merken
PLUS Landtagswahl 2019

Wahlforum: Die wichtigsten Aussagen der Kandidaten

In Dresden debattierten die Landtagswahl-Kandidaten über Bildung, Sicherheit und den ländlichen Raum. Was sie gesagt haben und wer sich am besten präsentierte.

Am Mittwoch trafen die Spitzenkandidaten der sechs aussichtsreichsten Parteien zur Landtagswahl im Dresdner Kongresszentrum aufeinander.
Am Mittwoch trafen die Spitzenkandidaten der sechs aussichtsreichsten Parteien zur Landtagswahl im Dresdner Kongresszentrum aufeinander. © Jürgen Lösel

Sechs Spitzenkandidaten zur Landtagswahl am 1. September diskutierten beim Wahlforum über Bildung, innere Sicherheit und den ländlichen Raum. Das sind ihre wichtigsten Aussagen. Außerdem bewertete Mimik-Experte Robert Körner, wie sich die Kandidaten körpersprachlich präsentiert haben.

Michael Kretschmer (CDU):

Michael Kretschmer, 44, ist Ministerpräsident und Sachsens CDU-Chef.
Michael Kretschmer, 44, ist Ministerpräsident und Sachsens CDU-Chef. © kairospress

BILDUNG

Der CDU-Chef verweist auf Millioneninvestitionen in Schulen in Großstädten, die der Landtag beschlossen hat. „Sächsische Schüler sollen beste Bedingungen haben.“ Michael Kretschmer ist gegen die Einführung einer Gemeinschaftsschule, er verteidigt Sachsens Schulsystem als deutschlandweit spitze. Er befürwortet eine Weiterentwicklung, allerdings mit „Dingen, die wirklich wichtig sind“: mehr Lehrer, die Verbesserung der Qualität in den Kitas und Schulsozialarbeiter.

INNERE SICHERHEIT

Michael Kretschmer will mehr Polizei, eine bessere Ausstattung, ein modernes Polizeigesetz, Vertrauen in die Beamten, mehr Patrouillen an der Grenze. Bagatelldelikte sollen bis zu Ende ermittelt werden. Die Kriminalitätsentwicklung sei rückläufig, aber es gebe einige wenige Schwerpunkte in Großstädten und an der Grenze. „Wenn 1.000 Polizisten mehr nicht reichen, dann werden wir genau so viele einstellen, wie wir brauchen, damit dieses Land so sicher ist, wie wir uns das wünschen.“

LÄNDLICHER RAUM

Kretschmer will einen „Daseins-Check“ für den ländlichen Raum einführen. Geprüft werden soll die maximale Entfernung zu Arzt, Laden, Post und Bank, um dann bei „weißen Flecken“ gegenzusteuern. Zu seiner Heimat sagt Kretschmer: „Die Lausitz stirbt nicht aus.“ Er verteidigt den Braunkohleausstieg, verweist auf hart erkämpfte 40 Milliarden Euro für den Strukturwandel. Landärzte sollen in Krankenhäusern mit festen Arbeitszeiten angestellt werden und in Praxen arbeiten.

1 / 3

Das sagt der Mimik-Experte: "Unter allen Kandidaten war er der Vielfältigste in seiner Körpersprache. Mal entschieden, mal besonnen, andernorts wieder empathisch und nicht zuletzt motivierend. Er ist authentisch, schlagfertig und lebendig – eine charakterliche Kombination, die es schafft, verschiedenste Persönlichkeitstypen zu erreichen."

Anzeige
Musik: eXtraHERb! Und dazu ein Bier
Musik: eXtraHERb! Und dazu ein Bier

Es wird herb im Bürgergarten - eXtraHERB. Am 8.8. treten vier Döbelner Vollblutmusiker auf und begeistern mit Rock, Blues und Soul. Der Eintritt ist frei.

Katja Meier (Bündnis 90/Die Grünen):

Katja Meier, 39, tritt für Bündnis 90/Die Grünen zur Landtagswahl an.
Katja Meier, 39, tritt für Bündnis 90/Die Grünen zur Landtagswahl an. © Thomas Kretschel/kairospress

BILDUNG

Katja Meier spricht sich für längeres, gemeinsames Lernen aus. „Es geht nicht darum, alles über den Haufen zu werfen, sondern den Schulen zu ermöglichen, eine Gemeinschaftsschule zu werden.“ Sie fordert einen besseren Betreuungsschlüssel in den Kitas. Lehrer und Erzieher sollten besser bezahlt werden. Freie Schulen würden zur Vielfalt der Bildung in Sachsen beitragen und müssten die gleiche Finanzierung wie staatliche Schulen bekommen. Außerdem brauche Sachsen ein Bildungsfreistellungsgesetz.

INNERE SICHERHEIT

„Wir brauchen in Orten mit 10.000 Einwohnern eine rund um die Uhr besetzte Polizeistation, damit Polizei vor Ort sichtbar und ansprechbar ist“, sagt Meier. Das neue Polizeigesetz mit Videoüberwachung sei ein massiver Eingriff in Bürgerrechte. Die Grüne-Spitzenkandidatin will mehr Justizpersonal, Resozialisierung in Gefängnissen, eine Sozialpolitik, die Straftaten im Bagatellbereich verhindert. „Das größte Sicherheitsproblem in diesem Land ist der Rechtsextremismus, und dagegen müssen wir vorgehen.“

LÄNDLICHER RAUM

Meier spricht neben der Infrastruktur auf dem Land auch das Thema Weltoffenheit an: „Kommt man da gerne hin?“ Beides sei wichtig für die Attraktivität einer Region. Sie betont: „Wir brauchen einen gut ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr.“ Und ergänzt: „Die Zeiten sind vorbei, in denen wir in Leuchttürme investieren.“ Klimaschutz sei „Power“ für den Mittelstand. Zur Lausitz sagt Meier: „Die Region sollte zu einer Energieregion werden mit sauberer Energie.“

1 / 3

Das sagt der Mimik-Experte: "Selbst, wenn sie keinen Gesichtsmuskel anspannt, wirkt sie ein bisschen verbissen. Ihr Konterfei spiegelt den Eindruck, dass sie sich andauernd ärgere, fokussiere und konzentriere. Mit mehr Expressionen der Freude hätte sie diesem Eindruck entgegenwirken können, worauf sie allerdings verzichtete."

Jörg Urban (AfD):

Sachsens AfD-Chef Jörg Urban, 55, ist der Spitzenkandidat der Partei.
Sachsens AfD-Chef Jörg Urban, 55, ist der Spitzenkandidat der Partei. © kairospress

BILDUNG

Jörg Urban sieht Sanierungsstau an Schulgebäuden hauptsächlich in den Großstädten. Für ihn reicht Geld alleine nicht aus, die Bauverwaltungen in den Kommunen müssten das auch leisten können. Die AfD will, dass die Kinder bis zur achten Klasse gemeinsam lernen, und so stärker zwischen Gymnasiasten und Oberschülern selektieren. „Damit auf das Gymnasium nur die gehen, die wirklich studierfähig sind“, sagt Jörg Urban. Flüchtlinge sollen in ihrer Heimatsprache unterrichtet werden.

INNERE SICHERHEIT

Jörg Urban will wieder Grenzkontrollen einführen. Die Polizei müsse aufgebaut werden. Unternehmern im grenznahen Raum solle finanziell unter die Arme gegriffen werden, damit sie zusätzliche Sicherungsmaßnahmen mit Blick auf Grenzkriminalität nicht selbst bezahlen müssen. Ermittlungsbehörden müssten gestärkt werden, Strafen müssten auf die Tat folgen. In vielen Deliktbereichen will Urban höhere Mindeststrafen. Asylbewerber will er abschieben, auch in nicht-sichere Herkunftsstaaten.

LÄNDLICHER RAUM

Der AfD-Spitzenkandidat verweist auf einen Mangel an gut bezahlten Jobs auf dem Land: „Wir müssen dort Unternehmen hinbringen.“ Der Ausbau der Infrastruktur solle daher auch auf Firmen ausgerichtet sein. Deren Angestellte benötigten kurze Wege zum Arzt, zur Kindertagesstätte und zum Einkaufen. Den Braunkohleausstieg bis 2038 sehe die AfD „sehr dramatisch“, betont Urban. Zudem beklagt er, dass Kommunen auf dem Land oft nicht das Geld hätten, um ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen.

1 / 3

Das sagt der Mimik-Experte: "Er präferiert Sachlichkeit, was sich in seiner nonverbalen Kommunikation spiegelt. Von allen Teilnehmern setzte Urban am wenigsten seinen Körper ein. Weder Mimik, noch Gestik signalisierten sonderliche emotionale Beteiligung. Vorteile der Präsenz liegen in der nüchternen Sachlichkeit, die er durch seine Unaufgeregtheit repräsentiert."

Holger Zastrow (FDP):

Mit Holger Zastrow, 50, will die FDP wieder in den Landtag einziehen.
Mit Holger Zastrow, 50, will die FDP wieder in den Landtag einziehen. © kairospress

BILDUNG

Auch Holger Zastrow hat Sympathie für längeres, gemeinsames Lernen. Für ihn ist das jedoch unrealistisch. Die Schulstruktur umzubauen, würde enorme Investitionen nach sich ziehen, sagt er und verweist auf die Stabilität des sächsischen Schulsystems. „Ich warne davor, daran herumzudoktern“, sagt Zastrow. Eine Aufstockung der Zahl der Studienplätze sei das richtige Mittel gegen den Lehrermangel. „Das ist auch unsere Schuld, wir haben zu spät umgestellt“, sagt der FDP-Spitzenkandidat.

INNERE SICHERHEIT

Zastrow fordert mehr Präsenz der Polizei. Der Rechtsstaat müsse wehrhaft sein. Beim neuen Polizeigesetz sei die FDP zerrissen, sagt er. Für Sicherheit und Freiheit gelte: Mittel wie Videoüberwachung dürfen nur sehr sensibel und sehr genau eingesetzt werden. „Pauschale Überwachung geht mit der FDP nicht.“ Kriminelle Asylbewerber müssten abgeschoben werden. Die Migrationsfrage müsse europäisch geklärt werden, man dürfe aber Italien, Griechenland und Spanien nicht allein lassen.

LÄNDLICHER RAUM

Der FDP-Landeschef fordert: „Wir müssen gerecht mit dem ländlichen Raum umgehen.“ Dorthin solle zumindest ein Bruchteil dessen fließen, was Leipzig und Dresden erhalten. In Dresden sollen, wie Zastrow kritisiert, Sozialwohnungen gebaut werden, obwohl im Umland Wohnungen leer stehen. Den Braunkohleausstieg hält seine Partei für falsch. Zastrow fordert zudem mehr Tempo beim Straßenbau. An die Regierung gewandt betont er: „Ich will die Leute mal kämpfen sehen.“

1 / 3

Das sagt der Mimik-Experte: "Zastrow schafft es mit viel körpersprachlicher Dynamik und kraftvollen Posen, Menschen an sich zu binden. Den selbstgewählten Titel des Machers nimmt man ihm ab. Er suchte am deutlichsten den Kontakt zum Publikum. Auffällig war, dass er von allen am häufigsten lächelte. Das gilt als ein Zeichen von Souveränität und Intelligenz."

Martin Dulig (SPD):

Wirtschaftsminister Martin Dulig, 45, ist auch Vorsitzender von Sachsens SPD.
Wirtschaftsminister Martin Dulig, 45, ist auch Vorsitzender von Sachsens SPD. © kairospress

BILDUNG

„Wir haben einen inneren und äußeren Sanierungsfall“, sagt Martin Dulig. Der Freistaat habe viel Geld in den Schulhausbau investiert. Die Frage sei, ob Schule in Sachsen die Schule des 21. Jahrhunderts ist. Dafür will er das jetzige System um eine Gemeinschaftsschule erweitern. „Das längere gemeinsame Lernen kommt“, ist sich Dulig sicher. Und damit eine andere Schul- und Lernkultur: Schule müsse nicht nur Wissen, sondern auch Kompetenzen vermitteln.

INNERE SICHERHEIT

Polizei muss sichtbar sein, und es müssen mehr Polizisten ausgebildet werden, fordert Dulig. Es gehe nicht nur um Ausstattung und Präsenz, sondern auch um Prävention und eine vernünftige Balance zwischen Freiheit und Sicherheit. Derzeit schiebe man die falschen Asylbewerber ab. „Gerade die gut integriert sind, sind auch die, bei denen Papiere da sind und man am schnellsten zugreift.“ Man müsse sich auch auf ein großes Ziel einigen: „Es darf niemand mehr im Mittelmeer absaufen.“

LÄNDLICHER RAUM

Der SPD-Wirtschaftsminister betont: „Wir brauchen den Anspruch, Tariflohnland zu werden.“ Zudem kündigt er an: „Wir werden mehr Busse und Bahnen fahren lassen.“ Dulig plädiert für eine S-Bahn bis Hoyerswerda. Zum Thema Internet auf dem Land verweist er auf die nun mögliche Höchstförderung für den Leitungsbau, es fehle aber an Kapazitäten bei Bauunternehmern. Der Vizeregierungschef nimmt allerdings auch die Telekommunikationsunternehmen in die Pflicht.

1 / 3

Das sagt der Mimik-Experte: "Ihm ist anzusehen, dass er Erfahrung hat, vor Menschen zu sprechen. Der Rücken ist durchgestreckt, die Füße etwas mehr als schulterbreit auf festem Stand. Er ist der Kandidat, der am wenigsten Stresssignale offenbart. Unterstrichen wird der Eindruck durch einen teils stechenden Blick und abwechslungsreiche Mimik. Dulig meint es ernst."

Rico Gebhardt (Die Linke):

Rico Gebhardt, 56, ist Spitzenkandidat der Linken und Oppositionsführer.
Rico Gebhardt, 56, ist Spitzenkandidat der Linken und Oppositionsführer. © kairospress

BILDUNG

Rico Gebhardt befürwortet die Einführung der Gemeinschaftsschule. „Da muss dann auch mal die CDU ihre Scheuklappen ablegen“, sagte er. Wenn in Sachsen 8,2 Prozent die Schule ohne Abschluss verlassen und bundesweit 6,2, könne im sächsischen Schulsystem nicht alles in Ordnung sein. Die Linke habe schon vor 12 Jahren auf den drohenden Lehrermangel hingewiesen, nichts sei passiert. Es sei kein Wunder, dass viele Lehrer abgewandert seien, sie seien schlecht bezahlt worden.

INNERE SICHERHEIT

Auch Gebhardt will mehr Polizeibeamte auf der Straße sehen. „Das wird erst passieren, wenn wir neue Reviere aufmachen“, sagt er. „Das Entscheidende ist, dass ich vor Ort einen Ansprechpartner habe, und nicht 60 Kilometer entfernt.“ Mit Blick auf den Stellenabbau bei der Polizei in der Vergangenheit sorgt sich Gebhardt, dass mit dem neuen Polizeigesetz auch noch die „Axt an die Freiheitsrechte der Bürger“ gelegt werde. Mit Überwachung Kriminalität verhindern zu wollen, sei Unsinn.

LÄNDLICHER RAUM

Als Einziger der Kandidaten merkt der Oppositionschef explizit an, dass nicht nur die Lausitz zum ländlichen Raum zählt. Auch Westsachsen stehe – Stichwort E-Mobilität – vor einem Strukturwandel. Für die Abwanderung hat der Linke eine Erklärung. Unter CDU-Führung seien zu viele Schulen geschlossen worden: „Wir brauchen wieder Schulen.“ Seine Partei will Läden auf Dörfern fördern – unter anderem sollen genossenschaftliche Strukturen unterstützt werden.

1 / 3

Das sagt der Mimik-Experte: "Er ist der Chef der Widerworte. Immer wieder platzen die Wortpatronen aus ihm heraus. Impulsiv und begleitet durch Beruhigungsgesten fällt er den Kandidaten und Moderatoren mit sichtlicher Freude ins Wort. Am Pult stehend lümmelt er mit einem Ellbogen liegend in bester Lausbubenmanier auf dem Tisch. Ein authentischer Mann."

Weiterführende Artikel

Welches Thema ist Ihnen zur Wahl wichtig?

Welches Thema ist Ihnen zur Wahl wichtig?

Im Podcast Drittelstunde reden wir mit Politikwissenschaftler Hendrik Träger über die Positionen sowie Chancen der Parteien und die Meinungen unserer Leser dazu.

Übrigens: Sie wollen immer gut über das politische Geschehen in Sachsen informiert sein? Dann abonnieren Sie doch den kostenlosen Newsletter „Politik in Sachsen“ von sächsische.de. Jeden Morgen um 5 Uhr erfahren Sie kurz und kompakt, was in und für Sachsen wichtig ist. Hier geht es zur Anmeldung.

Mehr zum Thema Landtagswahl 2019