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Vor 50 Jahren erlebte Zittau das erste „Fest am Dreiländereck“

Drei Tage lang wurde im Juni 1964 vor allem im Norden der Innenstadt gefeiert.

Es brauchte sicher viel Optimismus, 1964 in Zittau ein „Fest am Dreiländereck“ zu veranstalten. Das Dreiländereck lag zwar auch damals schon nahe bei Zittau. Aber es war wirklich ein Grenzpunkt. Wer nach Polen wollte, musste nach Görlitz. Wer nach Tschechien wollte sogar bis Schmilka. Und ohne Visa ging gar nichts.

Aber das Festprojekt wurde trotzdem realisiert. Vom 5. Juni 1964, einem Freitag, bis zum darauffolgenden Sonntag feierte die Stadt mit vielen Gästen an den unterschiedlichsten Veranstaltungsorten, die vor allem im Norden der Innenstadt lagen.

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Zwischen „Pestalozzi-Schule“ (damals 1. Oberschule) und dem Theater gab es Verkaufsstände von „Buch und Kunst“ und „HO Kunstgewerbe“, Blasmusik und Sport-Vorführungen. Junge Talente präsentierten sich im Garten des „Jugendklubhauses“ an der Frauenstraße. Und um die Ecke, am Salzhaus, trat die Kulturgruppe des Artillerieregimentes Frankenberg auf. Im Vorjahr war diese Militäreinheit aus Zittau ins Erzgebirge verlegt worden.

Mit dem Blasorchester aus Turow präsentierte sich hier auch eine polnische Komponente des Dreiländerecks zum Fest. Ein Blasorchester aus Mlada Boleslaw vertrat die tschechische Seite. Die Tschechen spielten zum Frühschoppen auch im Garten des Kreiskulturhauses.

HO und Konsum sorgten an allen Tagen überall für die gastronomische Umrahmung. Auch andere Verkaufsstände gab es allerorts, um das Fest bunter zu machen. Die Warenangebote waren natürlich entsprechend der Versorgungslage. Aber die Verkaufsstellen versuchten an solchen Tagen, immer ein paar seltene Dinge zu haben. Entsprechend gut dürfte die Resonanz gewesen sein. Natürlich gab es auch eine Vielzahl von Auftritten regionaler Kultur- und Sportgruppen. Selbstverständlich durften auch die „Freunde“ vom sowjetischen Armee-Ensemble aus Dresden nicht fehlen. Bereits am 1. Juni 1964 war auch das Gesangs- und Tanzensemble der Litauischen SSR zu Gast in der Stadt am Dreiländerck.

Alles in allem war diese Veranstaltung sicher eine große Herausforderung für die hiesigen Organisatoren. Und es war eine Bewährungsprobe für Zittau als Großveranstalter – welche damals offensichtlich bestanden wurde. Denn die Marke „Fest am Dreiländereck“ gibt es ja schließlich bis heute. (Rß)