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Pirna

Wachleute schützen Baustelle vor Radlern

Die Straße Oberposta in Pirna ist wegen des Kanalbaus dicht. Weil das viele ignorieren, greift der Bauherr zu drastischen Mitteln.

Gesperrte Kanalbaustelle in Oberposta: Ignorante Radfahrer zwängen sich immer wieder zwischen Bauzaun und Baggerschaufel hindurch. Die Bauleute sind genervt, weil sie nicht zum Arbeiten kommen.
Gesperrte Kanalbaustelle in Oberposta: Ignorante Radfahrer zwängen sich immer wieder zwischen Bauzaun und Baggerschaufel hindurch. Die Bauleute sind genervt, weil sie nicht zum Arbeiten kommen. © Daniel Schäfer

Schon der Start verlief holprig. Ursprünglich wollten die Stadtwerke Pirna ab Januar die Grundstücke entlang der Straße Oberposta weiter an das öffentliche Abwassernetz anschließen. 

Doch der hohe Elbpegel machte diese Pläne zunichte. Die Baugrube hätte permanent unter Wasser gestanden. Erst Anfang April ging der Kanalbau weiter, allerdings an anderer Stelle als vorgesehen, weil der Flusspegel noch immer zu hoch war und die Gefahr bestand, dass an dem am tiefsten gelegenen Bauabschnitt Wasser die Baugrube flutet. Die Arbeiten gerieten dadurch gehörig in Verzug. Und der Rückstand könnte noch weiter wachsen, weil der felsige Baugrund schwierig zu handhaben ist. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Kanal nicht wie geplant Ende 2019 fertig wird, sondern erst im kommenden Jahr. Doch das ist nicht das einzige Problem.

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Seit die Arbeiten wieder laufen, ist die Ortsdurchfahrt Oberposta, ein Teil des Elberadwegs, gesperrt. Die Handwerker arbeiten zwischen Uferböschung und Grundstückszäunen auf engstem Raum, neben der Baustelle ist kein Platz für Fahrzeuge. Zwar können Anwohner die vor der Baustelle gelegenen Grundstücke noch von Pirna aus mit dem Auto erreichen, für alle anderen bleibt nur die Umleitung über Mockethal und Wehlen. Aber der direkte Baubereich ist tabu. Auch für Radfahrer ist die Strecke gesperrt, die Ausweichroute führt über den linkselbischen Radweg.

Nach Auskunft der Stadtwerke missachtet aber eine Vielzahl der Radler alle Hinweis- und Verbotsschilder und ignoriert geflissentlich die Sperrung. An manchen Tagen haben die Bauarbeiter fast 200 Pedaleure gezählt, die sich zwischen Baggerschaufel und Bauzaun hindurchzwängten. Jeder Radler zwingt den Bagger zum Stopp, denn schon ein kleiner Schwenk könnte einen Unfall auslösen. Laut der Stadtwerke behindern die Unbelehrbaren die Arbeiten dadurch erheblich und stellen ein nicht vertretbares Sicherheitsrisiko dar. Die Baufirma hat inzwischen die Baubereiche zusätzlich gesichert und abgesperrt – denn sowohl die Firma als auch der Auftraggeber haften, wenn im Baufeld jemand verunglückt. Zeitweise lassen die Handwerker während der Arbeitszeit überhaupt niemanden in den Sperrbereich. Doch auch das fruchtet nur bedingt.

Um den allzu ignoranten Radlern Einhalt zu gebieten, sind nach Aussage von Anwohner und CDU-Stadtrat Peter Baldauf seit Kurzem zwei Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes an der Baustelle im Einsatz. Sie kontrollieren die Ausweise der Pedaleure. Ortsfremde schicken sie wieder zurück. „Das gibt manchmal unschöne Szenen. Einige Radfahrer regen sich auf, werden ausfällig und verstehen nicht, warum sie wieder umkehren sollen“, sagt Baldauf. Doch was sein muss, muss sein: Laut der Stadtwerke geht die Sicherheit vor, zudem müsse der permanente Radverkehr gestoppt werden, weil die Arbeiter sonst gar nicht mehr zum Bauen kämen. Die Stadtwerke appellieren an die Einsicht der Radler, sie mögen doch die Route auf der anderen Elbseite wählen.

In Oberposta, sagt Baldauf, wohnen viele ältere Menschen, die nicht mehr Auto fahren und somit aufs Rad angewiesen sind, um beispielsweise Einkäufe zu erledigen. Für sie gilt eine Ausnahme: Sie dürfen in den Baubereich, sofern sie sich nicht selbst gefährden oder die Bauarbeiten behindern. Insgesamt, sagt Baldauf, habe sich die Lage an der Baustelle etwas entspannt, seit die ortsfremden Pedaleure nicht mehr massenweise um die Kanalgräben kurven. Er hadert allerdings damit, dass die Kontrollen so lange auf sich warten ließen. „Diese Regelung und den fahrradfreien Baubereich hätten die Stadtwerke schon lange haben können“, sagt er.

Stadträte und Anwohner hatten schon bei Beginn der Kanalbauarbeiten im vergangenen Jahr gefordert, dass entweder Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes oder ein Wachschutz das Durchfahrtsverbot überwachen.

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