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Vorsicht, Wildwechsel!

Im Herbst häufen sich Unfälle mit Wildtieren. Im Landkreis kam es seit September zu 141 Kollisionen mit Tieren.

Von Wolf Dieter Liebschner und Dieter Hanke

Die Straße ist frisch asphaltiert. Der Abend lau. Da kommen auch Tiere später zur Ruhe. Manchen wird das zwischen Boxdorf und Moritzburg zum Verhängnis. Dreimal rumpelt es an diesem Oktoberabend unter dem Auto. Mal erwischt es einen Waschbär, dann einen Igel, später einen Feldkater.

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In diesen Herbsttagen mit früher Dämmerung, Nacht und Nebel häufen sich die Wildunfälle wieder. Besonders in der Dunkelheit sollten Fahrzeugführer damit rechnen, dass Tiere unvermittelt die Straße überqueren. Und: Meist bleibt es nicht bei einem Tier. Oft sind ganze Herden oder Rudel unterwegs. „Die Tiere sind auf Futtersuche“, erklärt Thomas Vogelsang, der Leiter der Unteren Jagdbehörde im Landkreis Meißen. „Und bei Hirschen ist jetzt Brunftzeit.“

Vor allem in ländlichen Gebieten sollte man während der Fahrt die Wald- und Straßenränder im Auge behalten. Gefährlich sind auch neue Straßen, die durch Waldgebiete führen. Denn die Tiere behalten die gewohnten Wege bei. „Besonders auf Straßen, auf denen sehr schnell gefahren wird, kann es ganz schnell zu Unfällen mit Tieren kommen“, so Vogelsang weiter.

Betroffen sind vor allem Füchse, Wildschweine und Rehe, deren Bestände nach Angaben des Forstbezirks Dresden stark angestiegen sind. „Gerade bei den größeren Tieren kann es nicht nur zu Sach-, sondern auch zu Personenschäden kommen“, sagt Forstbezirkschef Markus Biernath.

Laut Polizeipressesprecher Thomas Geithner hat es in diesem Jahr im Landkreis Meißen bisher 822 Wildunfälle. Allein auf die Monate September und Oktober entfielen dabei 141 Zusammenstöße.

Das Wild niemals mitnehmen

„Nach einem Wildunfall müssen Autofahrer unverzüglich die Unfallstelle absichern und Verletzten helfen“, sagt Geithner. „Zudem sollte überfahrenes, verendetes Wild möglichst schnell von der Fahrbahn entfernt werden, um nicht weitere Unfälle zu verursachen.“ Auf keinen Fall dürfe das Wild mitgenommen werden. „Zum einen, weil das Fleisch vom Fachmann auf mögliche Krankheiten untersucht, ordnungsgemäß aufbereitet und gekühlt werden muss, damit gesundheitsschädigende Keime ausgeschlossen werden können. Zum anderen würde man sich der Wilderei strafbar machen, da die Tiere qua Gesetz dem Revierinhaber gehören.“

Doch auch wenn ein Tier „nur“ angefahren wurde und flüchten konnte, muss unverzüglich die Polizei benachrichtigt werden. „Diese wird den zuständigen Revierpächter herbeirufen, der nach dem verletzten Tier sucht. Meist kann dem Wild durch die Nachsuche viel Leid erspart werden“, so der Polizeisprecher.

Karsten Schlüter, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Meißen, bestätigt diesen Trend: „Für uns Jagdpächter ist das ein großes Problem. Bei Rehwild macht das schon an die zwei Drittel der jährlichen Gesamtquote aller zur Strecke gebrachten Tiere aus. Aber auch Wildschweine werden zunehmend von Fahrzeugen erfasst und verenden.“ Vor allem die B 101 zwischen Krögis und Nossen sei da ein Schwerpunkt. Dort wurden in diesem Jahr schon über zehn Rehe bei Unfällen getötet. Im Triebischtaler Gebiet waren es über fünf Rehe.

Neben Reh- und Schwarzwild würden aber auch verstärkt Füchse, Dachse, Waschbären und Marder den Autos zum Opfer fallen. „Besonders gefährdete Abschnitte sind hier neben der B 101 die Staatsstraße 36 zwischen Nossen und Wilsdruff sowie die Staatsstraße 83 zwischen Miltitz und Deutschenbora“, so der Kreisjägermeister.

Der Kreisjägermeister regt an, dass die Verkehrsbehörden mehr blaue Reflektoren an den Straßen-Begrenzungspfählen anbringen sollten, um die Tiere vor dem Verkehr zu warnen. „An der neuen Straße nach Lommatzsch wurde das vor einigen Jahren gemacht. Dadurch ist bei Schwarzwild die Zahl der verendeten Tiere deutlich zurückgegangen“, sagt Schlüter.

Wenn es zum Unfall kommt, hilft nur: Lenkrad ganz festhalten, bremsen und auf das Tier zuhalten. Keinesfalls sollte man versuchen, mit plötzlichen Bewegungen auszuweichen. Polizeisprecher Knaup rät, sich auf eine Kollision einzustellen. „Das ist für viele Menschen gewöhnungsbedürftig. Aber die Gefahr, infolge eines Ausweichmanövers zu verunglücken, ist wesentlich höher, als das Verletzungsrisiko im Falle einer Kollision mit dem Tier.“

Die Unfallstelle solle abgesichert werden. „Das heißt Warnblinker an, Warndreieck aufstellen, verletzte Personen versorgen und die Polizei rufen“, sagt Marcel Lange, Mitarbeiter der Rechtsabteilung beim ADAC. Keinesfalls sollte man sich dem verletzten Tier nähern. Es kann aggressiv sein und beißen. Außerdem kann es hilfreich sein, Fotos zu machen. „Gerade wenn das Tier noch weglaufen konnte, sollte man Spuren wie Haarbüschel oder Blut am Fahrzeug fotografieren“, sagt Marcel Lange. Das kann der Versicherung als Beweis dienen.