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Görlitz

Wahlhelfer seit Jahrzehnten

„Verwaltungsknechte ticken anders“, sagt Andreas Schaaf. Auch am Sonntag ist er wieder im Einsatz. Es ist sein zweiter in diesem Superwahljahr.

Für Andreas Schaaf ist es selbstverständlich, ehrenamtlich tätig zu sein. In diesem Jahr arbeitet der Jauernick-Buschbacher in einem Görlitzer Wahllokal mit.
Für Andreas Schaaf ist es selbstverständlich, ehrenamtlich tätig zu sein. In diesem Jahr arbeitet der Jauernick-Buschbacher in einem Görlitzer Wahllokal mit. ©  Nikolai Schmidt

An diesem Sonntag drückt Andreas Schaaf die Schulbank. Freiwillig. Der 57-Jährige engagiert sich erneut als Wahlvorstand in einem Wahllokal – diesmal in der Diesterwegschule in Görlitz-Rauschwalde. Ein Klassenzimmer wird zum Wahlraum umgestaltet.

Der Angestellte der Stadtverwaltung Görlitz ist damit einer von insgesamt 432 Frauen und Männern in Görlitz, die am Sonntag mit dafür sorgen, dass die Landtagswahl in der Stadt durchgeführt werden kann. Für Andreas Schaaf ist die ehrenamtliche Tätigkeit als Wahlhelfer, offiziell sind es Wahlvorstände, nichts Neues. Seit den 1990er Jahren macht er das. „Wenn wir nicht im Urlaub sind oder gesundheitliche Gründe dagegen sprechen, bin ich dabei“, erzählt der Familienvater.

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Der Einsatz am Sonntag ist für ihn in diesem Jahr der zweite in einem Wahllokal. Bei der Stichwahl zur Wahl des Oberbürgermeisters war er verhindert. Dass der gebürtige Weimarer 2019 als Wahlhelfer in Görlitz zur Verfügung steht und nicht, wie so oft, in Jauernick-Buschbach, wo er seit mehr als 20 Jahren mit seiner Familie lebt, hat einen einfachen Grund: Erneut trat Andreas Schaaf am 26. Mai bei der Kommunalwahl für den Gemeinderat Markersdorf an. Und wurde wiedergewählt.

Gezählt hat der 57-Jährige die Einsätze als Wahlvorstand nicht. „Es sind viele“, sagt er. Warum? „Das hat einen einfachen Grund“, sagt er: Der Bürger hat nicht nur das Recht auf eine Wahl, sondern auch die Verantwortung dafür, dass sie stattfinden kann. Die Verwaltung allein könne das nicht bewerkstelligen. Denn die Mitarbeiter in den meisten Kommunalverwaltungen seien nicht in der Lage, den Bedarf an Wahlhelfern abzusichern. „Die Gemeinde Markersdorf beispielsweise hat 14 Mitarbeiter in der Verwaltung und sieben Wahllokale“, erklärt Andreas Schaaf. In Görlitz sind 36 Wahllokale und 18 Briefwahllokale mit je acht Personen im Wahlvorstand besetzt, informiert Stadtsprecherin Sylvia Otto. 253 städtische Bedienstete und 179 Bürger sind an diesem Sonntag im Einsatz.

Für Andreas Schaaf gehört es einfach dazu, an freien, demokratischen Wahlen mitzuwirken. Er wünscht sich, dass künftig mehr junge Menschen dafür Interesse zeigen und in den Wahllokalen mitarbeiten. Die Aufwandsentschädigung spielt für den 57-Jährigen keine Rolle, „ich weiß jetzt gar nicht auf Anhieb, wie groß die ist“, sagt er. Viel wichtiger ist es ihm, mit dafür zu sorgen, dass der Wahlvorgang korrekt abläuft. Für den sei es egal, in welchem Wahllokal er mitwirkt, „die Wahlabläufe sind immer gleich.“ Zunächst wird geprüft, ob der Wähler im Wahlverzeichnis steht. Ist das so, bekommt er seine Unterlagen und geht in die Kabine. „Das ist nötig, denn es ist ja eine geheime Wahl“, erklärt Schaaf. Vor allem bei älteren Leuten müsse man Fingerspitzengefühl haben. „Sie sind meist nicht so schnell, brauchen die Rücksicht anderer Wähler.“ Andreas Schaaf hat die Erfahrung gemacht, dass es von Vorteil ist, wenn sich die Wahlhelfer kennen. „Da ist der Umgang miteinander entspannter, aber trotzdem akkurat.“ Und jeder bringt was mit, Kuchen oder Schokolade zum Beispiel. Jeder Wahlhelfer ist nur den halben Tag im Wahllokal. Diesmal fängt Schaafs „Schicht“ erst Mittag an. „Diese kollegiale Einteilung haben wir vorgenommen, damit Helfer von auswärts nicht zweimal fahren müssen, denn nach Schließung des Lokals müssen alle zum Auszählen da sein“, erklärt der 57-Jährige. Er hofft, dass viele Menschen zur Wahl gehen, aber „es sind die Parteien, die die Verantwortung tragen, die Menschen zum Wählen zu animieren.“

Wenn er am Montag wieder an seinem Arbeitsplatz im Sachbereich Städtebau sitzt, sich mit Flächennutzungsplänen, Raumordnung, Regionalplanung und anderem beschäftigt, kann es sein, dass er wie sonst auch eine E-Mail mit dem Dank des Oberbürgermeisters für den ehrenamtlichen Einsatz erhält. „Ich muss das nicht haben, freue mich aber trotzdem“, sagt er. Für Andreas Schaaf ist es selbstverständlich, als Wahlvorstand mitzuarbeiten, „aber vielleicht ticke ich als Verwaltungsknecht da anders“, sagt er und lacht.

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