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Von Fraktion zu Fraktion

Gaby Zemmrich stellt sich zum dritten Mal zur Wahl – dieses Mal für die CDU. Für den Wechsel hat sie gute Gründe.

Gaby Zemmrich tritt zur Stadtratswahl am 26. Mai für die CDU an. Sie bringt bereits eine zehnjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik mit.
Gaby Zemmrich tritt zur Stadtratswahl am 26. Mai für die CDU an. Sie bringt bereits eine zehnjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik mit. © Lars Halbauer

Waldheim. Gaby Zemmrich ist eine von 38 Frauen und Männern, die sich am 26. Mai um ein Stadtratsmandat bewerben. 

Wird sie gewählt, wäre das nicht nur das dritte Mal, sie würde auch zum dritten Mal in einer anderen Fraktion sitzen. Vor zehn Jahren schaffte sie mit der UBW (Unabhängige Bürger für Waldheim) den Einzug in den Stadtrat. In den vergangenen fünf Jahren gehörte die Parteilose zur SPD-Fraktion und diesmal tritt sie für die CDU an. Ein Novum. Aber weshalb betreibt die Waldheimerin dieses Fraktions-Hopping?

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„Grundsätzlich bin ich für Waldheim und die Waldheimer im Stadtrat. Ich bin mit Leidenschaft und Engagement dabei, informiere mich über alles, was mit dem Stadtrat zusammenhängt und frage auch vor den Beratungen nach, wenn ich etwas nicht verstehe“, sagt sie. Die Partei sei dabei nebensächlich. Außerdem sei in der zuende gehenden Legislaturperiode schon einiges parteiübergreifend gelaufen.

Mit René Michael Röder bildet Gaby Zemmrich derzeit für die SPD die kleinste Fraktion im Waldheimer Stadtrat. „Damit verteilen sich natürlich auch alle anderen Funktionen auf nur zwei Personen“, sagt sie. 

Gaby Zemmrich sitzt somit auch im technischen Ausschuss, im Aufsichtsrat der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (WBV), als Vertreter für Sandro Dierbeck (FDP) im Verwaltungsausschuss, als Vertreter für René Michael Röder im Kultur- und Sozialausschuss sowie im Ältestenrat, und als Abgeordnete für die SPD und CDU im Abwasserzweckverband (AZV) „Untere Zschopau“. 

Sie engagiert sich in zwei Schulfördervereinen und nimmt auch an Veranstaltungen teil, in denen sie als Stadtrat gefragt ist. „Ich mache das gern. Aber in einer Fraktion mit fünf bis sechs Stadträten verteilt sich all das auf mehr Schultern“, meint sie. Deshalb sei ihr ursprünglicher Plan gewesen, nicht wieder anzutreten. „Zehn Jahre reichen.“

Das sehen offenbar nicht alle so. Sie sei nicht nur von mehreren Waldheimern darauf angesprochen worden, weiterzumachen, auch Kathrin Schneider und Ricardo Baldauf von der CDU hätten den Kontakt zu ihr gesucht. In der CDU-Fraktion habe sie ohnehin schon regelmäßig über die AZV-Sitzungen berichtet. „Dabei kommt man automatisch auch über andere Bereiche ins Gespräch“, sagt Gaby Zemmrich. Schon dabei habe es Schnittstellen gegeben. Auch im Wahlprogramm der CDU gebe es viele Punkte, die sie genau so sehe. Also ließ sie sich überzeugen, ein weiteres Mal und für die CDU anzutreten.

„Ich möchte gerne, dass der Checkpoint mehr ins Zentrum rückt, damit die Jugendlichen ihn besser erreichen können“, sagt sie. Jedes Jahr stehe dieses Thema auf der Tagesordnung des Jugendstadtrates. Die Stadt müsse intensiv nach einem geeigneten Objekt suchen. Die Bibliothek solle an ihrem Standort bleiben. Für die Grund- und Förderschule sei sie gut gelegen. In der Villa Meineck an der Härtelstraße könnte sie sich eine „hochwertigere Seniorenresidenz mit Pfiff“ vorstellen und der Markt solle unbedingt als gute Stube der Stadt erhalten bleiben. Einen Wirtschaftsförderer hält Gaby Zemmrich wichtig für Waldheim.

Auch wenn die Stadt selbst keine abbruchreifen Häuser mehr besitzt, sollte sie sich intensiver um die Ruinen kümmern und den Eigentümern nicht nur Briefe schreiben. „Ein gutes Gespräch ersetzt alles. Man muss gemeinsam mit dem Eigentümer Lösungen finden und ihm Hilfen anbieten.“ Mit der GaWaRi sollte die Stadt beginnen. Der ehemalige Gasthof sei von allen maroden Gebäuden das schlimmste. „Das wäre ein bombastisches Baugrundstück zwischen Waldheim und Hartha.“

Die Nähe der beiden Städte beschäftigt Gaby Zemmrich sehr. Wenn es nicht bald gelinge, die Menschen im Städtebund so zusammenzubringen, wie in Waldheim für das MDR Jump-Osterfeuer, sei das Sachsenkreuz eine Totgeburt. Denn mehr als die Feier zum 3. Oktober und die Kehrmaschine, die Waldheim, Hartha und Leisnig gemeinsam nutzen, habe der Verbund über all die Jahre nicht gebracht.

In einer Großgemeinde Hartha-Waldheim sieht Gaby Zemmrich dagegen eine große Chance. „Die eröffnet ungeahnte Möglichkeiten: ein zentraler Bauhof, gemeinsame Feuerwehren, eine intensivere Zusammenarbeit der Oberschulen, ein Schulbus, der zwischen den Städten verkehrt. Keiner will zugeben, dass Hartha und Waldheim viele Gemeinsamkeiten haben.“

Aber egal, um was es sich handelt, am wichtigsten ist der Immobilienmaklerin, dass die Menschen sich gegenseitig zuhören, darüber nachdenken, diskutieren und einen Kompromiss finden. „Das Leben besteht aus Kompromissen. Sonst kommt man nicht vorwärts“, meint sie und findet es schade, dass manche Idee von vornherein blockiert wird. Jeder habe auf einem oder mehreren Gebieten spezielle Erfahrungen, die er für die Entwicklung der Stadt einbringen kann. Nicht alle Ideen würden funktionieren. „Aber manchmal muss man auch über seinen Schatten springen, um etwas zu bewegen.“