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Wahlplakate Zielscheibe von Schmierfinken

In Weißwasser und dem Umland hält sich deren Treiben noch in Grenzen. Ein Dummejungenstreich ist das aber nicht.

Vom Dummejungenstreich kann keine Rede sein. Das Verunstalten von Wahlplakaten als unschöne Begleitung des Wahlkampfes ist eine Sachbeschädigung. Alle Beteiligten hoffen, dass diese nicht noch größere Ausmaße annimmt.
Vom Dummejungenstreich kann keine Rede sein. Das Verunstalten von Wahlplakaten als unschöne Begleitung des Wahlkampfes ist eine Sachbeschädigung. Alle Beteiligten hoffen, dass diese nicht noch größere Ausmaße annimmt. © Foto: Constanze Knappe

Weißwasser und Umgebung. Knapp drei Wochen sind es noch bis zur Landtagswahl am 1. September. In der Landeshauptstadt Dresden tauchten jetzt Wahlplakate auf, die Landesvater Michael Kretschmer (CDU) im Adamskostüm zeigen. Wie sich herausstellte, eine Fotomontage. Dergleichen ist im Weißwasseraner Land nicht zu beobachten. Hier tobt man sich auf andere Art und Weise aus. 

So hat an der Hauptstraße in Uhyst ein fanatischer Grün-Fan sein Unwesen getrieben. Wes Geistes Kind er ist, wird vermutlich nie zu ermitteln sein. Ein Fan von grüner Farbe aber ist er allemal. Wie im Rausch wurden die Plakate von Michael Kretschmer und Tilmann Havenstein (beide CDU) sowie von Mitbewerberin Antonia Mertsching (Linke) und Themenplakate der Linken grün übersprüht.

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Wie viele Plakate die Sächsische Union mit dem Bildnis des Ministerpräsidenten oder als Themenplakate im Nordkreis aufgehängt hat, vermag Tilmann Havenstein nicht zu sagen. Der Daubitzer, der sich für die CDU um einen Sitz im Landtag bewirbt, hat im Wahlkreis 57 nach eigenen Angaben 550 Plakate mit seinem Gesicht angebracht. Für den Kandidaten ein durchaus kostspieliges Vergnügen. Etwa drei Euro kostet ein Plakat. „Hinzukommen Kosten für das Auf- und Abhängen. Wenn einzelne Plakate ausgewechselt werden müssen, kostet das extra Zeit und Geld für Benzin“, zählt er auf. Dass Plakate beschmiert, beschädigt oder ganz entfernt werden, hat er schon selbst in diesem Wahlkampf erlebt. „Ich finde es einfach nur traurig, warum manche Menschen sich an Gegenständen vergreifen und diese verunstalten“, erklärt Tilmann Havenstein auf Nachfrage von TAGEBLATT. Ausdrücklich beziehe er sich dabei nicht nur auf Wahlplakate. Es betreffe generell Beschmierungen und Graffiti an Wänden und Bahnen, die meist noch nicht einmal welche sind im ursprünglichen künstlerischen Sinne des Wortes.

Großplakate sinnlos verunstaltet

In Weißwasser steht die großformatige Wahlwerbung für die Landtagswahl am 1. September einzeln, wie das Wahlplakat der FDP an der einen Kreuzung Prof.-Wagenfeld-Ring/Bautzener Straße oder gleich im Viererpack an der anderen Kreuzung beider Straßen mit Plakaten von SPD und CDU zum Wagenfeld-Ring hin sowie von CDU und Linke zur Bautzener Straße hin.

Das Bild des FDP-Spitzenkandidaten Holger Zastrow wurde mit einem blauen Punkt auf der Stirn und blauem Bärtchen verunstaltet. Alles in allem hat die FDP Sachsen für den Wahlkreis (WK) 57 rund 400 Plakate im Format A1 vorgesehen, teilt Andreas Novak aus der Landesgeschäftsstelle auf Anfrage von Tageblatt mit. Schmierereien gebe es nach seiner Aussage „praktisch in jedem Wahlkampf“. Eine Statistik darüber werde nicht geführt. Seit Montag blickt uns der FDP-Spitzenkandidat in Weißwasser nun auf einem anderen Wahlplakat entgegen. Sebastian Grubert, der im WK 57 für die FDP kandidiert, verzichtet auf Wahlwerbung mit seinem Gesicht an Straßenlaternen. „Weil es viel Geld kostet, aber auch, weil ich nicht daran glaube, dass die Wahl durch Plakate gewonnen wird“, erklärt er. Er setzt lieber auf direkte Gespräche mit den Bürgern, sei es auf dem Marktplatz oder beim Brötchenholen.

Nicht nur Wahlwerbung beschmiert

Der Schriftzug der Linken auf einem Plakat am Prof.-Wagenfeld-Ring wurde mit einem nicht gerade druckreifen Ausdruck übersprüht. Die Wahlwerbung wurde ausgetauscht. Aus dem Kreisverband der Linken heißt es: „Das Beschmieren, Zerstören bzw. Abhängen von A1-Plakaten im nördlichen Teil des Landkreises hält sich in diesem Jahr in Grenzen. Wir hatten in der Vergangenheit Wahlen, wo die Zerstörungswut noch größer war.“ 250 A1-Plakate der Partei hängen im WK 57 zwischen Weißwasser und Niesky. Vor den Kommunalwahlen im Mai gingen zehn Plakate verlustig oder wurden komplett zerstört. „Es waren in erster Linie Plakate, die klare Aussagen gegen Rechte hatten“, so Kreisvorsitzender Dierk Kunow. Großflächige Plakate würden des Öfteren zur Zielscheibe für „Entgleisungen von Möchtegernsprühern“. Wenn zeitlich machbar, werden sie durch Mitglieder des Kreisverbands ausgetauscht. Die Linken bezeichnen es als „eine sehr unschöne Begleiterscheinung des Wahlkampfes“. Sollten von den 80 Plakaten der Partei in Weißwasser etwa 30 zerstört oder abgehängt werden, werde man diese Sachbeschädigung zur Anzeige bringen. „Ich hoffe, das wird in diesem Wahlkampf nicht notwendig sein“, erklärt Dierk Kunow.

Zur Bundestagswahl 2017 wurden ganze Plakate verschiedener Parteien übersprüht oder zerstört, den Kandidaten die Augen ausgeschnitten oder Hitlerbärtchen unter die Nase gesetzt. Die Erfahrung zeigt, je näher der Wahltermin, desto aggressiver Schmierereien und Zerstörungswut.

Nicht nur Wahlplakate sind Angriffsziele. An einer von Künstlern gestalteten Fassade der Wohnungsbaugesellschaft mbH Weißwasser am Boulevard/Rosa-Luxemburg-Straße war im Mai 2018 das Bild einer Tänzerin sinnlos überschmiert worden.

© Foto: Constanze Knappe
© Foto: Constanze Knappe

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