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Wagenbauer legen los

Die Vorbereitung auf den Rosenmontagsumzug läuft.

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Die Dörgenhausener beim Vortrag vorige Woche im Schützenhaus Wittichenau.
Die Dörgenhausener beim Vortrag vorige Woche im Schützenhaus Wittichenau. © Foto: Hagen Linke

Von Hagen Linke

Aschermittwoch? Da ist doch noch lange hin! Sieben Wochen sind es noch. Viele Faschingsfans in und um Wittichenau denken aber noch lange nicht daran, sondern bereiten sich auf den Höhepunkt der Fünften Jahreszeit vor – den Rosenmontag am 4. März. Es ist eine schöne Tradition des Wittichenauer Karnevalsvereins, Anfang Januar die Wagenbauer einzuladen. Denn: Hoch oben auf ihren Gefährten sehen sie vom bunten Treiben des Umzuges nicht so viel vom Trubel. Deshalb gab es kürzlich im Wittichenauer Schützenhaus wieder einen Rückblick mit vielen, vielen Fotos. „Für uns ist es ein Dankeschön an euch“, sagte Kappenbruder Uwe Brückner. „Schön, dass ihr so treu zur Stange haltet.“ Gemeinsam mit Gerold Kochta, der im Vorjahr als Ex-Prinz im Umzug mitfuhr, ließ er den Umzug noch einmal Revue passieren. Beide sorgten wieder für viele Lacher. Die Stadtbrauerei sponserte zwei Fässer Bier, Vereinspräsident Mathias Glaab auch eins, ebenso wie Bürgermeister Markus Posch.

21 Wagen waren es, die voriges Jahr durch Wittichenau rollten, dazu noch etwa 70 Fußgruppen. Viel mehr Platz ist nicht in den engen Gassen der Kleinstadt. Viele Frauen, die schon zwei Tage vorher beim Weiberfasching dabei waren, machen den Rosenmontag noch bunter. Dazu Tausende Besucher an der Strecke. Weil es eng und laut zugeht, spielt die Sicherheit eine große Rolle, sowohl auf und an den Wagen. Beim Lichtbildervortrag wird deshalb darauf genau hingewiesen. Die Räder der Wagen sollten so verkleidet werden, damit Kinder beim Versuch, Bonbons zu erhaschen nicht darunter geraten. Mitlaufende „Wagenengel“ passen zusätzlich auf. Der Ausstieg sollte nicht zwischen Zugmaschine und Anhänger sein, und so ein Wagen muss bei aller Kreativität auch noch verkehrssicher bleiben. Und, erneuter Hinweis, bei aller Liebe zur Party: Nach dem Umzug Lautstärke runter in der Hoyerswerdaer Straße!

Zum 32. Mal waren die „Smarties“ aus Wittichenau im Vorjahr mit einem Wagen beim Rosenmontagsumzug. Eigentlich waren es sogar drei. Vorneweg fuhren wieder Kinder der Clubmitglieder, wie schon seit vielen Jahren. Man habe einst überlegt, den Nachwuchs am Rosenmontag zu „verkaufen“ oder mitzunehmen, berichtet Magnus Mickel. „So haben wir sie in Betreuung.“ Der große Wagen wurde per Muskelkraft gezogen. Zum 12. Mal bereits. 2018 waren die Smarties auf Safari, mit viel Action auf dem Gefährt. Die richtige Mischung macht den „perfekten“ Wagen aus, sagt Mickel. „Optik, Sprüche, Interaktionen und dezente Musik.“ Und so hieß es im vergangenen Februar auf dem Landrover auch: „Der Panther brüllt, der Smartie schießt. Erledigt das Schwarz-Weiße Biest.“ Ein Handwagen fuhr im Vorjahr als „1. Panther-Gedächtniswagen“ hinter den beiden anderen Smarties-Gefährten. Die „Schwarz-Weißen Panther“ bauen nicht mehr, viele Jahre waren die Wagenbauer Seite an Seite in einer Halle der MKH Agrar-Produkte GmbH. Das Thema der „Smarties“ für 2019 steht schon. Gefunden wurde es im November bei einem lustigen Glühwein-Abend-Ritual. Manchmal wird verbissen darum gerungen, erklärt Magnus Mickel. „Diesmal ging die Themenfindung schnell.“

So wie die Smarties sind viele Wagenbauer über Jahrzehnte dabei. Die Jugend Kotten war mit ihrem „Kottenkopter“ zum 26. Mal dabei, die Crazy-Crew aus Saalau zum 32. Mal, der Billard-Club Dubring mit dem 37. Wagen aus dem Dorf. Thematisch ging es um große Themen wie Trump, Kohleausstieg oder Gesundheit. Aber auch lokale Dinge bieten immer wieder Anlass zum Spott, bis hin zum Seitenhieb aufs Nachbardorf.

„Es ist immer wieder schön, zu hören, wie die Sprüche ankommen“, sagt Wagenbauer Bernd Graf aus Dörgenhausen. Seit Anfang des Jahres steht das Motto für den schon 40. Umzugswagen. So viel sei verraten: Es wird kein lokales Thema sein. Mit dem Bauen lässt man sich Zeit. Da rund 20 bis 25 Mitstreiter werkeln, geht’s erst drei Wochen vor Rosenmontag los.

Die Umzugskommission des Karnevalsvereins wird sich am Wochenende zuvor wieder auf den Weg machen, um die Schmuckstücke zu kontrollieren, am Samstag in der Stadt, am Sonntag in den Dörfern. Und dann entstehen auch wieder die Gruppenfotos, die jede Wagenbauermannschaft ein knappes Jahr später gerahmt beim Lichtbildervortrag bekommt.

Der Umzug selbst beginnt am Rosenmontag um 13.30 Uhr, und die vielen Zuschauer dürfen sich sicher wieder auf Außergewöhnliches freuen, ist sich Roland Exner von den Smarties sicher. „Die Qualität ist über Jahre hinweg gestiegen“, schätzte der Prinz der 306. Karnevalssaison vor sieben Jahren die Lage ein.