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Von wegen Sommerloch

Die Halbzeit der Sommerferien ist längst überschritten. Die einen sind wieder zu Hause angekommen, die anderen zählen noch die Tage, bis es endlich soweit ist und die freien Tage Erholung und Entspannung versprechen.

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Von Matthias Quentin

Die Halbzeit der Sommerferien ist längst überschritten. Die einen sind wieder zu Hause angekommen, die anderen zählen noch die Tage, bis es endlich soweit ist und die freien Tage Erholung und Entspannung versprechen.

Was war das nur für eine Zeit bis heute! Die Fußballfreaks sind auf ihre Kosten gekommen und die Sonnenanbeter auch! Die Politik hatte einiges zu bieten. Die mediterrane Stimmung im heimischen Elbtal versöhnt alle, die (wieder) nicht in ferne Gefilde entfliehen können.

Nur wer einen Garten zu versorgen hat oder gar ein großes Feld, der hält sehnsüchtig nach den dunklen Wolken Ausschau.

Bekannter Kanon

Viele Gruppen nutzen die lockere Zeit der Ferien, um Inventur zu machen, um aufzuräumen oder um Dinge nachzuholen, die im eng gestrickten Jahresplan keinen Platz finden – Feste feiern, Ausflüge machen, also die Gemeinschaft zu pflegen oder, wie jüngst der Coswiger Kirchenchor, der sich trotz größter Hitze zum Volksliedersingen im Coswiger Fachkrankenhaus zusammengefunden hatte. Das war eine Freude, die uns auf den Stationen begegnete! Mancher hat sogar mitgesungen oder mitgebrummt. „Darf ich mir was wünschen?“, fragte ein Patient und wünschte sich einen ganz bekannten Kanon: Vom Aufgang der Sonne, bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn, sei gelobet der Name des Herrn. Es bewegte uns tief, in diesem Krankenhaus mit seinen besonderen Krankheitsbildern diesem Wunsch zu begegnen und den Mann unter Tränen mitsingen zu sehen und zu hören.

Wie gut, dass wir das Sommerloch des Chorplanes so eng wie möglich gezogen haben! Dass Gott auch auf krummen Linien gerade schreiben kann, das wurde uns hier deutlich.

Offene Kirchen

Und ein drittes zum Sommerloch: Gut, dass es im Hochsommer auch „Löcher“ gibt, in die ich mich auf der Suche nach Abkühlung zurückziehen kann!

Ich denke an die offenen Kirchen hier im Meißner Land, in Zadel, in Meißen, in Weinböhla, in Coswig, hier in Brockwitz und an manch anderem Ort.

Täglich stehen sie offen und laden die sonnenbetankten Wanderer, Radler, Urlauber und Einheimische gleichermaßen ein zum Innehalten, zur Ruhe und zum Nachsinnen über das, was mich bewegt. Wenn es dann noch zu einem Gespräch kommt, dann habe ich gleich noch einen interessanten Menschen kennen gelernt.

Gut, dass es diese „Sommerlöcher“ gibt und sie nicht mehr zugesperrt sind. Die Einladung Jesu höre ich so ganz neu: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ Gönnen Sie sich diese Erfahrung.!

Matthias Quentin ist Pfarrer in Brockwitz und Coswig