merken
PLUS

Das neue Atelier der Uhrmacher wächst

Der Rohbau der neuen Lange-Manufaktur steht. Eigentlich müssten jetzt die Dächer drauf. Doch die kommen später.

Von Maik Brückner

Gut gelaunt steigt Thomas Knobelsdorf die Treppe in der neuen Uhrenmanufaktur von Lange herab. Der 21-Jährige trägt keinen weißen Uhrmacherkittel. Er ist im Blaumann unterwegs und trägt eine Isoliermatte. Denn noch ist das Haus eine Baustelle. Eine, mit der Michael Braun ganz zufrieden ist. Der junge Mann ist Architekt und koordiniert im Auftrag von Lange Uhren die Arbeiten am Millionenbau.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Seit Juni wird hier gebaut. Inzwischen sind die Konturen des Gebäudekomplexes deutlich zu erkennen. Direkt an der Straße ist das dreigeschossige Maschinenhaus entstanden, dahinter wächst das fünfgeschossige Atelierhaus heran. „Wir liegen ganz im Plan“, sagt Braun. In den nächsten Tagen wird die letzte Deckenplatte am Atelierhaus gegossen. Braun hofft, dass das Wetter mitspielt. Ein paar Minusgrade würden nicht stören, denn dann würde mit Gebläsen und Matten dafür gesorgt, dass der Beton unter normalen Bedingungen aushärten kann. Geht der Plan der Baufirma auf, wären die beiden Gebäudeteile noch in diesem Jahr von oben her gesehen dicht.

Kleine Kräne auf dem Dach

Lange kann mit dem Innenausbau beginnen. „Das klingt ungewöhnlich“, sagt Braun. Beim „normalen“ Hausbau würde man jetzt das Dach draufsetzen. Doch diesen Schritt holt Lange später nach. Die betonierte Dachfläche ist so dicht, dass die Bauleute im Inneren weiterarbeiten können, ohne das sie vom Schnee oder Regen gestört werden. Sie werden in den nächsten Wochen die Zwischenwände einziehen, einige werden mit Ziegeln gemauert, andere mit Gipskarton hochgezogen. Parallel dazu wird mit dem Einbau der Fenster und der Gestaltung der Fassade begonnen. Dazu werden kleine Kräne auf der Dachfläche fahren. „Das ist auch der Grund, weshalb das Dach später drauf kommt“, sagt Braun und lächelt. Am Maschinenhaus wird das Dach ab März aufgesetzt, zwei Monate später dann am Atelierhaus.

Auch im Inneren werden die Arbeiten fortgeführt. Hier werden Uhrmacherateliers entstehen und die Räume eingerichtet, in denen die Teile gefertigt werden. Dazu werden schwere Maschinen gebraucht. Sie zwangen Lange im Maschinenhaus zum robusten Bauen. „Normalerweise baut man Decken ein, die einer Traglast von zwei Kilonewton pro Quadratmeter genügen“, sagt Braun. Im Maschinenhaus halten die Decken siebenmal so viel aus.

Im Frühjahr 2015 soll der Neubau bezugsfertig sein. Damit wird Lange Uhren, die mit derzeit 600 Mitarbeitern größte der Glashütter Uhrenfirmen, seine Betriebsfläche auf etwa 11 300 Quadratmeter verdoppeln. Die Manufaktur hätte dann auch Platz, um zu wachsen. Im neuen Gebäude könnten über 100 Uhrmacher arbeiten.

Gestern diente es einem ganz anderen Zweck. Lange feierte die Wiedergründung des Unternehmens vor 19 Jahren und stellte dazu eine der Uhren vor, die 2014 auf den Markt kommen wird.