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Von Syrien nach Roßwein

In der kommenden Woche ziehen die ersten Flüchtlinge in das Asylbewerberheim. Sie kommen aus neun Ländern.

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Von Cathrin Reichelt

Mitarbeiter des Landratsamtes haben in der Stadtkirche rund 200 Interessierte über das allgemeine Verfahren mit Flüchtlingen und die Unterbringung von 100 Asylbewerbern in Roßwein informiert.

Weshalb wurde Roßwein für ein Asylbewerberheim ausgewählt?

Für die Aufnahme von Asylbewerbern werden Kommunen ausgewählt, die eine passende Infrastruktur haben. Dazu gehören ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr, die Nahversorgung sowie vorhandene Kindertagesstätten und Schulen. „Denn auch Kinder von Asylbewerbern unterliegen der Schulpflicht“, erklärt Jörg Höllmüller, Bereichsleiter Ordnung, Verwaltung und Finanzen im Landratsamt. Für die jüngeren Kinder bestehe außerdem ein Anspruch auf einen Kindergartenplatz.

Wann kommen die Flüchtlinge und woher stammen sie?

Die ersten 36 Flüchtlinge kommen voraussichtlich Mitte nächster Woche nach Roßwein. „Davon sind sechs Alleinreisende. Alle anderen sind Familien, zu denen zehn Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 16  Jahren gehören“, so Höllmüller. Die Asylbewerber stammen aus dem Irak, Mazedonien, Albanien, Afghanistan, Russland, dem Kosovo, Indien, Georgien und Syrien. In den kommenden Wochen werden weitere 64 Flüchtlinge folgen, deren Nationalität noch nicht feststeht.

Wie werden die Asylbewerber untergebracht?

Der Landkreis Mittelsachsen hat vom Land Sachsen das Haus M der ehemaligen Hochschule an der Döbelner Straße gemietet. Der Vertrag ist vorläufig bis zum Jahresende befristet. Das Haus wird nicht saniert, denn es wurde in den 1990er Jahren in Ordnung gebracht, als die Büros der Professoren der Hochschule in dem Gebäude eingerichtet wurden. Lediglich die Heizung wird wieder in Gang gebracht und Stromanschlüsse für Herde, Kühlschränke und Waschmaschinen verlegt.

Die Asylbewerber wohnen in Gemeinschaftszimmern, in denen bis zu fünf Personen untergebracht werden. Jedem stehen rund sechs Quadratmeter Wohnraum zu. „Die Räume sind mit Doppelstockbetten, einem Tisch, Stühlen und einem Spind für jeden Bewohner ausgestattet“, erklärt Peter Schubert, Abteilungsleiter im Landratsamt. Der einzige „Luxus“ sind Waschbecken in jedem Zimmer, die noch aus Hochschulzeiten stammen. Ansonsten gibt es Gemeinschaftsduschen und -sanitäreinrichtungen sowie Gemeinschaftsküchen und -räume mit einem Fernsehanschluss.

Welche Zuwendungen erhalten die Neuankömmlinge?

Jede Person erhält zwei Sortimente Bettwäsche. Außerdem werden den Asylsuchenden Besteck, Geschirr, Hand- und Wischtücher zur Verfügung gestellt. Weiterhin bekommt jeder Bargeld für den persönlichen Bedarf, dessen Höhe sich am Hartz IV-Satz orientiert.

Wie erfolgt die Finanzierung des Aufenthaltes der Asylsuchenden?

„Die Stadt Roßwein bekommt kein Geld für die Aufnahme der Flüchtlinge und muss auch keins für deren Unterbringung und den Lebensunterhalt ausgeben“, sagt Bürgermeister Veit Lindner (parteilos). Die Finanzierung erfolgt durch den Freistaat Sachsen.

Wer sorgt für geordnete Abläufe im Asylbewerberheim?

Der Betreiber des Heims ist die Gesellschaft für Strukturentwicklung und Qualifizierung mbH (GSQ). Sie stellt sowohl Sozialarbeiter als auch einen Wachschutz zur Verfügung, die täglich vor Ort sind. Im Heim wird es auch einen Ansprechpartner geben, an den sich die Roßweiner wenden können.

In welchen Bereichen könnte es Probleme geben?

Bei der Verständigung. Es ist nicht bekannt, ob und in welchem Umfang die Asylbewerber Deutsch sprechen. „Dolmetscher, vor allem für arabische Sprachen, sind schwer zu organisieren“, so die Ausländerbeauftragte Annett Schrenk. Auch die medizinische Versorgung gestalte sich oft schwierig. Das liege an der ohnehin schon geringen Zahl von Ärzten. Auf die habe das Landratsamt aber keinen Einfluss. Die Entscheidung über die Verteilung der Ärzte auf die Kommunen treffe die Kassenärztliche Vereinigung.

Wie können die Roßweiner die Integration der Ausländer fördern?

Das Bündnis „Willkommen in Roßwein“ hat mehrere Arbeitsgruppen gegründet. Diese wollen sich unter anderem um Sprachkurse, Begegnungen auf sportlichem Gebiet, Patenschaften und Bürgersprechstunden kümmern. Wer die Gruppen unterstützen möchte oder weitere Ideen hat, kann sich unter Tel. 034322 46665 oder per Mail unter [email protected] an das Bündnis wenden.