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Wackers neuer Sicherheitschef

Jörg Lindemann ist im Chemiewerk für Umwelt und Sicherheit verantwortlich. Mit der SZ sprach er über den Job und seine Liebe zur Region.

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Jörg Lindemann sitzt entspannt am Ende des großen Tisches im Konferenzraum quasi direkt neben seinem neuen Büro. Er trinkt ausnahmsweise eine Tasse Kaffee mit etwas Milch, isst einen Keks. Seit Anfang 2015 ist er Leiter für Umwelt und Sicherheit am Standort Nünchritz der Wacker Chemie AG und damit verantwortlich für etwa 1 500 Mitarbeiter und ein 1,3 Quadratkilometer großes Werksgelände. Abluft, Abfälle, Altlasten, Abwasser, technische Revisionen, Feuerwehr und Katastrophenschutz, Werksicherheit, integriertes Managementsystem, Arbeits- und Anlagenschutz – all diese Themen landen auf seinem Schreibtisch.

Herr Dr. Lindemann, reichen für all die Aufgaben 24 Stunden am Tag aus?

Das ist vor allem eine Frage der Organisation.

Und wie schaffen Sie den Ausgleich?

Früher bin ich viel geschwommen, jetzt stelle ich mich abends auf den Crosstrainer, um fit zu bleiben. Am Wochenende bin ich dann ganz für die Familie da.

Als gebürtigen Berliner hat es Sie aufs Land verschlagen. Wie finden Sie’s?

Das Elbland ist eine schöne Kombination aus Naherholung und schöner Landschaft. Weinberge und Elbe sind toll zum Radfahren und Spazierengehen. Ich mache gern Ausflüge ins Elbsandsteingebirge, durch die Altstadt von Meißen oder die Porzellanmanufaktur. Leipzig und Dresden sind nicht weit, zuletzt war ich mit meiner Familie auf der Buchmesse. Da habe ich Günther Grass bei seinem letzten Interview erlebt.

Wie schätzen sie das Nünchritzer Wacker-Werk ein?

Der Industriestandort Nünchritz hat eine sehr lange Geschichte. Die Siliconchemie hat hier ihre Wurzeln. Heute ist Nünchritz der größte Chemie-Standort in Sachsen und das zweitgrößte Werk im Wacker-Verbund. Moderne Chemieanlagen mit höchsten Sicherheits- und Umweltstandards prägen das Bild. Wir haben sehr gut ausgebildete, engagierte Mitarbeiter. Ich arbeite gern hier.

Seit wann kennen sie den Standort?

Nach Nünchritz bin ich das erste Mal im Jahr 2003 gekommen. 2004 und 2005 habe ich hier am Standort im Rahmen der ersten großen Investition die Struktur für die Abwasserreinigung geplant, gebaut und mit in Betrieb genommen. Ende 2010 bin ich zur Inbetriebnahme der Polysilizium-Anlagen zurückgekehrt und war dann verantwortlich für die technische Betreuung dieser Anlagen. Leiter Umwelt und Sicherheit bin ich seit Anfang 2015.

Ihr Vorgänger Wolfgang Semmler, der im Vorjahr plötzlich verstarb, war 15 Jahre lang eines der Gesichter des Werkes. Was haben Sie an ihm besonders geschätzt?

Er war sehr authentisch, hatte immer ein offenes Ohr und fand klare Worte. Damit kann ich mich identifizieren, das werde ich fortführen.

Mit Wolfgang Semmler und dem Leiter der Kläranlage Klaus Böttcher haben Sie 2008 sogar ein Patent angemeldet. Worum ging es dabei?

Abwasserbestandteile, die nicht so leicht abgebaut werden können, werden durch diese Methode mineralisiert. Vereinfacht gesagt, wird es so sauberer. Diese Oxidationsanlage ist in Nünchritz Anfang 2006 in Betrieb gegangen.

Wo setzen Sie jetzt Ihre Schwerpunkte?

Mir ist wichtig, dass wir im Bereich Arbeitssicherheit noch besser werden. Dafür werde ich die Eigenverantwortung der Mitarbeiter weiter stärken. Außerdem halte ich es für wichtig, das Arbeitsumfeld rechtzeitig auch auf die nachwachsende Generation auszurichten. Man braucht dafür sicher einen langen Atem, aber den habe ich. Ich lege viel Wert auf den persönlichen Austausch, auf Kommunikation – mit meinen Mitarbeitern genauso wie mit Behörden und anderen Wacker-Standorten. Das ist essenziell für eine gute Zusammenarbeit, und die liegt mir sehr am Herzen.

Das Gespräch führte Antje Steglich.