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Sebnitz

Vorstoß im klinischen Lückenschluss?

Für die Kostenübernahme der Behandlung von tschechischen Patienten in Sebnitz wird eine Einigung erwartet. Termin steht.

Gipfeltreffen in der Hohwaldklinik: Asklepios-Regionalgeschäftsführer Patrick Hilbrenner (v.l.), Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) und Landtagsabgeordneter Jens Michel (CDU).
Gipfeltreffen in der Hohwaldklinik: Asklepios-Regionalgeschäftsführer Patrick Hilbrenner (v.l.), Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) und Landtagsabgeordneter Jens Michel (CDU). © Dirk Zschiedrich

Nach der drohenden Insolvenz des kommunalen Krankenhauses im tschechischen Rumburk (Rumburg) werden in der benachbarten Asklepios Klinik in Sebnitz bereits tschechische Notfall-Patienten aufgenommen. „Wir wissen noch nicht, wer die Behandlungskosten dafür übernimmt, aber wir sind verpflichtet, Menschen in Not zu helfen“, sagt Patrick Hilbrenner, Asklepios-Regionalgeschäftsführer für die Kliniken im Hohwald, in Sebnitz und Radeberg. Am Aufnahmetresen des Sebnitzer Krankenhauses würde bereits tschechisch gesprochen, um die Patienten bestens versorgen zu können. Die Übernahme der Behandlungskosten wolle Hilbrenner dann nachträglich regeln.

Genau das ist der Punkt, der seit Jahren von Politikern beider Staaten verhandelt wird. Deutschland würde gern Patienten aus Tschechien behandeln, nicht nur in Kliniken im Schluckenauer Zipfel. Da die Behandlungskosten hierzulande aber höher sind als im Nachbarland, scheiterte die Umsetzung des Planes bisher. Wie Landtagsabgeordneter Jens Michel (CDU) bekanntgab, erwarte er nach vielen Gesprächen und sechsjährigen Verhandlungen nun aber eine Lösung: „Wir treffen uns am Dienstag, dem 30. Juli, in Prag mit dem tschechischen Gesundheitsminister und Vertretern der Krankenkassen“, kündigt Michel an. Dann soll eines der größten Probleme gelöst werden. „Auf tschechischer Seite ist für die Kostenübernahme der Differenz zwischen den Behandlungskosten in Deutschland und der Tschechischen Republik eine Gesetzesänderung nötig“, erklärt Michel. Er hofft, dass diese bereits im September über die politische Bühne gehen könnte. Gegenwärtig würden alle Fallpauschalen übersetzt. „Scheinbar ist die Differenz gar nicht so groß“, fügt der CDU-Politiker hinzu. Auch die sächsische Ministerin für medizinische Versorgung, Kinder, Jugendliche und Familien, Barbara Klepsch (CDU), unterstützt das grenzübergreifende Projekt: „Wir sind in Europa. Man muss versuchen, die Grenzen aufzubrechen“, sagt sie. Hier sei die Region aktiv geworden. „Bei dem Treffen diese Woche muss nun geklärt werden, welche Gesetze im Nachbarland geändert werden müssen. Wir schaffen mit unseren Bemühungen eine Signalwirkung auch für andere Gebiete“, betont sie.

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Die Ministerin war am vergangenen Mittwoch in der Asklepios Orthopädischen Klinik Hohwald zu Gast und führte dort Gespräche mit Klinikchef Patrick Hilbrenner, regionalen Politikern und Ärzten.

Rund um Rumburk leben auf tschechischer Seite etwa 55 000 Menschen, die durch die Insolvenz des dortigen Krankenhauses von der medizinischen Versorgung abgeschnitten werden. Neben der deutschen Grenze wird das Gebiet von Bergen begrenzt. Hinter den Bergen befinden sich die Krankenhäuser von Decin und Ceska Lipa, die im Falle einer Schließung von Rumburk als Ersatz infrage kämen. Im Winter sind die Straßen über diese Berge allerdings an manchen Tagen nicht befahrbar, sodass auch dann wieder die Ausweichklinik in Sebnitz für Patienten besser erreichbar wäre.

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Tschechische Patienten weichen inzwischen auch ins Helios Klinikum nach Pirna aus. Wie Pressesprecherin Kristin Wollbrandt mitteilt, erhält das Pirnaer Krankenhaus regelmäßig Anfragen zur Behandlung von Menschen aus dem Nachbarland. „Wir behandeln eine Vielzahl von tschechischen Notfallpatienten, die als Arbeitnehmer, Ausflügler oder Urlauber in unserer Region unterwegs sind. Vereinzelt kommen auch Patienten geplant zu uns, die die Behandlung privat bezahlen“, sagt Wollbrandt. Die politischen Verhandlungen zur Finanzierung der grenzübergreifenden Versorgung werden auch vom Helios Klinikum Pirna unterstützt. „Aufgrund unseres spezialisierten Leistungsspektrums möchten und können wir – auch auf die steigende Nachfrage von Patienten aus Tschechien hin – deren Behandlung übernehmen“, sagt Kristin Wollbrandt. Nun muss Tschechien sicherstellen, dass die höheren Kosten für die Behandlung in Deutschland übernommen werden. Ein entsprechendes Abkommen ist seit Jahren in der Diskussion. Möglicherweise gibt es jetzt eine Zustimmung der benachbarten Krankenkassen.

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