SZ +
Merken

Von Nikolaus und Sternenmann

Adventssonntage, Nikolaustag und Weihnachtsmärkte – die Weihnachtsfreuden beginnen bei uns in Deutschland schon Ende November. Wie steht’s bei Euch um die weihnachtlichen Vorfreuden? Jaroslav Slaby aus Tschechien: Der kommerzielle Weihnachtsrummel ist bei uns auch gut entwickelt.

Teilen
Folgen

Adventssonntage, Nikolaustag und Weihnachtsmärkte – die Weihnachtsfreuden beginnen bei uns in Deutschland schon Ende November. Wie steht’s bei Euch um die weihnachtlichen Vorfreuden?

Jaroslav Slaby aus Tschechien: Der kommerzielle Weihnachtsrummel ist bei uns auch gut entwickelt. Für die Kinder ist der 5. Dezember eine Art Vorprobe auf Weihnachten. Da kommt der Heilige Nikolaus mit seinem Gefolge aus Engeln und Teufeln zu Besuch. Manchmal nimmt dieser Auftritt schon fast karnevalistische Züge an, wobei die Höllendiener mit einem robusten Mandat ausgerüstet sind...

Remigiusz Cieplechowicz aus Polen: Abgesehen vom Werbespektakel in den Geschäften wird die Adventszeit in Polen eher etwas ruhiger angegangen. Es ist eine Zeit der Besinnung, des Fastens und der Zurückhaltung. Aber der Nikolaus hat auch seine Daseinsberechtigung, besonders wenn er keine Kohlen, sondern Geschenke bringt. Bei uns ist der Stollen ein kulinarischer Begleiter durch die Weihnachtszeit. Gibt es bei Euch auch weihnachtstypische Spezialitäten?

Jaroslav: Da wäre unbedingt das Vánoèka, das Weihnachtsbrot zu nennen, ein kunstvoll geflochtenes Striezelgebäck, das in der Form an das Jesuskindlein erinnern soll. Es könnte gut und gerne als leichte Version des Stollens durchgehen. Der Stollen wird von vielen Tschechen übrigens mit Vorliebe als Mitbringsel in Deutschland gekauft.

Remigiusz: Das typische Gebäck in allen polnischen Familien ist die rechteckige Weihnachts-Oblate mit aufgeprägten meist religiösen Motiven. Dieses geweihte Backwerk wird in der Vorweihnachtszeit aus Polen auch zu den Verwandten im Ausland geschickt als Zeichen der Zusammengehörigkeit und der Versöhnung.

Wer bringt bei Euch eigentlich die Weihnachtsgeschenke?

Remigiusz. Das macht bei uns der Sternenmann mit seinen Sternenjungen, der dem deutschen Weihnachtsmann äußerlich sehr gleicht. Viele Kinder aber glauben, dass das Christkind mit den Präsenten auf einem Esel vom Himmel herabgeritten kommt. Deshalb liegt für das Lastentier auch etwas Heu unter der Tischdecke oder unterm Tannenbaum. Würde die Sächsische Zeitung in Polen erscheinen, wäre der Weihnachtsausgabe ein Päckchen Heu beigelegt, so wie es hier üblich ist!

Jaroslav: Für die Weihnachtsgeschenke ist das Christkind zuständig. Früher kreuzte es engelsgleich mit einem Geschenkekorb auf. Heute erinnert meist eine Krippe unterm Weihnachtsbaum an das Ježišek, das Jesulein.

Gibt es bei Euch bestimmte unabänderliche Rituale am Heiligabend?

Remigiusz: Zur Genüge. Der Weihnachtsbaum, der früher an die Decke gehängt wurde, erhält seinen Schmuck. Das fleischlose Festmahl am Abend (wigilia) besteht aus zwölf verschiedenen Gerichten, die den zwölf Aposteln oder den zwölf Monaten gewidmet sind. Ein Platz an der Tafel bleibt immer frei – für einen unerwarteten Gast. Jeder teilt mit jedem die Weihnachts-Oblaten, und die versammelte Großfamilie singt die traditionellen Weihnachtslieder (koledy). Wenn kein Sternenmann präsent ist, verteilt das jüngste Familienmitglied die Geschenke. Es bleibt übrigens verborgen, von wem die Gaben stammen.

Jaroslav: Einige der alten Traditionen sind heutzutage durch das Leben in der Stadt und die Hast des Alltags verschwunden oder abgewandelt worden. Nicht überall gibt es das althergebrachte neungängige Festessen am Tisch, dessen Beine mit einem Seil verbunden sind als Zeichen des Familiensinns. Nach dem Festmahl stehen alle gemeinsam auf, das soll Unglück abwenden. Auf dem Lande werden teilweise heute noch Essensreste unter Obstbäumen und beim Brunnen mit Wünschen für gute Ernte und sauberes Wasser vergraben. Die Haustiere bekommen auch etwas davon ab, und der Hund wird mit Knoblauch für seine guten Dienste belohnt. Sehr verbreitet ist das Apfelaufschneiden: Ein sternförmiges Kerngehäuse verspricht Glück. Eine schöne Sitte sind die Walnussschalen-Boote mit kleinen Kerzen, die in einer Schüssel zu Wasser gelassen werden. Erreicht ein Schiffchen die andere Seite, dann geht ein Wunsch in Erfüllung...

Und zum Schluss wünschen wir uns Frohe Weihnachten!

Jaroslav: Veselé Vánoce!

Remigiusz: Wesolych Swiat!