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Von heißen Reifen und kalten Fingern

SZ-Autorin Susanne Sodan macht Sport: Heute mit Steffen Schwarz, Kandidat bei der Sportlerumfrage. Es gibt Strafrunden für den Miniflitzer.

© André Schulze

Von Susanne Sodan

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Es riecht nach Gummi in dem heruntergekommenen Fabrikgebäude. Der Atem gefriert in der Luft. Beton, Asphalt, Gestrüpp. Motorengeräusche schallen über das Gelände. Szenen aus dem Film „The Fast & the Furious“ schießen mir durch den Kopf. Der perfekte Ort für illegale Auto-Rennen. Aber etwas stimmt nicht. Dieser Motor hört sich nicht nach einem donnernden PS-Riesen an, sondern nach einer wildgewordenen Ente. „Wir trainieren hier Automodellsport“, erklärt Steffen Schwarz. „Auf 80 Sachen kann man mit unseren Autos schon kommen.“ Alles ganz legal. Das Fabrikgebäude auf dem Ziegelweg in Niesky ist die Übungshalle der Motorsportgemeinschaft Niesky.

Steffen Schwarz dreht schon die ersten Runden, oder besser: sein Modellauto. Es ist alles dran: Karosserie, Motor, Reifen, Steuerung, Federung – wie bei einem echten Rennauto. Eine Runde durch den Parcours schafft sein Verbrenner in ein paar Sekunden. Sieht einfach aus. Mir drückt er ein grünes Elektroauto in die Hände, dazu eine Steuerung. Sieht ein bisschen aus wie eine Pistole. Mit dem Zeigefinger reguliert man die Geschwindigkeit, über ein kleines Rad – eben wie ein Lenkrad – die Richtung. Auf die Plätze, fertig, los!

Steffen ist einer der besten Automodellsportler, aktuell sogar der beste in der Region. Den Oberlausitzcup hat er im vergangenen Jahr gewonnen. Deshalb haben seine Vereinskollegen ihn als Sportler des Jahres vorgeschlagen. Unsere Leser werden abstimmen, wer am Ende das Rennen macht. Vorab stellt die SZ die Kandidaten vor – und macht den Selbsttest. Gemeinsam mit ihnen probiere ich die Sportarten aus, mit denen die Kandidaten großen Erfolg haben. Mal sehen, wann ich aufgebe.

Erst einmal gebe ich Gas. Nicht gut, gar nicht gut. Es ist überhaupt nicht einfach. Mein grüner Flitzer will nicht geradeaus fahren. Links, rechts, links trudelt er über die Bahn. Der nicht vorhandene Minifahrer hinterm Lenkrad muss doch besoffen sein. Keine Wand, keine Bake ist sicher. Der Minifahrer muss schon nach den ersten Minuten ein schweres Schädel-Hirn-Trauma haben. Und währenddessen rast Steffens buntes Modellauto an meinem vorbei und hüpft über die Hindernisse. Ich dagegen holpere immer wieder über die flachen hölzernen Spurbegrenzungen. Eigentlich gar keine schlechte Idee. Einfach querfeldein fahren. Da lässt sich mancher Meter gutmachen. „Dafür gibt's Strafrunden“, erklärt Steffen. Oder zumindest eine Verwarnung.

Schon seit seiner Kindheit liebt Steffen Schwarz Autos. Am Anfang waren es noch Match-Box-Modelle. Ohne Motor. Später wuchs dann die Begeisterung für die größeren Artgenossen – und für Motorräder. Zeitweise war er auf zwei Rädern im Supermoto unterwegs – ein kurzes Zwischenspiel. „Natürlich ist es ein anderes Gefühl, wenn man mit einem richtigen Auto oder auf dem Motorrad unterwegs ist“, erzählt er. Mit dem Familienzuwachs ist ihm aber das Risiko zu groß geworden. „Und man muss auch sehen, dass Modellsport finanziell leichter zu stemmen ist.“ Billig ist Automodellsport trotzdem nicht. 300 Euro legt man für ein Anfänger-Modellauto hin. Für die besseren auch schon mal tausend Euro. Auch die Kosten fürs Tanken sind nicht ohne. Die Verbrenner fahren mit einem Gemisch aus Methanol und Nitromethan. Zehn Euro pro Liter. Vor allem aber kostet dieser Sport Zeit. Jeden Donnerstag wird trainiert, sonntags sind die Rennen. Und jedes Mal muss nachher das gesamte Auto auseinandergenommen, gereinigt und neu eingestellt werden.

Mir wird langsam klar, warum Automodellsport als Sport gilt, obwohl man die ganze Zeit nur in der Kälte steht. Es kommt auf die Konzentration an. Und in meinem Fall auf Geduld. „Schneller wird man von alleine“, sagt Steffen. Aber Gasgeben und Lenken werden immer schwieriger – weil die Hände immer kälter werden. Also überlege ich mir eine neue Taktik. Ich stehe einfach im Weg rum und mache es den anderen Fahrern durch Blockieren der Bahn oder gezieltes Anfahren schwer. „Andere Fahrer zu behindern, ist auch nicht erlaubt“, sagt Steffen und kurvt einfach an meinem grünen Auto vorbei.

Mit Rennen hat Steffen seine Erfahrung. Seit 2008 fährt er beim Oberlausitzcup mit. Das sind insgesamt acht Rennen auf verschiedenen Bahnen, unter anderem in Bautzen, Löbau, Zittau, Lauba und Niesky. Fünf der Läufe werden gewertet. Immer sind die Gegebenheiten andere. Immer muss das Auto neu eingestellt werden. „Man muss zum Beispiel darauf achten, welche Reifenhärte und welches Profil zum Untergrund passen“, erklärt Steffen. Wie stark oder weich muss die Federung sein? Passt der Radsturz zu den Hindernissen? Gutmütig bis aggressiv, jede Einstellung ändert etwas am Charakter des Autos.

Schon in den vergangenen Jahren ist Steffen Schwarz immer weit vorne gelandet beim Oberlausitzcup. 2014 hat er ihn gewonnen. „Aber das war sehr knapp“, erzählt er. „Das erste Rennen hatte ich völlig verpatzt.“ Und dann hing ihm sein Bruder Karsten die ganze Zeit an den Fersen. Auch er ist Automodellsportler. „Wir sind eigentlich unsere härtesten Konkurrenten.“

Dagegen bin ich schlichtweg gar keine Konkurrenz. Mein Zeigefinger gefriert, und mein Grüner will auch nicht mehr. Akku leer. Betrug!, will ich schreien. Anfängerfehler, sagt Steffen. Nicht genug auf die Technik geachtet. Egal, ich kann ihn mit seinem bunten Renner ohnehin nicht schlagen. Von Anfang an nicht. Am Ende ist es die Kälte, die es mich sagen lässt: Ich gebe auf!

Die Sportlerumfrage der SZ läuft noch bis zum 2. März. Alle Kandidaten finden Sie in dieser Ausgabe auf dem Tippschein auf Seite 20.

Welcher Kandidat zeigt Susanne Sodan als Nächstes seine Sportart? Bitte melden unter  03588 25365550 oder

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