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Von kleinen Wandbezwingern

Im „Kletteraffen“ in Kamenz-Wiesa starten wieder neue Kurse. Hier lernen Kinder neben Griffen, Technik und Ausdauer auch einiges über sich selbst.

© Matthias Schumann

Von Ina Förster

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Kamenz. Tom ist ein wildes Kind. Er ist laut und manchmal unbeherrscht. Und ganz oft voller Kummer über sich selbst. Denn in ihm sitzt eine verletzliche, hochempathische Seele, die nach Beachtung schreit. Das wissen seine Klassenkameraden aber nicht. Die anderen Kinder hänseln ihn. Einige in der Klasse wissen genau, wie sie ihn reizen können. Dann eskaliert es oft in der Pause. Die Lehrerin hat seiner Mama gesagt, sie solle doch einmal etwas suchen für ihren Jungen. Und sie ist losgegangen, um eine passende Freizeitgestaltung zu finden.

Die fand sie unter anderem in der Kletterhalle „Kletteraffe“ in Wiesa. Heike Raßbach kennt die Sorgen dieser Eltern. „Das Klettern ist wunderbar geeignet, um überschüssige Energien umzuwandeln, sich auf einen Punkt zu konzentrieren“, sagt die 47-Jährige. Immer mehr von ihnen finden zu ihr. „Ich kann es nur allen empfehlen. Hier werden die Kinder in eine tolle Gruppe integriert.“ Die Diagnose ADHS oder ADS wird oft schnell gestellt. Ein weites Feld, das mitunter zu Fehldiagnosen führt. Die Eltern stehen anschließend ratlos da. Und müssen sich selber kümmern.

In den Kletterkursen von Heike Raßbach sind sie alle willkommen: Die Wilden und Stillen, die Schlanken und Moppeligen. Hier geht es fröhlich zu. Doch es herrscht auch Disziplin. Klare Ansagen, selbstständiges Arbeiten und Struktur sind an der Tagesordnung. Das alles braucht man zum Klettern. „Wir freuen uns über Mädchen und Jungen ab sechs Jahren. Ab drei dürfen sie auch kommen, dann am besten mittwochs zum freien Klettern von 15 bis 17 Uhr in Begleitung der Eltern“, so die Trainerin.

Früher war die Kletterhalle eine der drei Wies’schen Bäckereien. Emil Sommer erbaute das Eckgebäude 1910. Heikes, Opa Helmut Rammer, backte hier bis 1974 Brot, Brötchen und leckeren Kuchen. Die Enkelin erinnert sich. „Ich bin hier aufgewachsen, den Duft von frischem Brot habe ich in der Nase“, sagt sie. An einem der Fenster der heutigen Kletterhalle standen die Kuchenreste und Streusel zum Naschen. „Immer wenn ich hinein komme, denke ich daran.“ Wo früher die Öfen glühten, die Kundschaft anstand und ein Kamin durch die Mitte des Raumes führte, sind seit Jahren Betonwände installiert. Manche schräg, andere gerade. Daran unzählige Kletter- und Bouldergriffe (Boulder = Fels) in bunten Farben und mannigfaltigen Formen. „Es sind auf jeden Fall über 1000. Angefangen hat das alles mit einem Trainingsraum für meinen Mann, der begeisterter Kletterer ist“, sagt die Wiesaerin. Bereits 2005 übernahm die Familie das Haus, baute sich hier ein gemütliches Nest.

Geklettert wird ohne Seil über Absprungmatten. Die Raumhöhe beträgt 2,70 Meter. Damit ist die mögliche Fallhöhe unter zwei Meter und die Verletzungsgefahr geht gegen Null. Auf 80 Quadratmetern darf getobt und gesportelt werden. Gruppen bis zwölf Kinder sind ideal. Sonst wird es eng. Auch das Komplett-Paket reizt: Wer hier seinen Kindergeburtstag ausgestaltet, kann die urgemütliche Küche und das kleine Kino mit original Stühlen aus dem ersten Leipziger Kino mit anmieten. Hier dürfen die lieben Kleinen nach aufregender Kletter-Tour beim mitgebrachten Film entspannen und lecker zusammen essen.

Heike Raßbach hat sich einen Traum erfüllt. Mit der Zeit ist die Konkurrenz im Umland zwar gewachsen. Doch die Individualität lockt viele an. Oft aus Dresden oder Radeberg. „Ich freue mich, wenn Kinder heutzutage aus ihrer überbordenden medialen Welt heraus geholt werden. Es gibt leider immer mehr unsportliche Kinder.“

Fünf Gruppen könnten gebildet werden. Bisher sind zwei Kurse zusammen gekommen. Sobald drei Kinder an einem Termin können, wird ein neuer Kurs aufgemacht.

Terminangebote: Di., 14.30-15.30 Uhr; Di., 15.45-16.45 Uhr; Di., 17-18 Uhr; Mi., 18-19 Uhr.

Man trifft sich einmal pro Woche, um die Grundlagen des Kletterns / Boulderns zu erlernen. Es werden nicht nur die Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer, Koordination und motorische Fähigkeiten trainiert, sondern auch viele Bewegungsspiele angeboten.

Keine Vereinszugehörigkeit und Wettkämpfe! Infos: 0172 7956339 [email protected]