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Von Jägern, Sammlern und Kunst

Weihnachten hat uns wieder. Jedenfalls der Geschenke-Besorgungs-Trieb funktioniert wie immer bestens. Gestern lief im Kamenzer Stadttheater die 4. Kunstbörse über die Bretter. Ein Paradies für Schenker und künftig Beschenkte. Hier gab es Kunst zum kleinen oder größeren Preis. Die Schöpfer von Pastell-, Aquarell-, Öl-, Acrylbildern, Holzschnitten, Kaltnadelradierungen oder Monotypien waren mit ihrem Publikum zufrieden…

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Von Ina Förster

Punkt 14 Uhr stand die erste Kundschaft vor der Tür. Die zählte zu der Gattung „Zeitiges Kommen sichert die begehrtesten Bilder“. Und das zum ausgesprochen verträglichen Preis. Zwischen 15 und 150 Euro musste man für die Kunstwerke berappen. Das sind im Vergleich zu Ausstellungsangeboten oder Atelierware wirkliche Schnäppchen.

Kamenzer Motive

begehrt wie immer

Der Kamenzer Kunstbörsenbesucher weiß das schon seit vier Jahren und wagt sich regelmäßig an ganz persönliche Kaufräusche heran. Wo das Jahr über kaum ein Euro für hehre Kunst ausgegeben wird, tragen die Käufer hier sogar gleich zwei gerahmte Bilder davon. Manche Gesichter kannte man mittlerweile. Mit geübten Blick fischten viele Fans gleich zu Beginn der Kaufbörse ihre Favoriten aus dem Gewimmel von über einhundert ausgestellten Kleinkunstwerken. Das waren dann meistens Kamenz-Motive: Der Rote Turm, die Klosterkirche, der Schulplatz mit Schule, das Klostertor, die Topfhallen aktuell mit Irish-Pub, Burg- oder Wallstraße, die schwarze Elster von verschiedenen Orten aus gesehen und freilich die Hauptkirche St. Marien.

St. Marien in dutzend verschiedenen Ansichten

Letztere kam dabei mal dick, mal dünn, mal wuchtig, mal grazil, mal dunkel, mal hell, mal kontrastreich mal verschwommen zum Tragen. Die unterschiedlichen Künstler hatten ihre ganz persönliche Sicht darauf individuell zu Papier gebracht. Besonders beliebt schien dabei in diesem Jahr der Blick vom abgerissenen Wurstfabrik-Gelände gewesen zu sein. Roter Turm und Hauptkirche schmiegen sich überall aneinander. Kunstbörsengänger kaufen so etwas gern. Als Geschenk für Weihnachten oder für den ganz privaten Genuss zu Hause.

Das hatten die MalerInnen in besonderem Maß wahrscheinlich schon vorher gewusst. Die Mitglieder des Malkreises „Pastell“ aus der Lessingstadt zum Beispiel sammelten das Jahr über neue Eindrücke Kamenzer Ein- und Ansichten und setzten sie mit Kreide und Fantasie in die Tat um. „Wir fahren auch ab und an zusammen raus und machen Skizzen. Mal geht es zu den Weißiger Teichen in die Natur, ein anderes Mal nach Radeberg auf Klippenstein“, erzählt Monika Röseberg vom Malkreis. Seit vielen Jahren gehört sie zur Stammtruppe um Adeltraud Zierenner und genießt das Hobby sehr. Einmal in er Woche treffen sich die Frauen; die Jüngste hatte gerade Jugendweihe, die älteren sind über die 60 Jahre.

Spaß soll das Ganze machen. Nicht bei jedem Treff wird ein neues Bild begonnen. Wie bei den großen Künstlern darf zwischendurch geändert, pausiert und manchmal auch verworfen werden. So wie die Muse eben gerade gelaunt ist. Am gestrigen Sonntag waren viele der Malerinnen vom Pastell-Malkreis zugegen, hatten den Wunsch, sich einmal einem großen Publikum zu zeigen. „Bei der 3. Kunstbörse war ich nicht dabei, aber diesmal habe ich mich wieder getraut“, schmunzelt Monika Röseberg. Gehört so viel Mut dazu, die eigenen Kunstwerke auszustellen? „Sonst sehen die Bilder nur die engsten Freunde. Ein wenig Selbstzweifel ist also mit dabei: Bin ich eigentlich gut genug für so eine Börse“, erklärte sich die Kamenzerin mit einem Augenzwinkern. Die Antwort darauf folgte auf dem Fuß. Eine Besucherin reservierte sich begeistert das Bild des Kellingschen Vorwerks – wieder übrigens ein bekanntes Kamenzer Motiv. Bezahlt wurde später, erst einmal hieß es sich weiter umzuschauen. Denn da gab es noch viel zu stöbern. Die Rhododendrenbilder in Acryl von Hans Fritsch zum Beispiel fanden viele Betrachter. Allerdings sind die meisten Werke des Kamenzer Künstlers großformatig, passen nicht an jede Wohnzimmerwand und sind etwas kostenintensiver. „Das Verkaufen steht heute nicht unbedingt im Vordergrund. Sicher freut man sich über jeden Interessenten, aber selbst wenn man die meisten Bilder wieder mitnimmt, bringt die Börse für jeden hier etwas“, so Fritsch. Auch er musste nicht lange auf einen Abnehmer warten. Der Skizziergang auf den Hutberg hat sich also im Nachhinein gelohnt.

Erstmals war auch die Gruppe Oberlausitz aus Radeberg mit im Boot. Sie hatten Holz- und Linolschnitte mit im Gepäck, auch einige Kaltnadelradierungen und Monotypien. Ein angenehm wirkender Gegensatz zu den vielen Farben. Ganze drei Stunden beantworteten alle Künstler geduldig Fragen und stellten sich ihren Besuchern. Mit den Einnahmen wird nun wahrscheinlich wieder neue Farbe gekauft. Der Kuss der Muse allerdings bleibt nach wie vor unverkäuflich…