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Wacker wächst weiter

Die Bilanz für 2013 ist für den Chemiekonzern nicht zufriedenstellend. Zum 100. Geburtstag geht der Trend jedoch steil nach oben.

Von Antje Steglich

Dieses Jahr soll ein Festjahr für die Wacker Chemie AG werden. Nicht nur bilanziell gesehen. Denn am 13. Oktober 1914 gründete Alexander Wacker die Dr.  Alexander Wacker Gesellschaft für elektrochemische Industrie K. G. und legte damit den Grundstein für jenen Konzern, der noch heute mehrheitlich in den Händen seiner Familie liegt. Am Nünchritzer Standort soll der 100. Geburtstag des Unternehmens mit einem Tag der offenen Tür am 20. September gefeiert werden, kündigte Werkleiter Gerd Kunkel zum Nachbarschaftsgespräch am Dienstagabend an. Schon jetzt liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren – unter anderem für Rundfahrten, Bühnenprogramm, Experimente, Zaubershow und einem 100-Kilometer-Staffellauf. Außerdem stellte Gerd Kunkel den etwa 200 Nachbarn in der Wackerhalle die Konzernbilanz für 2013 vor und gab bereits einen ersten Ausblick auf 2014.

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Den 100.Geburtstag der Wacker Chemie feiert der Nünchritzer Standort mit einem Tag der offenen Tür im September. Fotos: Alexander Schröter/Archiv; Lutz Weidler
Den 100.Geburtstag der Wacker Chemie feiert der Nünchritzer Standort mit einem Tag der offenen Tür im September. Fotos: Alexander Schröter/Archiv; Lutz Weidler

Wacker setzt 2013 zwar mehr Produkte ab, macht aber kaum Gewinn

„Mit dem Jahresergebnis hat Wacker gerade mal eine schwarze Null geschafft“, sagt Werkleiter Kunkel über das für den Konzern „nicht zufriedenstellende Jahr 2013“. So ging der Umsatz von 4,63 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 4,48 Milliarden zurück. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen (EBITDA) sank von 795 auf 679 Millionen Euro, das Jahresergebnis wies statt vorher 114,7 nur noch 6,3 Millionen Euro auf. Denn zwar produzierte der Konzern mit seinen 22 Standorten in Europa, Amerika und Asien mehr als im Vorjahr, allerdings sanken die Preise für Polysilizium und im Bereich Wafer. Dementsprechend zurückhaltend sei man mit der Besetzung offener Stellen gewesen, erklärte Gerd Kunkel. Die Mitarbeiterzahl sank weltweit geringfügig von knapp 16 300 auf etwa 16 000.

Die Investitionen fuhr die Wacker AG 2013 auf 504 Millionen Euro zurück, das ist etwa die Hälfte wie noch 2012. Ein Schwerpunkt dabei war laut Gerd Kunkel der Aufbau des neuen Werkes im US-Bundesstaat Tennessee. Der Polysilizium-Standort soll Mitte 2015 die Produktion aufnehmen.

2014 startet mit höheren Umsätzen und Auslastungen

„Wacker ist gut ins neue Jahr gestartet“, sagte Gerd Kunkel jedoch optimistisch. Der positive Wirtschaftstrend schlage sich schon jetzt positiv auf die Konzernzahlen nieder. Im ersten Quartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr bereits um acht Prozent an, der EBITDA sogar um 73 Prozent. Dank der steigenden Nachfrage könnten alle Geschäftsbereiche höhere Umsätze und eine höhere Auslastung verzeichnen.

Für das gesamte Jahr rechnet Wacker mit einer Umsatzsteigerung im mittleren einstelligen Bereich und eine EBITDA-Steigerung um mindestens zehn Prozent, so Kunkel weiter. Die Investitionen werden sich jedoch voraussichtlich weiterhin auf dem Vorjahresniveau bewegen.

Positiver Trend ist auch in Nünchritz zu erkennen

In den vergangenen 14 Jahren – also seit der Übernahme des Werkes durch Wacker – ist die Produktionsmenge mittlerweile auf das beinahe 20-Fache angestiegen, im vergangenen Jahr gab es noch mal einen beachtlichen Sprung um etwa 400 Prozent. „Derzeit sind nahezu alle Anlagen voll ausgelastet“, erklärte Gerd Kunkel. Gleichzeitig arbeite man weiter daran, die Nachhaltigkeit zu steigern, indem beispielsweise der spezifische Dampf- oder Stromverbrauch kontinuierlich reduziert werde. Die Investitionen in den Standort belaufen sich 2013 und 2014 auf einen zweistelligen Millionenbetrag, der Schwerpunkt liegt hier bei der Optimierung beziehungsweise Erweiterung der Anlagen. So gehören laut Gerd Kunkel unter anderem die Erweiterung der Silikon-Polymer-Anlage, die Sanierung der zentralen Kälteanlage oder auch die Erweiterung der Kesselwagenabfüllung inklusive des Bahngleises zu den größeren Projekten.

Die Zahl der Mitarbeiter blieb 2013 mit knapp 1 350 und 81 Auszubildenden nahezu konstant, im September werden erneut 19 Jugendliche eine Lehre bei Wacker Nünchritz aufnehmen, kündigte Gerd Kunkel an. Zudem habe das Werk im vergangenen Jahr Lieferungen und Leistungen an Fremdfirmen mit einem Gesamtvolumen von etwa 450 Millionen Euro vergeben. Etwa zwei Prozent davon gingen jeweils an Unternehmen in Nünchritz und in Riesa, sagte Gerd Kunkel. Tagtäglich sind etwa 450 Partnerfirmen auf dem Werksgelände tätig.

Schutz von Umwelt, Mitarbeitern und Nachbarn soll ständig verbessert werden

Gemäß der Initiative Responsible Care – „Verantwortlichem Handeln“ – arbeitet der Standort beständig weiter an der Entlastung der Umwelt, sagte Wolfgang Semmler, verantwortlich für Umwelt und Sicherheit in Nünchritz. „Das Werk ist nur mit einem marginalen Beitrag an der Luftbelastung von Nünchritz beteiligt“, sagte Wolfgang Semmler und sprach von jeweils wenigen Prozent zum Beispiel beim Stickstoffdioxid. Zudem habe es in den vergangenen zwölf Monaten keine Ereignisse mit Auswirkungen auf die Umgebung gegeben, fünf meldepflichtige Arbeitsunfälle wurden im Werk registriert: darunter eine Daumenquetschung und ein Fahrradunfall. Ein Stromausfall konnte durch die Notsysteme zwar mit großem Aufwand, aber dennoch „wunderbar“ kompensiert werden.