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Vorerst kein Impfstoff mehr gegen Pneumokokken

Die Corona-Pandemie hat weltweit zu einem Anstieg der Nachfrage geführt – oder war es doch Kanzlerin Merkel?

Jens Spahn hatte erst kürzlich Personen ab 70 Jahren dazu aufgerufen, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Doch nun ist der Impfstoff aufgebraucht.
Jens Spahn hatte erst kürzlich Personen ab 70 Jahren dazu aufgerufen, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Doch nun ist der Impfstoff aufgebraucht. © Christin Klose/dpa

Senioren, die sich derzeit gegen Pneumokokken impfen lassen wollen, werden von ihren Ärzten oft wieder weggeschickt. Denn der Impfstoff Pneumovax 23 ist laut Paul-Ehrlich-Institut nicht mehr lieferbar. „Bis letzte Woche konnten noch Restbestände versendet werden, jetzt ist nichts mehr da“, informiert der Hersteller MSD Sharp & Dome. Erst Mitte Mai werde wieder mit Nachschub gerechnet.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte erst kürzlich Personen ab 70 Jahren dazu aufgerufen, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Denn diese Krankheitserreger können eine gefährliche Lungenentzündung auslösen, wenn der Körper durch Corona- oder Influenza-Infektion geschwächt ist. Laut Robert-Koch-Institut sterben jährlich etwa 5.000 Menschen an einer durch Pneumokokken ausgelösten Lungenentzündung.

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Ein Sprecher von MSD Sharp & Dome Deutschland begründet den Engpass mit der „unerwartet stark gestiegenen Nachfrage“ aufgrund der Corona-Pandemie. Da es aber weltweit einen höheren Bedarf gebe, könne man die Bestände auch nicht zwischen den einzelnen Ländern umschichten.

Dringlichkeiten festgelegt

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat deshalb eine Dringlichkeitsliste erarbeitet, wer bei Wiederverfügbarkeit zuerst geimpft werden soll. Danach stehen ungeimpfte Senioren ab 70 an erster Stelle, gefolgt von Haushaltsangehörigen dieser Risikopersonen. Die Impfexperten nennen das Kokon-Strategie, mit der das unmittelbare Umfeld einen guten Schutz bieten soll. An dritter Stelle steht die Auffrischimpfung von Vorschulkindern, gefolgt von Jugendlichen, denn auch Kinder ab dem zweiten Lebensmonat sollen bereits vor Pneumokokkeninfektionen geschützt werden. Für Kinder gibt es einen speziellen Impfstoff (Prevenar 13), der noch eingeschränkt verfügbar ist, wie der Hersteller Pfizer informiert.

Senioren, die wie empfohlen, nach sechs Jahren ihren Pneumokokken-Impfschutz auffrischen lassen wollen, stehen derzeit laut Stiko in der Dringlichkeit an letzter Stelle.

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Die große Nachfrage nach Pneumokokken-Impfstoff könnte auch durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel einen unerwarteten Schub erhalten haben. Sie wurde am 20. März von einem Arzt geimpft, der mit Corona infiziert war. Deshalb ist sie derzeit in Quarantäne und arbeitet von zu Hause aus.

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