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Radebeul

Wahl-O-Mat für Lärmgeplagte

Die lauten Güterzüge spielen im Wahlkampf keine Rolle. Dabei sind davon Zehntausende im Elbtal betroffen. Für die gibt es eine Entscheidungshilfe.

Nach 28 Klicks verrät der Bahn-O-Mat, mit welcher Partei es die meisten Übereinstimmungen gab.
Nach 28 Klicks verrät der Bahn-O-Mat, mit welcher Partei es die meisten Übereinstimmungen gab. ©  Anne Hübschmann

Coswig/Radebeul. Inspiriert vom Wahl-O-Mat hat die Bürgerinitiative (BI) Bahnemission-Elbtal aus Coswig den Bahn-O-Mat entwickelt. Der kommt nun zum dritten Mal zum Einsatz. Bis zur Landtagswahl am 1. September wird er online sein und soll Betroffenen helfen, sich gezielt und einfach zu informieren, welche Parteien in der nächsten Legislaturperiode etwas gegen laute Güterzüge unternehmen wollen.

Unter www.bahn-o-mat.de können die Nutzer ihre eigenen Positionen zum Bahnlärm durch Güterzüge mit denen der Parteien abgleichen. Dazu müssen per Mausklick 28 Thesen jeweils mit „Stimme zu“, „Egal/weiß nicht“ oder „Stimme nicht zu“ beantwortet werden. 

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Der gesamte Durchlauf dauert rund drei Minuten. Im Hintergrund analysiert das Programm, mit welcher Partei die Übereinstimmung am größten ist. Alle zur Wahl stehenden Parteien haben sich im Vorfeld selbst zu den Aussagen positioniert. Dabei geht es unter anderen darum, ob die Lärmgrenzwerte heruntergesetzt werden, ob Hauseigentümer die Kosten für passiven Lärmschutz erstattet bekommen sollten oder die Bußgelder, die für laute Züge laut Schienenlärmgesetz ab 2021 fällig werden können.

„In den Wahlprogrammen der Parteien spielt das Thema Bahnlärm eine sehr untergeordnete Rolle“, sagt BI-Vorstand Michael Krebs. Bei manchen kommt der Lärm gar nicht vor, andere widmen dem Thema eine ganze Seite. „Es ist ein Nischenthema und gibt natürlich wichtigere Dinge, um die sich die Politik kümmern muss“, sagt Marco Kunze vom BI-Vorstand. 

Allerdings seien Zehntausende vom Schienenlärm in Sachsen betroffen. Allein in Coswig sind es 6.000, in Weinböhla mindestens 1.000. Die offiziellen Zahlen gehen im Freistaat von bis zu 40.000 Lärmgeplagten aus. „Ich schätze, es sind bis zu 70.000“, so Marco Kunze. Denn der Lärm ziehe sich nicht nur durch das gesamte Elbtal mit Dresden, sondern auch durch den Norden von Leipzig, Delitzsch und Markranstädt.

Aber kann die Landespolitik daran überhaupt etwas ändern? Marco Kunze sagt, die Landespolitiker werden als Unterstützer gebraucht. Sie können das Thema über den Bundesrat oder die Umweltministerkonferenz auf eine höhere Ebene bringen. „Je mehr Leute sich beteiligen, desto größeren Eindruck macht es auf die Politik“, verdeutlicht Michael Krebs. „Eine hohe Beteiligung zeigt ganz deutlich, wie dringlich das Thema für die Bevölkerung ist.“ Das Votum der Bürger will die Bürgerinitiative nach der Wahl den Mitgliedern des neuen Landtages übergeben.

„Es ist uns dieses Mal gut gelungen, die Unterschiede bei den Parteien herauszuarbeiten“, sagt Marco Kunze. Seine Premiere erlebte der Bahn-O-Mat 2014 zur sächsischen Landtagswahl mit einer Bilanz von 3.000 Nutzern. Im Vorfeld der Bundestageswahl 2017 ging er erneut online. Damals nahmen reichlich 12.500 Personen das interaktive Onlineportal in Anspruch.

Sich durch den Bahn-O-Mat zu klicken, ist jederzeit und kostenfrei möglich. „Ein Angebot von Bürgern für Bürger“, so Michael Krebs. Realisieren kann die BI das Projekt dank einer Förderung im Rahmen des Programms „Demokratie leben“.

Die Initiative wurde 2011 gegründet und zählt aktuell 167 Mitglieder sowie 20 weitere ehrenamtliche Unterstützer. Der Verein macht ausdrücklich nicht gegen die Bahn und deren Schienenverkehr mobil, sondern tritt für eine leise Bahn ein, mit allen erforderlichen Maßnahmen. 

Die BI arbeitet stetig daran, Kontakt zwischen Bürgern, Politikern und Bahn-Vertretern herzustellen. „Durch freundliche Beharrlichkeit möchten wir für alle Betroffenen im Elbtal spürbare Verbesserungen erreichen“, so Michael Krebs. Erste Erfolge gibt es bereits. Dank der BI hat die Deutsche Bahn die Machbarkeitsuntersuchung auf Coswig und Weinböhla erweitert und wurden die Gelder für das freiwillige Lärmsanierungsprogramm aufgestockt.

www.bahn-o-mat.de

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