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Von schwarzer Liebe und Freiheit

Nun fangt an, ein gut’s Liedlein zu singen!“ forderte der Lößnitzchor in seinem musikalischen Auftakt am Samstagnachmittag im Kulturraum der Erlebnisbibliothek von Radebeul-Ost, als man daran ging, die Preisträger des 1. Radebeuler Schreibwettbewerbs zu würdigen.

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Von Wolfgang Zimmermann

Nun fangt an, ein gut’s Liedlein zu singen!“ forderte der Lößnitzchor in seinem musikalischen Auftakt am Samstagnachmittag im Kulturraum der Erlebnisbibliothek von Radebeul-Ost, als man daran ging, die Preisträger des 1. Radebeuler Schreibwettbewerbs zu würdigen. Doch dem Singen galt die Aufforderung des Chores nur indirekt, vielmehr galt sie der Lyrik und der Prosa, um deren sach- und fachkundige Bewertung es in den letzten Wochen und Monaten gegangen war.50 Radebeuler beteiligten sich an dem erstmals ausgelobten „Schreibwettbewerb“. Insgesamt 137 Texte wurden eingesandt, darunter allein 70 Gedichte und 67 Prosaarbeiten. Das ist eine gute Basis, auf der mit ruhigem Gewissen dieses literarische Pflänzchen weiter begossen werden kann und sollte. An die Spitze dieser Initiative hatte sich im Frühjahr diesen Jahres der neugegründete „Kulturverein der Stadtbibliothek Radebeul“ gesetzt, in dessen Reihen sich eine Gruppe konkret mit der Förderung der Literatur selbst beschäftigt. Aus ihr heraus wurde der Aufruf zum Radebeuler „Schreibwettbewerb“ initiiert. Bis in den Sommer hinein erwies sich das ganze allerdings als eine rechte Zitterpartie, denn die Einsendungen kamen nur sehr zögerlich.Doch in den letzten Wochen vor dem Einsendeschluss ergab sich wieder einmal, das auf die Experimentierfreude der Radebeuler Verlass ist.Festlich eingestimmt durch den Chor schritt man nun zur letzten Etappe des Wettbewerbs - der Preisverleihung an die drei besten Lyriker und die drei besten Prosaautoren. Die Preise waren Urkunden, Büchergutscheine und natürlich die dazugehörigen Blumensträuße.Joachim Richter - ein Mitglied des Radebeuler Autorenkreises Schreibender Senioren - bekam für sein Gedicht „Lößnitzlandschaft“ den dritten Preis. In wenigen Versen beschreibt er darin eindringlich die Verbundenheit zu seiner Heimat - „Lieblich sanfte Hügelkette...“Heike Hertzschuch – sie bekam den dritten Preis in der Prosa – erzählte in ihrer Kurzgeschichte „Grabpflege“ zwischen Melancholie und hintergründigem Humor hin und her pendelnd von dem alten Herrn Zeuner, der sich schon zu Lebzeiten sein Urnengrab und die Pflege der Grabstelle kauft.Die beiden zweiten Plätze gehörten zwei jungen Mädchen. Carolin Seltmann war die eine, sie sie ist Schülerin der 9. Klasse am Gymnasium Luisenstift. Caroline Seltmann las vier von ihren Gedichten, deren Inhalt in knappen, gut gesetzten Worten die Titel „Angst“, „Freunde“ oder „Unabhängigkeit“ widerspiegelten. Laura von Bloh ist vierzehn Jahre alt, und besucht das Lößnitzgymnasium in Radebeul. Sie erzählte in der Ich-Form eine Geschichte über den schwarzen Kontinent Afrika, die sie zwar nicht selbst erlebt hat, in der sie aber so eindringlich die Geschehnisse im fernen Tansania beschreibt, als ob sie selbst dort gewesen wäre, und sie erlebt hätte. „Schwarze Liebe“ - so der Titel ihrer Erzählung - überzeugte. Der Text ist erstaunlich reif im Sujet wie auch in der Wortwahl.Kerstin Seltmann ist die Mutter der 2. Preisträgerin im Lyrikbereich, und arbeitet als Lehrerin im Berufschulzentrum Radebeul. Sie landete mit ihren Gedichten auf dem 1. Platz. Dass eine Mutter mit ihrer Tochter viele Gemeinsamkeiten hat, war an der lyrischen Sprache der beiden zu merken. Dennoch sind die Gedichte der Mutter anders, greifen eher die Realität denn die Sehnsucht als Thema auf. Kerstin Seltmann bekam den 1. Preis in der Lyrik zugesprochen. Alternativ dazu setzte Herbert Bieberstein mit seiner kauzig-humorvollen Geschichte „Eine lebensfrohe Zugfahrt“ den stimmungsvollen Schlusspunkt und wurde zum 1. Preisträger im Bereich Prosa gekürt. Einen Sonderpreis als „jüngste Teilnehmerin“ erhielt Jenny Haase vom „Kinderarche e.V.“ Radebeul. Für die siebenköpfige Jury bedeutete die Auswertung immense Fleißarbeit. Es wird in Radebeul natürlich einen neuen „Schreibwettbewerb“ geben.