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Von Spiel und Kampf

Dynamo macht beim Sieg gegen Regensburg eine Erfahrung, die noch ganz wichtig werden kann.

© Robert Michael

Von Sven Geisler

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Das sagt sich so leicht, aber Florian Ballas kann damit wenig anfangen. „Ich tue mich schwer, wenn es heißt: Die Jungs haben nicht gekämpft.“ Das sagt Dynamos Kapitän-Verteter nach dem Sieg gegen Regensburg, einem Spiel also, in das die Dresdner erst über den Kampf gefunden haben. Wobei es eben genau die Frage ist, ob die unbefriedigende erste Halbzeit mit mangelndem Einsatz zu erklären ist. Uwe Neuhaus verweist vielmehr auf die Spielweise des Gegners, der mit extrem hohem Laufaufwand früh attackiert.

„Man braucht eine starke Mentalität, um jede Woche so intensiv zu arbeiten wie Regensburg“, meint der Chefcoach. Dabei betont er das R und das B besonders, womit er zu verstehen geben will: Sein Trainerkollege Achim Beierlorzer hat den Spielstil aus Leipzig mitgenommen. „Wenn du da versuchst, Fußball zu spielen – erst recht auf nicht so guten Plätzen –, schaufelst du dir dein eigenes Grab.“ Deshalb waren diesmal mehr die langen Bälle angesagt, die Abpraller wollten sie erobern und so den Gegner unter Druck setzen. Das gelingt jedoch vor der Pause selten bis nie.

„Da kann man leicht den Eindruck bekommen: Die kämpfen nicht, sind nicht leidenschaftlich“, meint Neuhaus, und er erklärt: „Das war ein Kampfspiel, Gewühle, 14 Spieler auf zehn Quadratmetern, etwas übertrieben gesagt. Da muss man immer wieder in den Zweikampf rein, ohne sich zu schonen.“ Das, meint er, sei auch in der ersten Halbzeit so gewesen. „Aber da haben wir viele Duelle verloren.“ Deshalb wurden einige Zuschauer bereits unruhig und begannen zu murren.

Lob vom Gegner nervt

Eine Woche zuvor hatte Dynamo in Fürth stark begonnen und wurde nach der Niederlage – mal wieder – für seine Spielweise vom Gegner gelobt. „Ich weiß nicht, ob es mir mittlerweile lieber wäre, wenn der Gegner uns klar beherrscht und wir verdient verloren hätten“, sagte Neuhaus danach genervt: „Nein, das wäre mir nicht lieber.“ Ein bisschen ist es aber diesmal so, zumindest sieht es 45 Minuten so aus, als ob Regensburg die Dresdner dominiert.

Zur Pause habe der Trainer gesagt, es sei nichts passiert, erzählt Sascha Horvath. „Wir sollten uns weiter reinhängen. Dann haben wir endlich wieder Zweikämpfe gewonnen.“ Nach der taktischen Umstellung auf die zweite Spitze mit dem schnellen Moussa Koné sieht das Dynamo-Spiel völlig anders aus. Als Erich Berko zum 1:0 trifft, wirft Regensburg alles nach vorn. Jetzt ist das gefragt, was Neuhaus gefordert hatte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass sie mehr Mentalität haben als wir. Dafür steht für uns zu viel auf dem Spiel.“

Es gehört in dieser Saison nicht zu den Stärken der Dresdner, einen Vorsprung zu verteidigen, stattdessen haben sie in der Schlussphase schon elf Punkte verspielt. Diesmal aber stemmen sie sich dagegen, was eben den Eindruck verstärkt, sie hätten nun endlich auch den Kampf als Stilmittel erkannt. Ballas hält noch mal dagegen: „Jeder geht in jedes Spiel mit der absoluten Überzeugung, alles zu geben, sich in jeder Situation voll reinzuhängen“.

Trotzdem räumt er ein, dass es diesmal ein anderes Gefühl war auf dem Platz. „Wenn einem ein Fehler passiert, ist ein anderer da, ihn auszubügeln“, meint der Verteidiger, der in der Abwehrschlacht am Ende besonders gefragt ist. „Ich will nicht sagen, dass wir in den anderen Spielen nicht genug Kampfgeist hatten, aber es hat vielleicht der letzte Punch gefehlt.“ Wenn sie sich bisher vor allem auf ihre spielerischen Mittel verlassen haben – und das zu Recht –, ist der gemeinsam geleistete Widerstand eine wichtige Erfahrung.

„Es war ein wichtiger Sieg auch für den Kopf, also zu wissen, dass wir nicht nur schön spielen, sondern auch solche Spiele gewinnen können“, meint Horvath. Der flinke Außenspieler ist starke 11,35 Kilometer gerannt – und weite Strecken im Sprint. Vor der Pause kam er jedoch selten hinter den gegnerischen Abwehrriegel, in Hälfte zwei klappte das besser. Der Österreicher steht also beispielhaft für Dynamos gefühlt zwei verschiedene Halbzeiten.

Ballas spricht von einem Maßstab, den man gesetzt habe, und vom Kampf als Grundvoraussetzung für den Erfolg. Und mit dem kommt dann die Überzeugung zurück, attraktiven Fußball spielen zu können. Letztlich macht’s die Mischung.