadt auftauchen, um für das Bühnenwerk zu werben. Ein Stück mit Zombies auf der Bühne gab es bisher noch nicht, glaubt Daniel Ratthei. Sein Premierentermin steht schon. Es ist der 23. März 2019.

„Ich habe Zittau jetzt echt lieb gewonnen“, sagt Daniel Ratthei. „Ich fühle mich hier schon ein bisschen zu Hause.“ Als sein achtjähriger Sohn da war, hat er mit ihm den „Wunschpunsch“ im Theater gesehen: „Das ging total ab, echt genial.“ Mit seiner Freundin war er im Musical „Cabaret“, das hat ihm gut gefallen. Auch Sascha Hargesheimer fand die Inszenierung von Dorotty Szalma „sehr schön“. Die Chefin ist schon peinlich berührt bei so viel Lob.

Sascha Hargesheimer hat in den vergangenen zwei Monaten auch viel mit Menschen in Zittau und der Umgebung gesprochen, so über den Aufstieg und Niedergang der Textilindustrie. Er war auch schon in Liberec, nach Jelenia Gora fährt er noch. Er liebt es, in Museen und botanische Gärten zu gehen, das hat er in der tschechischen Stadt auch gefunden. Sein erster Eindruck von Liberec: „Man hat das Gefühl, das ist eine junge, lebendige Stadt.“ Gerade wegen der Nähe zu Zittau interessiert ihn der Austausch zwischen den beiden Städten. Er habe gemerkt, dass viele Deutsche kein Tschechisch können.

Liefern müssen sie am Ende beide. Jeder bekommt 10000 Euro für sein Stück. Die Unterkunft in der Nähe des Theaters ist kostenlos. Versorgt werden sie allerdings nicht. Brötchen hängt ihnen also keiner früh an die Tür. Das muss auch niemand. „Ich habe eine Küche“, sagt Sascha Hargesheimer. Und: „Die ist sehr schön, die Unterkunft.“ Vor fast einem Jahr haben die beiden Autoren ihre Preise gewonnen. Das Dreiländerfestival hat noch einen Dritten ausgezeichnet, Oliver Kluck aus Berlin, der in der nächsten Spielzeit kommt. Alle drei stachen mit ihren Beiträgen aus 197 Arbeiten hervor.

Finanziert wird alles mit Fördermitteln der EU. Und weil Dorotty Szalma neben Polen und Tschechien jedes Jahr ein weiteres Gastland in das Festival einbindet, hat sie sich diesmal für ein slowenisches Theater entschieden, ganz im Sinne der Bewerbung von Zittau als Europäische Kulturhauptstadt. Die slowenische Stadt Nova Goriza ist Mitbewerberin und kommt mit „Don Juan“ nach Zittau.

Für die Autoren sind es die letzten Tage ihres Aufenthaltes. Sascha Hargesheimer ist gespannt darauf, wie die ausländischen Stücke ankommen. Und Daniel Ratthei sagt schon mal: „Ich ziehe mir alles rein, auf jeden Fall die Eröffnungspremiere von den Jugendlichen. Darauf freue ich mich.“