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Von Pongoland nach Gondwanaland

Leipzig. Die tropische Regenwaldhalle im Zoo nimmt Konturen an. Sie soll 2009 eröffnet werden.

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Von Manfred Schulze

Leipzigs Zoochef Jörg Junold strahlt übers ganze Gesicht, wenn er das exotische Wort „Gondwanaland“ in Sätze kleidet. „Wir haben einen exzellenten Wettbewerb der Architekten gehabt. Vor allem der Entwurf des 1. Preisträgers scheint mir nicht nur spektakulär, sondern auch rundum gelungen“, sprudelt es stolz aus dem Direktor heraus. Erst Ende Juli hatte er für seinen Zoo und das neue Großprojekt für die Tropenhalle auch von seinen Kollegen aus ganz Europa auf einer Tagung Schulterklopfen und einen leichten Hauch von Neid erfahren.

„Alle Zoos werden neidisch sein“

Der sagenumwobene Urkontinent Gondwana wird ein tropisches Regenwald-Areal mit Nachbildungen von mehreren Hundert Meter langen Flussläufen, von denen aus die Besucher Tiere in naturnahen Lebensräumen beobachten können. Das feuchtheiße Klima der neuen Tropenhalle mit einer Größe von rund 1,5 Fußballfeldern wird von einer ultraleichten Dachkonstruktion aus einer Art Stahlnetz, zwischen das luftgefüllte Folienkissen gespannt werden, auch im Winter garantiert. Als Standort ist eine Industriebrache an der Pfaffendorfer Straße gleich neben der ehemaligen Zoo-Kongresshalle vorgesehen, die inzwischen angekauft wurde. „Das ermöglicht uns, diesen neuen Bauabschnitt des Zoos ohne Beeinträchtigung der Besucher zu errichten, und wir bekommen dann einen weithin sichtbaren Solitär“, so Junold. Durch einen separaten Eingang zur Straße kann die Halle auch abends für Events genutzt werden. Selbst wenn es pro forma eine zweite Wettbewerbsrunde mit den anderen beiden Preisträgern geben wird, deutet auch Jury-Präsident Eckhard Gerber an, dass das Leipziger Architekturbüro HPP wohl zum Zuge kommen wird.

Weitgehend geklärt ist die Finanzierung des 49,5 Millionen Euro teuren Neubaus, von denen der Freistaat die Hälfte und die Stadt 6,5 Millionen beisteuert. Den Rest von zwölf Millionen muss der Zoo über Kredite aufbringen, was letztlich natürlich über Zuschüsse oder höhere Einnahmen wieder in die Kasse kommen muss. Junold sieht da angesichts der Erfolgsstory der letzten Jahre kein Problem: „Wir haben im langfristigen Entwicklungskonzept 1,5 Millionen Besucher geplant. Das haben wir schon jetzt erreicht, so dass wir sicher 2009 nach der Fertigstellung diesen Wert übertreffen werden“, so der Zoochef. Dennoch werden die Tickets mit einiger Sicherheit teurer.

Leipzig hat nach nur sechs Jahren seinen „Zoo der Zukunft“ schon ziemlich weit in die Realität überführt, so dass auch der Dortmunder Architekturprofessor Gerber ins Schwärmen gerät: „Wenn Gondwanaland 2009 fertig wird, dürften alle Zoos der Welt neidisch sein. Bauen Sie das so schnell, wie Sie nur können.“ Für Junold ist das keine Frage, noch in diesem Jahr will er mit dem Abriss der alten Fabrik beginnen, obwohl bislang der zugesagte Fördermittelbescheid noch aussteht. „Nach 2009 geht es aber noch weiter, wir müssen noch einmal 30 Millionen in den künftigen Bereich Südamerika investieren“, kündigt er an. Spätestens dann soll der Leipziger Zoo in ganz Europa in der Führungsspitze mitmischen.

Zoo Leipzig, Pfaffendorfer Straße 29,

geöffnet täglich 9 bis 19 Uhr (Sommer), Tageskarten 11,50 (Erwachsene), 1 0 (ermäßigt), 7,50 Euro (Kinder von 4 bis 14 Jahren)

www.zoo-leipzig.de