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Abrisspläne vom Tisch?

Seit Jahren steht fest, dass der Ullersdorfer Saal einer neuen Mehrzweckhalle Platz machen soll. Nun prüft ein Büro, ob statt eines Neubaus eine alte Firmenhalle genutzt werden kann. Das sorgt für Stunk.

© Willem Darrelmann

Von Jens Fritzsche

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Mit Oppacher gelassen losradeln

Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Hätte Stadtrat Roland Schmidt von den Freien Wählern Mittwochabend ein Blutdruckmessgerät am Arm gehabt, es hätte sicher kräftig „ausgeschlagen“. Denn dass in der Stadtratssitzung erneut darüber geredet wurde, ob der alte Saal des Gasthofs im Ortsteil Ullersdorf tatsächlich abgerissen und durch den beschlossenen Neubau einer Mehrzweckhalle ersetzt werden soll, diese Diskussion brachte den Großerkmannsdorfer Roland Schmidt hörbar auf die verbale Palme. „Wir haben den Bau beschlossen, nun muss er auch durchgezogen werden“, empörte er sich.

Hintergrund ist bekanntlich der jahrelange Streit um die Zukunft der Ullersdorfer Grundschule. Der Stadtrat hatte vor einigen Jahren mehrheitlich beschlossen, die Schule in Ullersdorf zu schließen und ins benachbarte Großerkmannsdorf zu verlagern. Dort sei nicht nur mehr Platz im Schulgebäude, sondern auch eine funktionierende Turnhalle, hieß es. Doch Ullersdorf pochte auf den Eingemeindungsvertrag, in dem der dauerhafte Bestand der Ullersdorfer Grundschule festgeschrieben worden war. Man zog vor Gericht und bekam Recht. Also bekannte sich der Stadtrat letztlich auch dazu, den alten Gasthofsaal neben der Schule abzureißen – hier fand bisher der Sportunterricht statt – und ihn durch eine moderne Mehrzweckhalle samt zweier zusätzlicher Klassenräume zu ersetzen. Schon jetzt ist der alte Saal ja nicht mehr für den Sportunterricht nutzbar.

Die Wogen schlagen hoch

Doch ausgerechnet nun kommen einige Vertreter des Ullersdorfer Dorfclubs um die sprichwörtliche Ecke und erklären, der Saal sei für das Ortsbild Ullersdorfs wichtig und man könne ja statt des Neubaus auch die seit einiger Zeit neben der Schule in Ullersdorf leer stehende Halle der Firma Tiegel umbauen. Das sei machbar – obwohl es bereits anderslautende Gutachten gibt – und zudem auch noch viel billiger, erklären die Befürworter dieser Idee. Die Wogen schlagen hoch in Ullersdorf, sogar Unterschriftenlisten kursieren – für und gegen den Abriss. Ein Fakt, der letztlich auch dazu geführt habe, wie Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) nun im Stadtrat erklärte, „dass wir noch einmal ein unabhängiges Ingenieurbüro prüfen lassen, ob die Tiegelhalle tatsächlich nutzbar wäre und was das kostet“. Es gehe darum, die Zahlen, die im Raum stehen, prüfen zu können, so Lemm.

Dass für diese Prüfung nun erneut Geld in die Hand genommen wird, „und auch noch einmal der Gasthof-Saal vermessen wird, wundert mich aber doch“, erklärte Detlev Dauphin, der Chef der Freien Wähler im Stadtrat. Radebergs Bauamtschefin Uta Schellhorn wunderte sich ebenfalls, und zwar darüber, dass der Saal vermessen werde. Dafür gebe es keinen Auftrag. OB Lemm vermutet eine Verwechslung: „Zum Auftrag gehört, dass der alte Gasthof selbst vermessen werden soll, weil der ja erhalten bleibt und später saniert wird.“ Wahrscheinlich sei dadurch das Gerücht in Ullersdorf entstanden, auch der Saal werde noch einmal vermessen.

Planungen für den Abriss laufen weiter

Klar ist jedenfalls, machte dann auch CDU-Fraktionschef Frank-Peter Wieth deutlich – der ja bekanntlich auch Ullersdorfs Ortsvorsteher ist: „Es kommt zu keinem Zeitverzug, die normalen Planungen für den Abriss laufen weiter, das war auch unsere Bedingung, dass wir der erneuten Prüfung zugestimmt haben!“ Wieth ist bekanntlich alles andere als begeistert, dass nach jahrelangen Debatten nun sozusagen „fünf nach zwölf“ Leute auf den Plan treten, die den alten Saal retten wollen. „Es war ja wirklich genug Zeit, mal eher den Mund aufzumachen“, so Wieth. Zudem seien auch die Kosten für die erneute Prüfung überschaubar: 3 000 Euro.

Allerdings – das wurde Mittwochabend deutlich – hat im Stadtrat niemand wirklich große Lust, das Thema erneut anzufassen. Der Beschluss ist gefällt, „und derzeit kutschen wir die Schulkinder per Bus zum Sportunterricht nach Großerkmannsdorf – so kann das doch nicht bleiben“, machte Roland Schmidt seinem Ärger Luft.

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