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VVO: Wer diese App hat, braucht kein Ticket mehr

Fahrgäste müssen mit Fairtiq keine klassischen Tickets mehr kaufen. Stattdessen regelt das Smartphone die Bezahlung. Wie das funktioniert.

Von der Schweiz nach Sachsen: Fairtiq-Chef Gian-Mattia Schucan will ganz Deutschland mit seiner automatischen Fahrkarten-App erobern. Bis jetzt kooperieren sechs Verkehrsbetriebe mit dem Unternehmen, seit August auch der VVO.
Von der Schweiz nach Sachsen: Fairtiq-Chef Gian-Mattia Schucan will ganz Deutschland mit seiner automatischen Fahrkarten-App erobern. Bis jetzt kooperieren sechs Verkehrsbetriebe mit dem Unternehmen, seit August auch der VVO. © PR

Dresden. Über das Handy ein Ticket für Busse und Bahnen erwerben - das ist schon länger im Netz des Verkehrsverbunds Oberelbe (VVO) möglich. Doch nun hat der Zweckverband eine Kooperation mit einem Schweizer Unternehmen geschlossen, die auch den Kauf selbst unnötig machen soll. Wie funktioniert das?

Die App mit dem Namen Fairtiq erkennt über GPS automatisch den Standort des Fahrgasts - und damit auch die Haltestelle, an der er sich befindet. Der Fahrgast muss deshalb vor dem Einsteigen in ein öffentliches Verkehrsmittel nur einen Startknopf von links nach rechts wischen. Dann erhält der Nutzer eine automatische Nachricht aufs Display, dass der sogenannte "Check-In" erfolgreich durchgeführt wurde. 

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Auch das Umsteigen soll mit Fairtiq funktionieren

Auch der "Check-Out" erfolgt nach diesem Prinzip. Wenn der Fahrgast ausgestiegen ist, muss er wiederum eine Wischbewegung machen. Die App ermittelt dann automatisch den Preis für die Fahrt. „Durch die Standortermittlung erkennt die App, welche Strecke gefahren wurde und berechnet das Ticket“, sagt DVB-Vorstand Andreas Hemmerbach. Auch in Dresden kann Fairtiq jetzt im gesamten Stadtgebiet genutzt werden.

Das Umsteigen soll laut VVO ebenfalls problemlos funktionieren. Wer für den Umstieg nicht länger als eine halbe Stunde braucht, könne die App einfach laufen lassen. Wenn man doch länger auf die nächste Bahn warten muss, empfiehlt der VVO, zunächst aus- und später wieder einzuchecken. 

Größtes Manko: Nur für Einzelpersonen

Abgerechnet wird nicht direkt, sondern jeweils am Folgetag, bis 4 Uhr nachts. Der Grund:  „Bei mehreren Einzelfahrten erkennt die App, ob nicht ein Tagesticket die bessere Wahl wäre und berechnet dann automatisch nur diesen günstigeren Preis", so Hemmerbach. Bezahlen kann man per Kreditkarte, PayPal oder Lastschrift. 

Abo-Kunden können auch ihre Monatskarten digital hinterlegen, um den Kauf von Fahrkarten für Anschlussstrecken zu umgehen. Die neue App können Fahrgäste auch in den Bergbahnen und auf den Fähren nutzen.

VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen glaubt, dass das Prinzip von Fairtiq den Bedürfnissen der Kunden entspricht. „Die Fahrgäste wollen nur fahren und das Ticket ist Mittel zum Zweck", sagt er. Eine erste Testphase der App lief seit Anfang August im VVO-Gebiet.

Allerdings gibt es bisher noch Einschränkungen bei der Nutzung: So können Abo-Monatskarten, die erst ab 9 Uhr vormittags gelten, bisher nicht hinterlegt werden - technische Gründe seien verantwortlich, heißt es beim VVO. Auch sei die Nutzung der 1. Klasse nur möglich, wenn Fahrgäste über einen Übergangsfahrschein zur 1. Klasse verfügen.

Wo die App schon länger genutzt wird

Ein weiteres Manko: Fahrräder, Hunde oder weitere Personen können über die App nicht mitgenommen werden, weil Fairtiq nur Fahrkarten für Einzelpersonen berechnet. Weil alle Nutzer sich beim ersten Abruf der App mit ihren Daten registrieren müssen, kann auch keine Extra-Fahrkarte für Freunde aufgerufen werden.

Fairtiq arbeite aber an einer Lösung, so VVO-Sprecher Christian Schlemper. Ein Umsetzungstermin stehe jedoch noch nicht fest. Die App gibt es bereits in sechs Verkehrsgebieten in Deutschland, darunter in Halle (Saale) und Aschaffenburg, sowie in Teilen Österreichs und der Schweiz. Sie ist kostenlos über die Appstores von Apple und Google verfügbar. 

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Vor Beginn der Corona-Pandemie sei Fairtiq für rund eine Million Fahrten pro Monat genutzt worden, so der Chef des 2016 gegründeten Start-ups, Gian-Mattia Schucan. "Wir freuen uns, dass wir mit der neuen Kooperation in Sachsen die Verbreitung in Deutschland weiter ausbauen." Neben Fairtiq können Online-Tickets im VVO-Gebiet auch über die VVO-App oder die App der Deutschen Bahn gekauft werden. 

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