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Waffen-Schmuggler nun vor Gericht

Zum Prozessauftakt im Zusammenhang mit dem Waffenfund am Dresdner Hauptbahnhof haben die beiden Angeklagten jetzt ausgesagt.

Am 18. Februar wurde die Fracht von der Bundespolizei entdeckt.
Am 18. Februar wurde die Fracht von der Bundespolizei entdeckt. © Christian Essler/dpa

Eine Kette verschiedener Zufälle führte dazu, dass die Bundespolizei am 18. Februar dieses Jahres vor dem Dresdner Hauptbahnhof einer Bande von Waffenschmuggler auf die Schliche kam. 

Seit Mittwoch müssen sich zwei Angeklagte im Alter von 28 und 17 Jahren vor dem Landgericht Dresden wegen Einfuhr von Kriegswaffen und anderen Taten verantworten. In dem Mercedes ML 320 waren 95 Handgranaten, vier Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow, sieben Pistolen, ein Revolver und reichlich 230 Schuss Munition professionell verbaut worden. Wohin die Lieferung gehen sollte, ist bis heute unklar.

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Die beiden Angeklagten waren am 17. Februar in Tuzla, Bosnien-Herzegowina, losgefahren. Über Ungarn und die Tschechische Republik reisten sich am folgenden Vormittag ins Bundesgebiet ein. Doch die Männer waren abgebrannt. Die 250 Euro, die ihnen die Auftraggeber angeblich für Benzin und Verpflegung mitgegeben hatten, waren aufgebraucht. Also seien sie zum Dresdner Hauptbahnhof gefahren, um sich dort per Western Union Geld überweisen zu lassen. Sie parkten entgegen der Fahrtrichtung - und machten so eine Streife der Bundespolizei auf sich aufmerksam. 

Das hochwertige Auto schien offensichtlich nicht zu den beiden Insassen zu passen. Also entschlossen sich die Beamten zu einer Kontrolle. Dabei fanden sie heraus, dass die Männer abgebrannt waren und auch keine Aufenthaltserlaubnis hatten. Zudem war nach dem Älteren schon mehrfach wegen Betruges international gefahndet worden. Also schauten sich die Beamten das ungleiche Paar genauer an. Fragte nach den Überweisungen und bekamen so Hinweise auf die angefragten Geldgeber. Ein Mann aus Belgien war darunter, der ebenfalls polizeibekannt war - wegen Drogengeschichten. Also entschlossen sich die Beamten, das Auto auch nach Betäubungsmitteln zu durchsuchen. 

Das machten die Kollegen vom Zoll mit der Unterstützung eines Drogenspürhundes. Der Hund schlug auf dem Beifahrersitz an, wo der 17-Jährige gesessen hatte. Bei ihm wurden 3,6 Gramm Canabis gefunden. Doch der Hund hatte auch im Kofferraum leicht angeschlagen, dort müssen sich auch einmal Drogen befunden haben. Also suchten die Beamten weiter und stießen auf die Handgranaten, die professionell in Hohlräumen versteckt waren.

So war es nach den Schilderungen der Angeklagten und der ersten Polizeibeamten zu dem spektakulären Fund gekommen. Das gesamte Arsenal haben schließlich Beamte im Landeskriminalamt aus dem Mercedes geborgen. Die Jugendkammer des Landgerichts Dresden hat vorerst vier Sitzungstage geplant. 

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17 Handgranaten fand die Polizei im Februar im Auto von zwei Bosniern. Sie hatten aber noch viel mehr Waffen dabei. 

Zum Auftakt haben sich die Angeklagten, die seit dem 18. Februar in Untersuchungshaft sitzen, weitgehend eingeräumt. Der 17-Jährige sagte, er habe keine Kenntnis von der Fracht gehabt, sich aber denken können, dass sie nicht koscher ist. Der 28-Jährige sagte, er habe nicht gewusst, welche Art und wie viele Waffen in dem Mercedes verbaut worden waren. Ziel der Reise seien die Niederlande gewesen. Namen von Hintermännern nannte er nicht. Das Gericht hatte dem älteren Angeklagten zuvor in einem Rechtsgespräch eine Strafe von etwa vier Jahren angeboten und den jüngeren eine Jugendstrafe von sechs bis neun Monaten.

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