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Vor 50 Jahren ging es mit dem Motorrad zur Meisterschule

Roland Grafe ist seitmehr als 50 Jahren Kraftfahrzeugmeister. Dafür hat er den Goldenen Meisterbrief bekommen.

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Von Sylvia Mende

Eigentlich könnte Roland Grafe (75) ein Buch über sein Leben schreiben. Er hat sehr viel erlebt und mitgemacht. An einige Dinge erinnert er sich gern, an andere weniger. Kürzlich hat der gelernte Autoschlosser von der Handwerkskammer zu Leipzig den Goldenen Meisterbrief bekommen.

Am 1. September 1946 begann er die Lehre als Autoschlosser im elterlichen Betrieb. Von einem Traumjob sei damals nicht die Rede gewesen. Schließlich sei er im Familienbetrieb groß geworden und da sei es selbstverständlich gewesen, dass der Sohn in die Fußstapfen des Vaters tritt. „Man wurde schließlich gebraucht“, so Roland Grafe.

Geräte für die Landwirtschaft

„Wir reparierten nach dem Krieg einfach alles, Fahrräder, Motorräder, Autos sowie landwirtschaftliche Geräte“, erzählt der 75-Jährige. Im Familienunternehmen Grafe wurden Rübenhacken, Rosenkohlscheren, Dieselstecher, Hackbeile für Rüben, Zuckerrübenabstoßer und Kuhketten hergestellt. Auch wurden hunderte Leiterwagen komplett beschlagen und an die Eisenwarengeschäfte in Döbeln, Colditz, Nossen, Dresden und anderen Städten verkauft.Leiterwagen wurden zu hunderten beschlagen. Die Materialbeschaffung war sehr mühselig und aufwendig. „Wenn ich erzähle, was wir alles erlebt haben, das glaubt uns heute keiner mehr. Es wäre auch völlig unrentabel“, so Grafe. Das Material wurde aus einer ausgebombten Werkzeugfabrik in Chemnitz organisiert. In den Jahren 1948/49 bauten sich Roland und sein Vater Horst Grafe aus einem alten Opel einen Lieferwagen. „Damit erleichterten wir uns unsere Arbeit wesentlich“, so der ehemalige Firmenchef. Später drückte er wieder die Schulbank, um seine Meisterprüfung abzulegen. Mit dem „Fichtel & Sachs“ fuhr er damals nach Leipzig und das bei Wind und Wetter. Und nicht nur das. Oft war der junge Mann auf dem Motorrad mit den Männern von der Lüttewitzer Feuerwehr unterwegs.

Kompressoren repariert

Roland Grafe übernahm nach der Meisterschule, die er 1957 beendete, 1977 die Reparaturwerkstatt von seinem Vater mit zwei Angestellten. Zu ihnen gehörte ab 1978 Sohn Michael, der ebenfalls den Beruf des Kfz-Schlossers erlernte.

Ab 1963 bis in die 90er Jahre wurden im Familienbetrieb Grafe Kompressoren in Stand gesetzt. Diese wurden für Maschinen im Hoch- und Tiefbau und als Antrieb für Industriemaschinen verwendet. Zu den Kunden zählten viele Betriebe aus der Region, aber auch Firmen in der gesamten Republik. Zu ihnen zählte zum Beispiel die Interflug und die Betreiber der Fichtelbergschanze.

Nebenbei reparierten Roland und Michael Grafe auch Autos. „Mit der Ersatzteilbeschaffung war es zu DDR-Zeiten gar nicht so einfach. Da halfen die handgeflochtenen Körbe eines Ostrauers und die Döbelner harten Würste meist etwas nach. In der Zeit nach der Wende ging die Kompressoreninstandsetzung zurück und es wurden verstärkt Autos repariert. Seit 1999 ist Michael Grafe Inhaber der Werkstatt Auto Grafe.