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Wärme für ein ganzes Wohngebiet

Ein Blockheizkraftwerk soll tausend Menschen auf dem Sebnitzer Knöchel versorgen. Ein bislang einzigartiges Projekt.

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Von Thomas Möckel

Auf dem Weg zum geplanten neuen Fernwärmenetz für das Wohngebiet „Am Knöchel“ in Sebnitz sind jetzt gravierende Hürden überwunden worden. Das Netz soll künftig von einer Wärmeerzeugungsgesellschaft betrieben werden. Da aber zwei der Gesellschafter – in Sebnitz ansässige Wohnungsunternehmen – wegen ihrer Altschulden finanzielle Sanierungsfälle sind, mussten zunächst die Gläubigerbanken überzeugt werden, dem Projekt zuzustimmen. Nach Informationen der Stadt sind die beteiligten Geldinstitute nach umfangreichen Verhandlungen einverstanden, dass sowohl die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) als auch die Wohnungsbaugesellschaft Sebnitz (Wobau) Gesellschafter einer solchen Betreibergesellschaft werden können. Mittlerweile hat auch der Sebnitzer Stadtrat beschlossen, dass die Stadt Sebnitz Gesellschafter dieser GmbH wird.

Laut Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) kann nach Gründung dieser Gesellschaft in Kürze die Phase beginnen, Fördermittel für das Fernwärme-Projekt zu beantragen. „Ich hoffe, dass dieses Verfahren bis Mitte 2013 abgeschlossen ist und die Zuschüsse bewilligt sind. Danach kann es sofort losgehen“, sagt Ruckh. Ausgeschrieben und vergeben war der Auftrag bereits. Demnach wird die Siemens AG das Blockheizkraftwerk, das einmal das Wohngebiet mit Wärme versorgen soll, errichten.

Das bislang einzigartige Projekt geht auf eine Idee der Stadt von 2009 zurück, nach Möglichkeiten zu suchen, verschiedene Gebiete und Gebäude in Sebnitz kostengünstiger und umweltschonend zu beheizen. Das Wohngebiet am Knöchel galt von Beginn an als ideal für ein solches Vorhaben, da es einen festen und gesicherten Mieterbestand gibt und bei Wohnungssuchenden häufig erster Anlaufpunkt ist. Eine Untersuchung, in die auch die Energieversorgung Sachsen Ost (Enso) sowie die TU Dresden involviert waren, bescheinigte zudem, dass es am Knöchel grundsätzlich möglich und für die Nutzer kostengünstig sei, eine zentrale Wärmeversorgung zu schaffen.

Laut dem Projekt soll das Blockheizkraftwerk an der Mittelschule „Am Knöchel“ entstehen. Betrieben wird es mit auf Erdgasqualität aufbereitetem Biogas, in abnahmeschwächeren Zeiten sichern Holzpellets den Betrieb ab. So soll das Vorhaben unabhängig von den üblichen Öl- und Gaspreisen laufen. Vorgesehen ist, rund 600 Wohnungen an das zentrale Netz anzuschließen.

Aufgrund der neuen Variante sollen die Kosten für Heizung und Warmwasser auf Dauer niedrig und stabil bleiben. Laut Experten wird der Start der neuen Technik für die Mieter nicht teurer als der bisherige Preis. Zudem reduziert sich mit dem neuen Kraftwerk der Kohlendioxid-Ausstoß enorm.

Die Anlage kostet alles in allem rund 3,4 Millionen Euro und soll mit Fördergeldern von Bund und Land bezuschusst werden.