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Vorbei mit der Blutsfreundschaft

Hinter den Kulissen des Karl-May-Museums und der Stiftung kracht es. Jetzt wurde der Marketingleiter geschasst.

© Thomas Adler

Von Peter Redlich

Radebeul. Die Zeiten, als sich Blutsfreunde wie bei Winnetou und Old Shatterhand ewige Treue schworen, sind längst vorbei. Abenteuerschriftsteller Karl May, seine Romane haben eine Auflage von über 200 Millionen, würde sich wahrscheinlich in seinem Grabe auf dem Radebeuler Friedhof herumdrehen, könnte er hören, wie heute einige in Radebeul mit seinem Erbe umgehen, sagt ein Freund des hiesigen Karl-May-Museums.

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Udo Franke,Vorsitzender der Karl-May-Stiftung, aus Radebeul, Vermessungsingenieur mit eigenem Büro.
Udo Franke,Vorsitzender der Karl-May-Stiftung, aus Radebeul, Vermessungsingenieur mit eigenem Büro.
So haben sich das Karl May und seine Frau Klara für die Hüter ihres Erbes – Blutsfreundschaft wie bei Winnetou (Schauspieler Marc Schützenhofer) und Old Shatterhand (Schauspieler Holger-Uwe Thews) vorgestellt. Doch die Einigkeit der Protagonisten in der K
So haben sich das Karl May und seine Frau Klara für die Hüter ihres Erbes – Blutsfreundschaft wie bei Winnetou (Schauspieler Marc Schützenhofer) und Old Shatterhand (Schauspieler Holger-Uwe Thews) vorgestellt. Doch die Einigkeit der Protagonisten in der K

Es kracht hinter den Kulissen, und zwar deftig. Nachdem vor dem Jahreswechsel Museumsleiter René Wagner entlassen wurde, musste vor einigen Tagen auch der Marketing- und Presseverantwortliche André Köhler gehen. Von Mobbing wird hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Bei Wagner hieß es, er habe nicht mehr den Schwung, um neue Konzepte für das Museum zu gestalten. Das Verhältnis zum Stiftungsvorstand sei zerrüttet. Die Besucherzahlen gehen zurück. Zu Köhlers Entlassung sagt Stiftungsvorsitzender Udo Franke: „Das Museum wird wie ein privatwirtschaftlicher Betrieb geführt. Dazu sage ich nichts.“

Angestoßen wurden beide Entlassungen von Franke und seinem Stellvertreter Volkmar Kunze. Franke betont, dass darüber der gesamte Vorstand abgestimmt habe. Zu diesem personellen Aderlass in der Führungsebene des Karl-May-Museums kommt hinzu, dass zum Jahresende das wissenschaftliche Herz des Museums, Kustos Hans Grunert, in den Ruhestand geht.

Beaufsichtigt wird der sechsköpfige Vorstand vom Kuratorium der Stiftung, zu dem 13 Mitglieder gehören. Allerdings erlauben es die Satzungen, dass in einer sogenannten Gesellschafterversammlung zwei Mitglieder des Vorstandes – einer muss Vorsitzender oder Stellvertreter sein – allein über Personalien entscheiden und erst danach das Kuratorium informieren.

Die jüngsten Entscheidungen sorgten schon bei Wagner für gehöriges Aufsehen und Negativansehen fürs Museum. Allerdings regt sich inzwischen in den eigenen Reihen des Vorstandes Widerstand. Thomas Grafenberg aus der Nähe von Stuttgart, Vorstandsmitglied, Projektleiter in einem Unternehmen für Bahnsignalanlagen, nannte schon Wagners Rausschmiss eine „Frechheit“. So könne man mit einem verdienstvollen Menschen nicht umgehen. Wagner wäre 2015 ohnehin in den Ruhestand gegangen. Seine Bezüge müssen ihm bis dahin weiter bezahlt werden.

Vor wenigen Tagen gab es eine außerordentliche Kuratoriumssitzung, wofür der Saal im Radebeuler Rathaus zur Verfügung gestellt wurde. Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos): „Karl May ist der weltweit bekannteste Sohn unserer Stadt. Zehntausende Touristen kommen deswegen jedes Jahr in die Stadt. Die Karl-May-Feststage stehen bevor.“ Die Stadt habe größtes Interesse, dass das Museum nachhaltig erfolgreich betrieben werde. Dafür sei eine klare Struktur mit einem ordentlichen Finanzplan nötig – eine Strategie, die für die nächsten Jahrzehnte gelte. Der derzeitige Streit, die innere Zerrissenheit in den Gremien sei eine Katastrophe, so Wendsche.

Die Stadtplaner von Radebeul haben jetzt sogar vor, ihr Sanierungsgebiet für den Osten der Stadt so zu erweitern, dass das Areal des Karl-May-Museums mit dazugehört und Aussichten auf Fördermittel zum Bau des neuen Besucherzentrums bestehen. Noch in diesem Monat soll der Stadtrat darüber abstimmen. Doch auch darüber wird im Stiftungsvorstand gestritten, heißt es intern.

Stiftungsvorstandsmitglied Grafenberg sagt, dass jetzt vorbehaltlos alles auf den Tisch müsse. Eine Kommission untersuche die Ereignisse der letzten Wochen, auch warum das Kuratorium so spät über die Entlassungen informiert wurde. André Köhler sei ein guter Mann, sagt Grafenberg, mit vielen Netzwerken in die USA und zu Indianerstämmen, was dem Museum sehr nützlich war. „So eine Kündigung kann man auch wieder umdrehen“, so der Karl-May-Freund aus der Nähe von Stuttgart.

Ihn störe auch, dass die beiden FDP-Parteifreunde Franke und Kunze sich für den Marketingleiterposten bereits eine Dame aus FDP-Landtagskreisen für Museumsmarketing ausgeguckt haben sollen. Von Parteienklüngelei wird unter Karl-May-Freunden gesprochen.

Stiftungsvorsitzender Udo Franke darauf angesprochen, will zu der Suche nach einem neuen Marketingleiter oder einer Leiterin nichts sagen. Bestätigt wird von ihm allerdings, dass für Kustos Hans Grunert bereits ein Nachfolger unter Vertrag genommen werden soll. Wie die SZ in Erfahrung brachte, ein junger Wissenschaftler der Volkskunde aus Jena, der seine Arbeiten über die Sammlungen des Radebeuler Museums geschrieben hat. Er soll ab 1. Mai im Radebeuler Karl-May-Museum antreten und eingearbeitet werden.

Die Pläne der Stadt, das Museumsareal ins Sanierungsgebiet einzubeziehen, begrüßt Franke ausdrücklich. So bestehe die Chance, an europäische Fördermittel zu kommen. Das sei auch nötig. Denn die Spendenbereitschaft für die Ausbaupläne des Museums mit einem neuen Besucherzentrum und dem Eingang an der Meißner Straße halte sich arg in Grenzen. Ein Projekt mit Kosten bis zu fünf Millionen Euro. Im Topf ist allenfalls ein fünfstelliger Betrag.

Franke bestätigt, dass am 11. April die nächste Vorstandsitzung stattfinden soll. Am 21. Juni werde erneut das Kuratorium zu Strategiefragen tagen. Zu Blutbrüdern werden die Genannten dabei nicht werden. Aber das Kriegsbeil könnte schon mal begraben werden. Das wäre dann auch im Sinne von Karl May.