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Von Mylau nach Hoyerswerda

Besonders ehemaligen Schülern ist Monika Breitkreutz im Gedächtnis geblieben, doch sie war auch anderweitig aktiv.

Monika Breitkreutz ist auch heute noch ein geselliger und umtriebiger Mensch.
Monika Breitkreutz ist auch heute noch ein geselliger und umtriebiger Mensch. © Foto: Angela Donath

Von Angela Donath

Hoyerswerda. „Alt werden ist Mist“, sagt Monika Breitkreutz. „Aber“, so fügt sie gleich lächelnd hinzu, „da kannst du eben nichts machen. Es trifft jeden. Solange die Beine noch mitmachen und einigermaßen der Kopf, so lange musst du aktiv bleiben!“ Monika Breitkreutz weiß, wovon sie spricht. Sie ist Jahrgang 1941 und, so gut es geht, ist sie aktiv und macht mit. In Hoyerswerda kennen sie viele aus ihrer Zeit als Lehrerin, als langjährige Stadträtin oder auch als Mitglied des Behindertenbeirates.

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Seit drei Jahren lebt sie allein, jetzt hat sie sich bei einer Tagespflege Hilfe gesucht und für sich die Beste gefunden. Ihr Sohn sagt: „Das ist besser, als zu oft allein zu Hause rumsitzen.“ Er besucht sie regelmäßig. Nur der Anfahrtsweg aus dem Berliner Speckgürtel ist nicht ohne und sein Job am Berliner Flughafen auch nicht.

Begegnungen sind wichtig

Weiter sagt Monika Breitkreutz: „Ja, ich habe mein Auto verschenkt. Es ist besser für mich – und mein Enkel braucht es dringend. In Hoyerswerda laufe ich viel und gerne und ich fahre auch noch Fahrrad. Ich freu mich, wenn ich mich mit jemandem treffen kann und ich habe freundliche Nachbarn. Vor allem lobt sie ihre sehr liebe Nachbarin, mit der sie viel unternimmt. „Ich gehe gerne zu Veranstaltungen, wie neulich zu einer Modenschau“ und ich bin auch in der Tagespflege nicht eingesperrt. Ich darf da raus. Jetzt freue ich mich auf unser Gespräch. Bloß mit Jahreszahlen“, so sagt sie noch, „mit denen habe ich´s nicht mehr so.“ Na gut, alles geklärt. Lassen wir die Zahlen, genießen den schönen Sommertag im Freien. Wir reden bei leckeren Smoothies und frischem Obst.

Die Frage, wie es sie, die Vogtländerin, nach Hoyerswerda verschlagen hat, beantwortet Monika Breitkreutz mit einem Lachen. „Ja, ich bin tatsächlich in Mylau an der Göltzschtalbrücke geboren, dort ist es schön. Nach der Schule habe ich in Altenburg studiert und wurde Unterstufenlehrerin. Eine Freundin hatte einen Freund hier in der Gegend, da waren wir zu Besuch. Im Dorf war gerade Rummel, wir waren natürlich dort. Und da traf ich meinen Egon.“ Dem hatte jemand gesagt: „An die kleene Lehrerin musste dich ranmachen!“ Erst wurde bloß geguckt, aber dann wurde mehr daraus.

Eine glückliche Ehe wurde daraus, Sohn Georg wurde geboren, wenig später die Tochter Jane. Sie trat später in Mutters Fußstapfen und wurde ebenfalls Lehrerin. Aber nicht immer meinte es das Leben gut mit Monika Breitkreutz: Die Tochter starb viel zu jung im Jahr 2011, ihr Egon, mit dem sie noch so viel vorhatte, vor drei Jahren. Sie ist traurig, wenn sie davon erzählt, sagt aber dann: „Alles hat seine Zeit. Und wir hatten schöne Jahre: Die Zeit, als die Kinder klein waren, später die Geburten der Enkel, unsere Urlaube, und noch später die Reisen mit Egon allein, als wir nach Österreich durften. Ach, und die Ausflüge mit dem Rad und die schöne Zeit im Garten ...“

Sie erzählt von ihren ersten Jahren als Lehrerin. Das war in Grünewald, heute Landkreis Oberspreewald-Lausitz. „Wir wohnten direkt in der Schule in drei ganz kleinen Räumen. Gleich nebenan war der Hort. Früh unterrichtete ich die Kinder und am Nachmittag konnte ich jedes Wort hören, was sie sprachen. In der Küche stand ein Kochherd, mit dem wurde geheizt und darauf wurde gekocht. Einen Wasserabfluss gab es nicht, aber ich hatte einen findigen Vati. Der baute uns einen Ablauf – direkt in die Dachrinne. Ja, so war das damals – und Georg war schon geboren.“

Dann kam so etwas wie das große Los: Breitkreutzens bekamen eine AWG-Wohnung in Hoyerswerda. Da war auch Jane schon da. „Im WK VI haben wir gewohnt, gleich neben der POS X. Otto Weyh war mein Direktor.“ Noch immer spricht sie diesen Namen mit großer Achtung aus – der Name hatte Gewicht in der Stadt. „Streng war er, gerecht und immer stand er hinter den Kollegen.“

Einmal, so erzählt sie schmunzelnd, hatte ein Kollege eine Auseinandersetzung mit einem Schüler, die nicht ganz ohne Folgen blieb: Die Naht an einem Jackenärmel hatte sich – nun ja – gelöst. Auf die Frage, wer nähen kann, gab es eine schnelle und logische Antwort. Frau Breitkreutz konnte, die Wohnung mit Nähmaschine war ja gleich nebenan.

Diese Nähe war auch an dem Tag von Nutzen, an dem die aufgeregte Schulsekretärin in den Unterricht gestürmt kam und rief: „Du musst sofort nach Hause. Auf eurem Fenster sitzt ein Kanarienvogel!“ Die Sekretärin übernahm, Monika Breitkreutz fing den Vogel, dessen Besitzerin freute sich und die Kinder hatten was zu erzählen. Rechtlich war das schon damals nicht ganz in Ordnung, aber Sozialkunde im praktischen Sinne war es allemal.

Durch Politik einbringen

Monika Breitkreutz war viele Jahre Mitglied der SED. „Mein Vater war Kommunist, ich wurde in diesem Sinne erzogen, für mich gab es an der Sache keine Zweifel, es war keine Frage.“ Auch nach der Wende blieb sie ihrer Überzeugung treu, sie vertrat die PDS im Stadtrat, später die LINKE. In der ersten Legislaturperiode nach der Wende war sie Stadtverordnetenvorsteherin. „Das Vorschlagsrecht für dieses Ehrenamt kam von der stärksten Fraktion – und das war die PDS. Die Zeit war aufregend, ich eröffnete und schloss die Sitzungen, führte durch die Tagesordnung, das ging oft bis in die Nacht.“

Ein verschmitztes Lächeln schleicht sich ins Gesicht, als sie von einer ihrer ersten dienstlichen Begegnungen mit Armin Ahrendt erzählt. Er war als CDU-Bürgermeister von Bad Münstereifel nach Hoyerswerda gekommen, nun wollte er seine Stadtverordneten kennenlernen. „In unsere Fraktion kam er zuerst. Wir waren erstaunt und auch ein bisschen verunsichert. Wieso ausgerechnet zu uns, zur PDS?“ Armin Ahrend antworte: „Wie in der CDU gearbeitet wird, das weiß ich. Wie in der PDS gearbeitet wird, das weiß ich natürlich nicht. Ich will das aber gerne wissen.“ Die Zusammenarbeit gestaltete sich fair – zur Stadtspitze und zu den Fraktionen“, so sagt Monika Breitkreutz heute.

Bis vor zwei Jahren vertrat sie die LINKE noch im Behindertenbeirat. Auch dort konnte sie manches Dringliche bewegen. Sie denkt an die Radwege. „Wenigstens die gefährlichsten Stellen konnten wir entschärfen lassen“, oder an die langjährige Diskussion um den sinnvollsten Eingang zum Schloss. „Ein Rollstuhlfahrer hätte den Weg über die Brücke gar nicht bewältigen können, aber das weiß er eben nur selbst.“ Thema in den Beiratssitzungen waren nicht selten auch die Ansiedlungen von Pflegediensten in Hoyerswerda. So etwas wird zunehmend gebraucht, dachte sie damals. Heute weiß sie es.

Während wir so erzählen, kommt eine Frau an unseren Tisch. „Ach, ich kenn´ Sie doch von der Schule, wir haben beide an der POS X gearbeitet.“ Beiden Damen fällt der Name ihres Gegenübers nicht sofort ein, es muss ein wenig gekramt werden – es ist ja auch lange her.

Bei einem anschließenden Firmenjubiläum in der Altstadt fällt der Name Breitkreutz ganz zufällig wieder. Die Firmeninhaberin hört das und fragt: „Frau Breitkreutz? War das nicht eine Lehrerin, so eine kleine? Das war meine Grundschullehrerin, die mochte ich.“

Die Verbindung halten

Wie begann Monika Breitkreutz unser Gespräch? „Alt werden ist Mist!“ Das mag stimmen. Aber wenn etwas bleibt, dann fühlt sich der „Mist“ sicher schon ein bisschen besser an. Bei den Linken im Büro in der Bonhoefferstraße trifft man sie noch immer oft. Heute mischt sie zwar nicht mehr so aktiv mit, aber sie sagt: „Da komm ich unter Leute und bin in Bewegung. Ach, und ich glaube, die freuen sich auch ein bisschen, wenn ich mal vorbeikomme.“

Liebe Frau Breitkreuz, das glauben wir auch. Vielen Dank für das kurzweilige Gespräch, fast ohne Zahlen geht es auch.

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