SZ +
Merken

Von „Glück auf“ bis Tragödie

Rund 1 000 Bergleute ließen im Lausitzer Revier ihr Leben – ihnen ist jetzt eine Ausstellung der Energiefabrik Knappenrode gewidmet.

Teilen
Folgen

Von Uwe Schulz

Die Waschkaue ist heute ein kalter Raum. Ungeheizt. Früher, als die Brikettfabrik Knappenrode in Betrieb war, war es hier wärmer. Doch an einem Tag im Jahre 1978 kamen fünf Arbeiter von der Schicht nicht zurück zum Duschen und Umkleiden. Sie starben bei einer Verpuffung. Es war die größte Katastrophe in der Geschichte der Fabrik, die heute Museum ist. Die fünf Opfer reihen sich ein in die Liste der mittlerweile fast 1000 Menschenleben, die der Lausitzer Braunkohlebergbau seit 1914 nachweislich gefordert hat. Ihnen allen ist die neue Ausstellung „Von Feuer, Wasser und bösen Wettern“ gewidmet, die jetzt in der Waschkaue der Energiefabrik Knappenrode zu sehen ist. Sensibel haben sich die Ausstellungsmacher der Thematik genähert. Sie widmen sich den Elementen und den von ihnen ausgehenden Gefahren für die Menschen ebenso wie der technischen Entwicklung des Grubenwesens, zeigen die Historie des Bergbaus und gleichzeitig die Weiterentwicklung der Grubenrettung. Gefährliche Arroganz der Grubenbetreiber, wie sie heute in Deutschland nicht mehr vorstellbar ist, wird anhand eines Beispiels aus dem Jahre 1864 deutlich. Damals ließ der Bohsdorfer Grubenbetreiber Heinze ein unterirdisch schwelendes Feuer nicht löschen. Lieber ließ er an die Bergleute Branntwein ausschenken, auf dass sie die Wärme besser ertragen sollten. Am Ende starben einige von ihnen im Schacht.

In der Ausstellung kommen auch Augenzeugen von Unglücken zu Wort, anonymisiert. „Die Kunst bestand darin, den Abstand zu den Unglücken zu halten und dennoch die Einzelschicksale hinter den vielen Namen aufzuzeigen“, lobt Energiefabrikleiterin Ute Baumgarten die Arbeit aller, die an der Ausstellung mitarbeiteten. Angelika Ehrler und Kathleen Hofmann recherchierten, trugen Fakten zusammen, Rico Hofmann gestaltete das Ausstellungskonzept, Frank Arnold und Holger Babulik realisieren einen Großteil der Aufbauarbeiten.

Da werden Warnschilder drapiert, Messgeräte, mit denen man einst die Qualität der Luft unter Tage untersuchte, zusammengestellt. Grubenlampen verschiedener Epochen stehen in Reih und Glied. Die größten Exponate sind eine Trage, wie sie zur Rettung von Verletzten zum Einsatz kam, und eine Dahlbusch-Bombe. Mit einem solchen 2,5 Meter langen und nur knapp 40 Zentimeter breiten Zylinder waren durch ein Bohrloch 1963 in Lengede elf verschüttete Bergleute gerettet worden. „Glück auf“, der Gruß der Bergleute und gleichzeitig allgegenwärtiger Wunsch – für sie wurde er nach bangen Stunden Wirklichkeit.