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Wagner witzig und erotisch

Peter Klier nähert sich dem Meister und dessen Werk mit ungewöhnlichen Bildern. Das Jagdschloss Graupa zeigt seine Karikaturen.

Von Thomas Morgenroth

Zu dir, Frau Venus, kehr ich wieder, in deiner Zauber holde Nacht; zu deinem Hof steig ich darnieder, wo nun dein Reiz mir ewig lacht!“ Mit einem Blumenstrauß und einer goldenen Leier wedelnd, steht ein Mann mit Brille und in einem violetten Gewand vor einem Frauengebirge in Untersicht und singt voller Inbrunst sein Lied. Es handelt sich um Tannhäuser, der zu seiner „süßen Göttin“ zurückwill, weil ihm der Papst in Rom die Absolution verweigert hat. Der Weg hinein in den Venusberg mit den zwei Brust-Gipfeln führt geradewegs durch die lustvoll gespreizten Schenkel der kopflosen Schönen, wobei nur Tannhäuser allein den Blick in die Pforte der Sinnlichkeit genießen kann, dem Zuschauer ist sie von dem singenden Ritter verstellt.

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Es soll ja auch nicht pornografisch werden. Hocherotisch und fantasieanregend aber ist die Illustration von Peter Klier zu Richard Wagners romantischer Oper „Tannhäuser“ ohne Zweifel. Die Karikatur, die der 75-Jährige erst in diesen Tagen fertigstellte, ist jetzt neben weiteren Bildern Kliers im Jagdschloss Graupa zu besichtigen. Die Wagner-Stätten der Stadt Pirna zeigen rund dreißig launige Blätter, zu denen sich der Künstler vom musikdramatischen Schaffen des Meisters anregen ließ. Angefangen von dessen ersten Opern, dem „Liebesverbot“ und den „Feen“, bis hin zum „Ring“ und dem „Parsifal.“

Klier, pensionierter Lehrer für Wirtschaftswissenschaften und Schulleiter aus Mellrichstadt in Franken, nähert sich den oft schweren Werken Wagners leichtfüßig mit Humor, Witz und Ironie, gern gewürzt mit einem gehörigen Schuss Erotik. Blanke Busen und nackte Hintern gehören für Klier zum Beispiel zum „Rheingold“, als Alberich, mit nicht viel mehr als einer Taucherbrille bekleidet, den ebenso freizügigen Rheintöchtern das Gold klaut; zu den „Meistersingern von Nürnberg“, wenn Hans Sachs seinen heimlichen „Morgentraum“ träumt; zu „Tristan und Isolde“ natürlich und, mit einem fröhlichen Augenzwinkern, zu „Lohengrin“: „Vielleicht war die Brautnacht von Lohengrin und Elsa deshalb so erfolglos, weil der Schwan immer dabei war?“, fragt Klier im Bildtext.

Freilich wäre es zu kurz gesprungen, Kliers Bilder zu Wagner auf die erotische Komponente zu reduzieren. Er befasst sich auch auf anderer Weise mit dem Komponisten und seinen Protagonisten, hebt ihn etwa auf den Goethe-Schiller-Sockel in Weimar und schreibt provokant darunter: „Richard Wagner neben zwei anderen, weniger bekannten deutschen Geistesgrößen.“ Dann schmuggelt er den steckbrieflich gesuchten Wagner als goldenen Ritter auf dem Schwan reitend zur Uraufführung seines „Lohengrin“ in Weimar. Macht aus dem „Fliegenden Holländer“ genau das: einen über der Erde segelnden Seemann. Und lässt Wagner mit Cosima als Tristan und Isolde im Weltall schaukeln, mit Cosimas erstem Ehemann Hans von Bülow als König Marke, „der nicht loslassen kann, wie moderne Psychologen sagen würden“.

Ritterschlag in Bayreuth

Peter Klier, der sich bereits mit zwölf Jahren mit dem Wagner-Virus infizierte, befasst sich also im Grunde schon zeitlebens mit klassischer Musik, insbesondere Opern. Der Pädagoge mit Gesangs- und Kunstausbildung zeichnet und malt, er schreibt, verfasst Bücher und gibt seit vierzig Jahren die Zeitschrift „Der Opernfreund“ heraus. Hin und wieder singt er auch, jedoch nur in seinem Wohnzimmer, und dann am liebsten Partien aus dem „Lohengrin“, dem Wagner 1846 in Graupa seine ersten Konturen verlieh. Dort ist Klier vergangenes Wochenende anlässlich der Eröffnung seiner Ausstellung das erste Mal gewesen. Und er war begeistert.

Seinen Ritterschlag in Sachen Wagner bekam Peter Klier allerdings bereits vor sechs Jahren in Bayreuth, als er während der Festspiele seine Karikaturen in der Villa Wahnfried zeigen durfte. Seitdem ist er bei Wagnerianern in aller Munde, auch, weil nicht allen Kliers lockerer Umgang mit dem gewichtigen musikalischen Erbe gefällt.

Aber damit kann der Künstler gut leben. Zumal ja Wagner nur eine Facette seines zeichnerischen Schaffens ist. Ein Bestseller ist zum Beispiel sein heiterer Opernführer „Im dritten Akt sind alle tot“, in dem er 133 Opern jeweils mit einem vierzeiligen Gedicht und einer einzigen Karikatur erklärt.

Klier widmete sich auch bereits den Komponisten Verdi und Mozart, außerdem dem Leben und Werk des Schriftstellers Karl May in „Da lacht sogar Winnetou“ und „Old Kara ben Winnetou“. Derzeit arbeitet Klier an seinem gewichtigsten Werk – an einem Zyklus zur Bibel. „Wenn der fertig ist, werde ich wohl aus Bayern ausgewiesen“, sagt er und lacht. An ein- und zweideutigen Textstellen mangelt es ja im Buch der Bücher nicht. Wir dürfen also gespannt sein, was Peter Klier daraus macht.

Bis 27. Juli im Jagdschloss Graupa, Di-Fr 11-17 Uhr,
Sa/So und an Feiertagen 10-18 Uhr, 03501 4619650.