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Wald keine Quelle, die Stadtkasse zu füllen

Die rund 340 Hektar Wald der Stadt Bischofswerda sind in einem guten Zustand. Zu der Einschätzung kommt das Forstamt Neukirch, dessen Mitarbeiter im Auftrag der Stadt im Wald agieren, ihn analysieren und Vorschläge zur Entwicklung des städtischen Forstes machen.

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Von Gabriele Naß

Den Borkenkäfer fürchtet Revierförster Jörg Kother wie der Teufel das Weihwasser. Wenn das Wetter nicht umschlägt, wenn es also weiter trocken und mild bleibt, rechnet er für viele Bäume im Stadtwald Bischofswerda mit dem Schlimmsten. Nicht jetzt. „Jetzt haben sich die Borkenkäfer in den Boden gegraben, um zu überwintern“, sagt er. Im Frühjahr jedoch würden die Tierchen erwachen und sich zu Hauf über die Gehölze hermachen, sollte es nicht doch noch ausgiebig regnen und bitterkalt werden.Invasion der Borkenkäferzu befürchtenSchon im Herbst sei die Situation bedrohlich gewesen, weil der Borkenkäfer sich angesichts des milden und trockenen Klimas habe massenhaft vermehren können. 25 Herde, an denen er zugeschlagen und Bäume derart angegriffen hat, dass sie entfernt werden müssen, gab es diesen Herbst allein im Forstrevier Burkau, davon fünf im Stadtwald Bischofswerda.Außer einer denkbaren Borkenkäfer-Invasion ist für die rund 340 Hektar städtischen Waldes keine Gefahr in Verzug. Ganz im Gegenteil. Revierförster Jörg Kother und Rene Klabes, der stellvertretende Leiter des Forstamtes Neukirch, sind sehr zufrieden mit den Gegebenheiten. Die entsprechenden Daten kann man dem Waldzustandsbericht entnehmen, für den Mitarbeiter des Landesforstpräsidiums Graupa in den zurückliegenden Monaten die Situation Vor Ort analysiert haben. Natürlich gut sind die Böden, erklären die beiden Forstwirtschaftler. Sie seien lehmig und nährstoffreich und hätten eine überwiegend gut durchwurzelbare Schicht. Aber auch die Arbeit früherer Förstergenerationen zahle sich heute aus. Sie hätten sehr vorausschauend nicht nur auf die Fichte gesetzt wie einst viele mit Blick auf die Holzwirtschaft, sondern erkannt, dass diese Baumart versauernd auf den Boden wirkt und auch deshalb nicht überhand nehmen sollte, weil sie den Boden nicht im ausreichenden Maß zu durchwurzeln vermag. Selbst als in den 70er Jahren industriemäßige Methoden verstärkt in ostdeutschen Wäldern Einzug hielten, verteidigten Bischofswerdas Förster ihren Glauben an den langfristigen Nutzen des Mischwaldes. Dem hat es die grüne Lunge Bischofswerdas zu verdanken, dass es hier heute auch über dreißig Jahre alte Bestände an Kiefer, Lärche, Eiche, Birke oder Buche gibt. Deren Anteil an den Gehölzen im so genannten Oberstand liegt bei gut 75 Prozent.Zwingender Bedarf, umzuforsten, bestehe damit im Stadtwald Bischofswerda im Moment nicht, sagen Jörg Kother und Rene Klabes. Allerdings müsse man sich der Tatsache stellen, „dass die natürlichen Voraussetzungen für die Fichte schlechter werden“. Folglich sei es ein Ziel pflegerischer Arbeiten in den nächsten zehn Jahren, die trotz aller guten Bemühungen in der Vergangenheit noch vorhandene Dominanz dieser Baumart Schritt für Schritt weiter zu reduzieren. Mehr Laubbäume sollen in den Wald.Die Verschiedenartigkeit der Gehölze soll den Forst der Stadt Bischofswerda für die Zukunft rüsten. Je mehr Baumarten im Wald stehen, sagen Kother und Klabes, umso mehr könne sich das Risiko von zum Beispiel Klimaveränderungen verteilen. Zudem erhöhe es die Gewinnchance am Holzmarkt, weil man auf jeweils aktuelle Preise für Holzarten flexibler reagieren kann.15 000 Festmeter Einschlag bis 2013Holzeinschlag zum Zweck, die Stadtkasse aufzufüllen, habe aber keine vordergründige Bedeutung, erklären Jörg Kother und Rene Klabes auf Anfrage. Wie im Staatswald stünden im Kommunalwald die Schutz- und Erholungsfunktion im Vordergrund. Ein Haushaltsloch von rund 500 000 Euro, wie es sich im Rathaus derzeit für 2004 auftut, durch Holzverkäufe zu schließen, sei theoretisch denkbar, wirtschaftlich jedoch völlig kontraproduktiv. Den Einschlag von rund 15 000 Festmetern Holz planen die Verantwortlichen im Forstamt Neukirch in den nächsten zehn Jahren im Stadtwald Bischofswerda. Damit ließen sich bei den jetzigen Preisen ein Erlös von rund 300 000 Euro erzielen. Allerdings soll mit Hilfe dieses Geldes wieder aufgeforstet, sollen Waldbestände gepflegt, Gräben geräumt oder Wege unterhalten werden. Realistisch, so Jörg Kother und Rene Klabes, sei ein kleiner Gewinn. Der habe sich im Stadtwald zuletzt jährlich erzielen lassen. Für das kommende Jahr kalkulieren die Verantwortlichen im Forstamt Neukirch, die den Wald der Stadt in deren Auftrag bewirtschaften, mit einem Überschuss von rund 6 000 Euro.