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Vor 100 Jahren auf den Hund gekommen

Hunde halten ihre Besitzer in Bewegung. Im Laufschritt kommt Nancy Herms mit ihrem zwei Jahre alten Schäferhundrüden auf den Platz. Tarzan vom Zellwaldrand ist ein echter Rassehund – Schäferhundeadel sozusagen.

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Von Jens Hoyer

Hunde halten ihre Besitzer in Bewegung. Im Laufschritt kommt Nancy Herms mit ihrem zwei Jahre alten Schäferhundrüden auf den Platz. Tarzan vom Zellwaldrand ist ein echter Rassehund – Schäferhundeadel sozusagen. Jetzt überkommt ihn der Beutetrieb. Er schnappt sich den Beißärmel, den ihm der „Scheintäter“ Carsten Richert hinhält. Mensch und Hund ziehen am gleichen Strang, aber in entgegengesetzte Richtungen. Der Ausbilder lässt den Ärmel los. Tarzan hat sein Erfolgserlebnis und läuft mit der Beute vom Platz.

Auf der überdachten Terrasse des Vereinshauses auf dem Ausbildungsplatz in Großbauchlitz sitzt ein Dutzend Männer und Frauen. Sie schauen der Ausbildung zu, schwatzen, holen nacheinander ihre Hunde und bringen den Lehrhelfer in seiner wattierten Schutzkleidung zum Schwitzen. Es ist Sonntag, die Leute sind seit 9 Uhr da, haben mit ihren Hunden schon Unterordnung geübt und Gehorsam. Jetzt ist die Schutzdienstausbildung mit dem „Scheintäter“ dran.

„Verein für Deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Döbeln“ ist der etwas sperrige Name, unter dem sich die Hundesportler organisiert haben. Der bundesweite Verein mit Sitz in Augsburg ist alt. Die Döbelner Gruppe auch. 1910 war sie gegründet worden. Dieses Jahr besteht sie seit 100 Jahren, sagt Ausbildungswart Karl-Hermann Saal. 40 Jahre ist er selbst dabei. „Ich hatte schon als Kind einen Hund“, erzählt der 55-Jährige.

Der Verein hat derzeit 26 Mitglieder, die aus der Umgebung, in einem Fall sogar aus Sachsen-Anhalt kommen. Nicht nur Halter von Schäferhunden zieht es in den Verein. Auch Boxer und Rottweiler haben ihren Spaß mit dem Beißärmel. Außerdem ein belgischer Schäferhund – ein echter Polizeihund. Einige Tiere sind rasselos, hatten vielleicht mal einen Urgroßvater, der Deutscher Schäferhund war. „Wir sind keine Rassefanatiker“, betont Saal. Willkommen sei jeder, der unter fachmännischer Anleitung seine Hunde trainieren möchte.

„Es kommen immer mal Leute zu uns, die einen Rat wollen, weil sie mit ihren Hunden nicht klarkommen. Dann ist es aber meist zu spät“, sagte Saal. Die meisten Tiere kommen schon jung in die Ausbildung, lernen Gehorsam und Sozialverhalten. Legen vielleicht die Begleithund- und Schutzhundprüfung ab, werden zu Fährtenhunden ausgebildet. Die Prüfungen seien auch notwendig, um nach dem Rassestandard züchten zu dürfen. „Die Hunde dürfen nicht bösartig sein. Wilde Beißer bestehen nie eine Prüfung“, sagte Saal. Nur die nützlichen Eigenschaften sollen weitergegeben werden.

Fünf Mitglieder des Vereins sind auch Züchter von Deutschen Schäferhunden, drei davon aktiv. Saal hatte 1990 sogar einen Landesmeister herangezogen. Nancy Herms ist die Zuchtwartin der Döbelner Ortsgruppe. Die Hobbyzüchterin aus Großsteinbach hat acht Tiere. Keine Moderasse hat dem Deutschen Schäferhund bisher den Rang abgelaufen, erzählt sie. „Er ist mit 17000 Welpen pro Jahr in Deutschland immer noch die Nummer eins“.