merken

Wachau sucht Kompromiss beim Streit ums Rittergut

Der Eigentümer will Gebäude abreißen, Anwohner möchten die Substanz erhalten. Die Gemeinde hofft auf eine Lösung.

© Willem Darrelmann

Von Thomas Drendel

FLORIAN -Die Fachmesse für Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz

Vom 10. bis 12. Oktober 2019 werden auf der FLORIAN die Technologien der Zukunft für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz gezeigt.

Die Gemeinde Wachau will neue Wege bei der Gestaltung des Ritterguts in Seifersdorf gehen. Das hat Bürgermeister Veit Künzelmann (CDU angekündigt. „Wir wollen die Bürgerinitiative in die mögliche Gestaltung des Areals einbinden“, erklärte er. Ziel ist es, einen Kompromiss zwischen den Ideen des Investors und der Seifersdorfer zu erreichen.

Bislang liegen die Vorstellungen noch weit auseinander. Der Eigentümer plant bekanntlich Grundstücke für 19 Einfamilienhäuser mit einer Größe zwischen 780 und mehr als 1 000 Quadratmetern. Außerdem entsteht eine Mehrgenerationen-Wohnanlage. Sie besteht aus dem Herrenhaus und zwei Gebäudeflügeln, die neu errichtet werden. Für die Bewohner dieses Mehrgenerationen-Hauses werden auf dem Rittergut 50 Parkplätze ausgewiesen. Nach den Plänen kommen wichtige Gebäude, historische Scheunen und Ställe weg.

Genau dagegen sind die Mitglieder der Bürgerinitiative und zahlreiche weitere Einwohner von Seifersdorf. „Wir treten für den Erhalt des historischen Gebäudeensembles ein“, sagt Günter Zeeh vom Förderverein Seifersdorfer Schloss und Mitglied der Bürgerinitiative. Schloss, Rittergut und Kirche bilden eine Einheit, die erhalten werden muss, so die Bürgerinitiative. Mit dem geplanten Abriss aller historischen Gebäude, außer dem Herrenhaus, verschwindet ein Teil des Seifersdorfer Ortskerns. Selbst die reduzierte Anzahl Einfamilienhäuser von 19 Stück ist nach Ansicht der Bürgerinitiative zu viel. „Die Wohnanlage passt nicht in den historischen Ortskern“, sagt der Vereinsvorsitzende. Die Bürgerinitiative hatte sich Schützenhilfe bei der Politik geholt. In einem offenen Brief wandte sie sich an Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und die Fraktionsvorsitzenden im Landtag. Die Landtagsfraktion der Grünen richtete daraufhin eine Anfrage an die Landesregierung: Tenor: Wieweit sind die Abrisspläne dort bekannt? Innenminister Markus Ulbig (CDU) stufte das Areal als bedeutend ein. Wie damit weiter umgegangen wird, sei nicht Sache des Freistaates, das entscheiden die Behörden im Genehmigungsverfahren und das laufe noch. Die anschließende Entscheidung trifft der Wachauer Gemeinderat. – Wie jetzt allerdings ein Kompromiss aussehen soll, ist fraglich. Der Eigentümer will aus dem Verkauf der Eigenheim-Grundstücke die Infrastruktur wie Zufahrt und die Straßen auf dem Areal finanzieren. Wird die Anzahl der Grundstücke weiter reduziert, dürfte sich das Projekt kaum noch rechnen. Auf der anderen Seite kosten der Erhalt und der Umbau der Ställe, Scheunen und des Herrenhauses, wie die Bürgerinitiative es fordert, Geld. Noch ist unklar, wo es herkommen soll.

Um das Rittergut an der Tina-von-Brühl-Straße gibt es seit Jahren Streit. Ein Privatmann hatte es im Jahre 1992 von der Bodenverwaltungs- und Verwertungsgesellschaft gekauft und wollte das Anwesen sanieren. Doch nichts passierte.

Es gab viele Ideen, beispielsweise es als Veranstaltungs- und Fortbildungszentrum für die Land- und Forstwirtschaft zu nutzen. Sie scheiterten. Es fehlte das Geld. Auch der zuletzt vorgesehene Verkauf kam nicht zustande. Seifersdorfer Einwohner wollen endlich den Schandfleck in der Ortsmitte beseitigt haben.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.