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Vorsicht vor falschen Münzen

Immer wieder landet ausländisches Geld in den Kassen der Riesaer Händler. Warum die das Problem locker nehmen.

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Von Stefan Lehmann

Der Blick in die Kasse sorgte nach dem letzten Markttag für große Augen bei Gunter Spies: Zwischen all den Euro-Münzen hatte sich ein Stück „Falschgeld“ eingeschlichen. „Das sah auf den ersten Blick genau so aus wie ein normales Zwei-Euro-Stück“, erzählt der stellvertretende Marktmeister. Nur das Motiv auf der Münze machte Spies stutzig: Statt des Adlers oder eines anderen Euro-Wappens prangte dort der ägyptische Pharao Tutanchamun. „Es handelte sich um ein ägyptisches Pfund“, sagt Spies. Beim Kassieren sei die Münze als Zwei-Euro-Stück durchgegangen.

Spies ist nicht der einzige Riesaer, dem schon Münzen aus dem Ausland, sogenannte Fremdmünzen, untergejubelt wurden. Auf Facebook berichten viele SZ-Leser von dem „Falschgeld“, das sie in ihrem Portemonnaie finden. „Hab ich letztens einen bei McDonald‘s zurückbekommen“, ärgert sich beispielsweise Florian Tief. Zurecht, denn die Münzen sind meist deutlich weniger wert als das Euro-Stück, für das sie auf den ersten Blick gehalten wurden. Der ägyptische Pfund in Gunter Spies‘ Kasse beispielsweise hat umgerechnet einen Wert von zur Zeit zwölf Cent.

Auch bei Bäckermeister Matthias Brade hat sich mittlerweile eine kleine Münzsammlung angehäuft. „Ich bin quasi Numismatiker“ sagt Brade und lacht. Dass ab und an mal ein falsches Geldstück über die Theke geht, stört ihn kaum. „Ich mache da auch meinen Verkäuferinnen keinen Vorwurf“, sagt Brade. „Die sehen den echten Zwei-Euro-Münzen wirklich zum Verwechseln ähnlich, und bei den vielen Sonderprägungen fällt‘s den Mädels ja noch schwerer.“ Existenzbedrohend sei das „Falschgeld“ nicht. „In vier Jahren sind knapp 30 Münzen zusammengekommen. Das bringt uns jetzt nicht um.“ Bemerkt werden Fehler oftmals erst vom Sicherheitsunternehmen, das die Einnahmen zur Bank bringen soll. „Die prüfen das vorher, dann schlägt der Münzprüfer Alarm“, erklärt Brade.

Auch bei der Sparkasse kommt es manchmal vor, dass irrtümlich eine fremde Währung abgegeben wird. „Bei uns fällt das meistens dem Sicherheitsunternehmen auf, das das Geld abholt“, erklärt Pressesprecher Ralf Krumbiegel. Dort würden sachsenweit zehn Münzen pro Tag aussortiert. „Das ist sehr wenig, angesichts der Millionen, die täglich abgeholt werden“, betont der Sparkassen-Sprecher.

Interessanterweise komme fast das gesamte „Falschgeld“ aus Einzahlgeräten. Denn obwohl die meisten Automaten Größe und Gewicht der eingeworfenen Münzen prüfen: ab und an rutsche eben doch etwas durch. „So wie manchmal auch echte Münzen wegen kleiner Fehler nicht angenommen werden, kann es eben auch umgekehrt passieren, dass der Automat eine falsche Münze annimmt.“ Besonders häufig kommen laut Krumbiegel englische Pennies, tschechische Kronen, ungarische Forint und türkische Lira in die Automaten. Sehr häufig ist laut Bundesbank auch die thailändische Zehn-Bath-Münze. „Auch die alten Pfennige aus D-Mark-Zeiten begegnen uns oft – die sind von der Größe her dem Euro-Cent sehr ähnlich“, sagt Sparkassen-Sprecher Krumbiegel. Innerhalb einer Münzrolle falle das natürlich nicht sonderlich auf, solange später beim Wiegen der Rolle das Gewicht stimmt.

Aber wie kommen die Münzen nun in Umlauf? Sowohl die Deutsche Bundesbank als auch das Landeskriminalamt (LKA) sind da einer Meinung: Gezielt werden sie nicht ausgegeben. „Dafür wäre der Aufwand, gemessen am möglichen Gewinn, zu hoch“, erklärt LKA-Sprecherin Kathlen Zink. Schließlich begleiche niemand größere Summen mit Hartgeld. Wer aus Versehen mit den Fremdmünzen bezahlt, werde in der Regel auch nicht wegen Geldfälschung belangt. Erstens, weil es sich streng genommen ja nicht um Falschgeld handle. Und zweitens, weil ein Vorsatz kaum nachzuweisen sei. Die Bundesbank rät trotzdem dazu, genau hinzuschauen. Denn auf den zweiten Blick sei das Fremdgeld leicht als solches zu erkennen. Auch ohne elektronische Münzprüfer.