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Von Valencia nach Dresden

Spanien hat eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und der Dresdner Gastronomie fehlen Azubis. Beides soll mit einem EU-Programm behoben werden.

© Sven Ellger

Von David Berndt

Josep Merchan ist zum ersten Mal in seinem Leben in Deutschland. Seit fünf Tagen wohnt er jetzt in Dresden. Und wenn alles gut geht, wird die Stadt für die nächsten drei Jahre sein Zuhause sein. Der 27-Jährige aus Valencia ist einer von 29 jungen Spaniern, die durch ein Förderprogramm von Bund und EU zuerst ein Praktikum und danach eine Ausbildung in der Dresdner Gastronomie machen können. „In Spanien wäre das nicht möglich gewesen“, so Merchan. „Deswegen bin ich froh, dass ich das jetzt in Deutschland machen kann.“

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Josep Merchan wird eine dreijährige Ausbildung als Koch im Hotel Innside beginnen, es sei denn, er oder sein Arbeitgeber entscheiden sich nach einem zweimonatigen Praktikum gegen die Zusammenarbeit. Doch das glaubt sein zukünftiger Chef, Marco Bensen, nicht. Der Hoteldirektor und Vorsitzende des Dresdner Hotel- und Gaststättenverbandes ist zuversichtlich, dass alle Spanier auch nach der Probezeit die Ausbildung als Köche und Hotel- sowie Restaurantfachleute beginnen. Dass diese Stellen überhaupt frei sind, liegt laut Lars Fiehler von der Industrie- und Handeskammer Dresden (IHK) an der demografischen Entwicklung und dem Drang in Richtung Hochschulen. „Die Bewerberzahlen sind im Keller. In den südeuropäischen Ländern herrscht wiederum eine hohe Jugendarbeitslosigkeit.“ Das Förderprogramm MobiPro-EU des Bundessozialministeriums soll diese Probleme lösen. Jugendliche aus der EU können eine Ausbildung in Deutschland machen und die Unternehmen Nachwuchs finden.

Allein in Dresden gibt es in diesem Jahr noch 65 freie Stellen in den Dehoga-Berufen. Die müssen nicht allein mit Spaniern besetzt werden, auch wenn hier der Schwerpunkt liegt, so Robert Mattioni von der Bundesagentur für Arbeit Dresden. „Das Förderprogramm ist für junge Menschen aus allen Ländern der EU offen.“

Die Bundesagentur unterstützt gezielt Unternehmen, die sich einen EU-Azubi bei sich vorstellen können, so Mattioni. „Wir übernehmen die Suche im europäischen Ausland und schlagen den Betrieben geeignete Bewerber vor.“ Bei der Eingewöhnung in Dresden helfen spanisch sprechende Kümmerer der IHK, so Fiehler. „Dies kann von ganz alltäglichen Dingen bis hin zur Wohnungssuche reichen.“