merken
PLUS Löbau

Der Südkreis ist blau-schwarz

Löbau und das Oberland sind AfD-Land, Zittau bleibt CDU-treu. Das war der Abend: Beobachtungen, Grafiken und erste Reaktionen nach der Landtagswahl 2019.

© dpa-Symbolbild

Das Wetter am Sonntagabend ist ein Spiegelbild für das Finale des Landtagswahlkampfes: Hier und da ein Schauer, Blitz und Donner aber bleiben weitgehend aus. Während der Löbauer AfD-Kandidat mit Wegbegleitern, Freunden und Familie in der Löbauer Pizzeria Uno den Ausgang des Wahlabends erwartete, hatten sich die beiden CDU-Kandidaten für Löbau und Zittau, Matthias Reuter und Stephan Meyer, für einen gemeinsamen Wahlkampfausklang im Traumpalast Mittelherwigsdorf entschieden. Doch traumhaft endete der Abend nur für einen der beiden Christdemokraten: Stephan Meyer konnte sein Landtagsmandat verteidigen, Matthias Reuter musste sich am Ende geschlagen geben. Nach 29 Jahren schickt der Altkreis Löbau keinen CDU-Kandidaten nach Dresden - bislang hieß der Wahlsieger immer Heinz Lehmann. 

Da warteten Stephan Meyer und Matthias Reuter noch gemeinsam auf die Ergebnisse. Einer der beiden CDU-Männer war später der große Sieger, der andere der Verlierer.
Da warteten Stephan Meyer und Matthias Reuter noch gemeinsam auf die Ergebnisse. Einer der beiden CDU-Männer war später der große Sieger, der andere der Verlierer. ©  Rafael Sampedro

Meyers emsige Arbeit im Wahlkreis hat sich ausgezahlt. Es war fast ein Durchmarsch. In zehn von elf Gemeinden des Zittauer Wahlkreises holte er sich den Sieg und verwies immer den AfD-Mann Christian Siegert auf den 2. Platz. In Oybin und Mittelherwigsdorf holte er sogar jeweils mehr als 50 Prozent der Erststimmen und das, obwohl insgesamt sechs Kandidaten um den direkten Einzug in den Landtag gekämpft hatten. Nur in Seifhennersdorf hatte Meyer das Nachsehen gegenüber Siegert. "Ich nehme das Wahlergebnis mit Demut an", sagte er gestern am späten Abend der SZ. Es sei ihm bewusst, dass die Wähler "mich ins Vertrauen setzen" und das die CDU noch viel tun muss, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Gleichzeitig wandte er sich an die Wähler von Siegert: Er stehe auch für sie jederzeit zu Gesprächen über Probleme und Sorgen bereit, baute Meyer eine Brücke.

Anzeige
Wandern mit Kindern: Das muss mit
Wandern mit Kindern: Das muss mit

Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Stephan Meyer (CDU) zieht wieder als Direktkandidat des Zittauer Wahlkreises in den Landtag ein und hat gestern Abend darauf mit Freunden und Unterstützern im Mittelherwigsdorfer Traumpalast angestoßen.
Stephan Meyer (CDU) zieht wieder als Direktkandidat des Zittauer Wahlkreises in den Landtag ein und hat gestern Abend darauf mit Freunden und Unterstützern im Mittelherwigsdorfer Traumpalast angestoßen. © Rafael Sampedro

Gespannt, aber ruhig war die Stimmung bei beiden Parteien an dem Abend. Ausgelassen gefeiert und gejubelt hat auch AfD-Kandidat Mario Kumpf nicht, der als erster im Landkreis Görlitz sein Direktmandat bestätigt bekam. Zu knapp war der Abstand lange Zeit, zu unsicher der Ausgang. "Ich habe da schon meine Erfahrungen gemacht und warte immer, bis alles ausgezählt ist", sagt Kumpf auf die Frage, wann er denn gewusst habe, dass er gewonnen hat. Doch die Zahlen standen am Ende für ihn: Mit 38,4 Prozent der Stimmen konnte er reichlich vier Prozentpunkte mehr hinter seinem Namen vereinigen als Reuter. 

Noch wartet Mario Kumpf auf jedes Gemeinde-Ergebnis. Später ist der AfD-Mann der Sieger im Wahlkreis 59 (Löbau/Oberland).
Noch wartet Mario Kumpf auf jedes Gemeinde-Ergebnis. Später ist der AfD-Mann der Sieger im Wahlkreis 59 (Löbau/Oberland). ©  Rafael Sampedro

Bei den Zweitstimmen für die Parteien sieht das Ergebnis ähnlich aus: Löbau wird hellblau, Zittau bleibt schwarz: 37,2 Prozent der Wähler stimmten im Löbauer Wahlkreis für die AfD, 35,7 Prozent für die CDU. Alle anderen Parteien und Kandidaten spielten bei der Entscheidung keine Rolle. Auch die Linke - rund um Löbau traditionell immer stark - verlor mehr als die Hälfte der Stimmen und landete bei 7,0 Prozent. Von einem Aufschwung der Grünen war rund um Löbau ebenfalls nichts zu spüren und die SPD halbierte ihre Stimmen.

Das vorläufige Wahlergebnis (Zweitstimmen) für den Wahlkreis 59 (Löbau und Oberland).
Das vorläufige Wahlergebnis (Zweitstimmen) für den Wahlkreis 59 (Löbau und Oberland). © Thomas Mielke

Mit vier Prozentpunkten Vorsprung vor der AfD und insgesamt einem nur wenig schlechteren Ergebnis als vor fünf Jahren wird die CDU in und um Zittau Sieger. Nur Bertsdorf-Hörnitz und Seifhennersdorf gehen ihr verloren. Die anderen neun Gemeinden holt sie sich erneut. Die anderen Parteien spielen beim Ausgang der Wahl keine Rolle. Keine schafft es über die Zehn-Prozent-Marke.

Das vorläufige Wahlergebnis (Zweitstimmen) für den Wahlkreis 60 (Zittau).
Das vorläufige Wahlergebnis (Zweitstimmen) für den Wahlkreis 60 (Zittau). © Thomas Mielke

Dass die anderen Parteien so gut wie keine Rolle spielen, liegt vor allem am Phänomen AfD. Sie hat im Vergleich zu 2014 extrem zugelegt. Bei den Zweitstimmen im Zittauer Wahlkreis fast 20 Prozent, in Löbau fast 23 Prozent. 

Gewinne und Verluste der Parteien im Wahlkreis 59 (Löbau/Oberland).
Gewinne und Verluste der Parteien im Wahlkreis 59 (Löbau/Oberland). © Statistisches Landesamt Sachsen
Gewinne und Verluste der Parteien im Wahlkreis 60 (Zittau).
Gewinne und Verluste der Parteien im Wahlkreis 60 (Zittau). © Statistisches Landesamt Sachsen

Und noch eins fällt auf: Offensichtlich hat die Diskussion um das Erstarken der AfD die Menschen so emotionalisiert, dass wieder mehr wählen gegangen sind. Sowohl in Zittau als auch in Löbau/Oberland gingen über 25 Prozent mehr Bürger zur Wahlurne als vor  fünf Jahren.

Mehr lokale Nachrichten:

www.sächsische.de/loebau

www.sächsische.de/zittau

Mehr zum Thema Löbau