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Vorm ersten Schnee steht der Schweinestall

Mit zweimonatiger Verspätung hat am nördlichen Stadtrand von Löbau der Bau einer Schweinemastanlage begonnen. Während das Landratsamt Investor Reinhard Mosig den sofortigen Bau erlaubte, muss das Regierungspräsidium...

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Von Sebastian Beutler

Mit zweimonatiger Verspätung hat am nördlichen Stadtrand von Löbau der Bau einer Schweinemastanlage begonnen. Während das Landratsamt Investor Reinhard Mosig den sofortigen Bau erlaubte, muss das Regierungspräsidium abschließend noch über die Einwände von Bürgern und vor allem der Bergquell-Brauerei entscheiden: Sie befürchten drastische Geruchsbelästigungen.

Nun dreht sich sogar ein Kran am künftigen Standort der Schweinemastanlage zwischen Löbau und dem Kittlitzer Ortsteil Laucha. Die Bodenarbeiten sind beinahe fertig, Beton wird fleißig vergossen. Reinhard Mosig hält an seinem Ziel trotz zwei Monaten Bauverzug fest: „Vor dem ersten Schnee sollen die ersten Schweine eingestellt werden.“ Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der Bauablauf, so Mosig, „ungemein gepresst“. Schon ein, zwei Wochen schlechtes Wetter könnten da entscheidend sein.

Amt sah keinen weiteren Handlungsbedarf

Oder ein Verfahren vor dem Dresdner Verwaltungsgericht. Obwohl Mosig bauen darf, sind die Einwände nicht endgültig ausgeräumt. Das Landratsamt hat in einem Bescheid Ende Mai nach neuerlicher Prüfung zwar keine neuen Anhaltspunkte gesehen und Mosig erlaubt, mit dem Bau der rund 800 000 Euro teuren Anlage sofort zu beginnen. Ansonsten, so schreibt das Amt, drohen Mosig „der Verlust der befristet bewilligten Fördermittel, mindestens aber erhebliche Einnahmeverluste, sollte das Vorhaben bis zur Ausschöpfung des Rechtsweges zurückgestellt werden.“ Die Behörde veranschlagt in dem Bescheid für ein solches Verfahren bis zur letzten Instanz sechs bis sieben Jahre.

Die Bergquell-Brauerei könnte vor Gericht ziehen

Vor Gericht ziehen könnte aber die Bergquell-Brauerei Löbau. Denn sie ist mittlerweile die einzige, die an ihren Einwänden festhält. Sie ist auch am unmittelbarsten betroffen: Mosigs Schweinestall wird in einigen Hundert Metern Abstand zur Brauerei deren nächster Nachbar. Ging es zunächst um einen befürchteten Sperrbezirk bei Maul- und Klauenseuche, der die Produktion in der Brauerei gefährden könnte, so dreht sich mittlerweile alles um die Ausbringung der Gülle.

Mosig wird mindestens alle zwei Jahre Gülle auf die Felder rund um seine Schweinemastanlage ausbringen. Brauerei-Besitzer Steffen Dittmar fordert, dass die Gülle auf Alternativflächen versprüht wird. Das will Mosig jedoch nur tun, wenn ihm der zusätzliche Aufwand beglichen wird. Er bietet aber an: „In der Regel wird die Gülle sofort in den Boden eingegrubbert.“ Nun ist offen, ob Dittmar das für ausreichend hält. Der Bierbrauer aus Leidenschaft sagt aber auch: „Den Bau der Anlage werden wir nicht verhindern können.“ Mit dem Bau abgefunden hat sich auch die Stadt Löbau. Sie fürchtete, dass mit dem Stall ihr angestrebter Status eines Erholungsortes schweren Schaden erleiden könnte. Oberbürgermeister Dietmar Buchholz zufolge will Löbau keine Rechtswege beschreiten.Auf ein Wort