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Wachau verärgert Häuslebauer

Wegen der Vorgaben durch die Gemeinde, drohen Interessenten in Lomnitz abzuspringen. Eine Lockerung ist umstritten.

Im Lomnitzer Wohngebiet „Am Mühlberg“ gibt es noch freie Baugrundstücke. Für die gibt es zwar Interessenten, doch die drohen nun abzuspringen, weil die Bauvorschriften der Gemeinde ihnen zu enge Grenzen setzen.
Im Lomnitzer Wohngebiet „Am Mühlberg“ gibt es noch freie Baugrundstücke. Für die gibt es zwar Interessenten, doch die drohen nun abzuspringen, weil die Bauvorschriften der Gemeinde ihnen zu enge Grenzen setzen. © Archivfoto: Thorsten Eckert

Wachau. Während anderswo im Rödertal neue Baugrundstücke rasend schnell einen Käufer finden, gibt es für die freien Flächen im Wohngebiet „Am Mühlberg“ im Wachauer Ortsteil Lomnitz nur wenige Interessenten. Das liegt unter anderem daran, dass die Flächen nicht verkauft, sondern nur über einen Zeitraum von 75 Jahren verpachtet werden. Daneben machen aber auch die Bauvorschriften der Gemeinde den Plänen vieler Häuslebauer einen Strich durch die Rechnung. Denn was auf den Grundstücken gebaut werden darf, ist strikt geregelt.

Eingeschossige Eigenheime im Bungalow-Stil sind ebenso wenig möglich wie die sogenannten Stadtvillen mit zwei voll nutzbaren Etagen ohne Dachschrägen im Obergeschoss. Dabei sind beide Bauweisen bei Häuslebauern derzeit äußerst beliebt. In dem Lomnitzer Wohngebiet darf die Höhe des Kniestocks oder Drempels aber nur maximal 30 Zentimeter betragen. Das ist die an der Traufseite auf der Decke des Erdgeschosses gemauerte Wand, auf der die Dachkonstruktion aufliegt. Je höher diese ist, desto weniger Platz geht im Obergeschoss durch die Dachschrägen verloren. Weil deren Winkel 35 Grad haben muss, sind flache Dächer ebenfalls nicht möglich.

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Ausnahmen wären möglich

Interessenten für die Grundstücke in Lomnitz haben deshalb bei der Gemeinde eine Befreiung von den im Bebauungsplan festgeschriebenen Vorgaben beantragt. Das wurde vom Gemeinderat im Juni jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt. Seitdem wird in dem Gremium über das Thema diskutiert. Denn auch das Landratsamt in Bautzen hat der Gemeinde nahegelegt, seine Haltung zu überdenken.

In der letzten Sitzung des alten Gemeinderats Anfang Juli waren die Bauvorschriften wegen eines erneuten Antrags auf Befreiung von den Festlegungen dann erneut Thema. Dabei teilte Bürgermeister Veit Künzelmann dem Gremium mit, dass die Gemeinde nach Angaben des Landkreises bei bis zu 50 Prozent der Bauvorhaben in dem Gebiet per Beschluss von den Vorgaben abgewichen werden könne. Aus den Reihen des Gremiums wurde daraufhin Unverständnis geäußert.

„Stimmen wir jetzt so lange ab, bis es passt?“, war eine der Fragen. Andreas Schneider sprach von einem „rechtlosen Zustand“ und auch Robert Zukowski warnte vor zu vielen Abweichungen. Wachaus Bauamtsleiterin Ines Heinze gab zu bedenken, dass man durch diese Haltung Bauwillige vergraule. Auch Künzelmann betonte, dass der Erschließungsträger viele Anfragen für diesen Baustil habe und die Interessenten bei einer Ablehnung weglaufen würden. Er habe mit mehreren Bauwilligen persönlich gesprochen, die sich entsprechend geäußert haben.

Ratsmitglieder uneinig

Der Bebauungsplan für das Gebiet, der Anfang der 90er Jahre beschlossen wurde, sei von der Zeit überholt. Er selbst könne nachvollziehen, dass sich viele Bauherren für den Bungalow-Stil entscheiden, um altersgerecht zu bauen, sagt Künzelmann. Immerhin gibt es dann keine Treppen, die im Alter überwunden werden müssen. Den Bebauungsplan zu ändern sei jedoch keine Option, weil das ein bis zwei Jahre dauern würde. Denn dabei müssten alle Träger öffentlicher Belange wie die Nachbargemeinden erneut gefragt werden. Das koste Zeit und Geld, so Künzelmann. Wie die Bauamtsleiterin erklärte, habe die Gemeinde in der Vergangenheit bereits Abweichungen genehmigt. Weil keine Einigung erzielt werden konnte, wurde der Punkt vom Bürgermeister schlussendlich von der Tagesordnung genommen.

Dort landete er dann wieder bei der ersten Sitzung des neuen Gemeinderats am Mittwoch. Konkret sollten die Ablehnung des Antrages vom Juni aufgehoben und eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes beschlossen werden. Demnach sollte die mögliche Drempelhöhe auf 50 Zentimeter erhöht und der vorgeschriebene Winkel der Dachschräge auf 24 Grad gesenkt werden. Während sich die Räte auf die Aufhebung der Ablehnung einigen könnte, war das Gremium bei der Lockerung der Vorschriften gespalten.

Deshalb soll das Thema nun noch einmal im Lomnitzer Ortschaftsrat besprochen werden. Das bedeutet für die potenziellen Häuslebauer nun weitere Verzögerungen. Entsprechend seien nach Angaben des Bürgermeisters auch deren Reaktionen auf die Entscheidung gewesen. „Die waren alle da und schütteln nur den Kopf“, sagt Künzelmann.

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