merken
PLUS

Wald ohne Pilze

Die Trockenheit hat das Wachstum gestoppt. Es gibt aber Hoffnung im Rödertal.

© dpa

Von Thomas Drendel

Radeberg. Das hat selbst der langjährige Pilzexperte Eckart Klett aus Liegau-Augustusbad noch nicht erlebt. „Vor ein paar Tagen hatten wir ein Treffen von Pilzberatern aus ganz Ostsachsen. Dabei gab es auch eine Exkursion, auf der Pilze gesammelt werden sollten“, erzählt er. Normalerweise ist das auch kein Problem für die Fachleute, mit einem vollen Korb wiederzukommen. Doch diesmal. „Nicht einer hat etwas gefunden. Nichts. Der Wald war wie leer gefegt. Das ist noch nie passiert“, sagt der Liegauer. Und auch rund um seinen Wohnort wächst derzeit nichts. „Ich war diese Woche hier in den Wäldern unterwegs. Gefunden habe ich einige wenige Wiesenchampignons. Die waren allerdings schon recht vertrocknet, sie müssen also schon eine ganze Weile dort gestanden haben und vielleicht vom Regen vor ein paar Wochen profitiert haben.“

Anzeige
Der Eyecatcher beim Roadtrip
Der Eyecatcher beim Roadtrip

Ein Gefühl von Freiheit schnuppern, den Alltagsstress vergessen und viel PS genießen - ein Trike bietet den perfekten Fahrspaß für Individualisten.

Vor seinem Haus hat Eckart Klett eine Infotafel aufgestellt. Dort sind die Termine seiner nächsten Veranstaltungen aufgeführt. Unter anderem ist nachzulesen, wo die nächsten Vorträge stattfinden. Aber auch Giftnotrufnummern sind vermerkt.
Vor seinem Haus hat Eckart Klett eine Infotafel aufgestellt. Dort sind die Termine seiner nächsten Veranstaltungen aufgeführt. Unter anderem ist nachzulesen, wo die nächsten Vorträge stattfinden. Aber auch Giftnotrufnummern sind vermerkt. © Thorsten Eckert

Eckart Klett bringt die Situation auf eine Formel: ohne Wasser, keine Pilze. „Die Trockenheit stoppt das Wachstum des Myzels.“ Grundsätzlich müssen zwei Faktoren erfüllt sein, damit Pilze wachsen: Sie brauchen Wärme und Feuchtigkeit. Wenn das Wetter zwar überdurchschnittlich warm aber zu trocken ist, sprießen Marone, Pfifferling oder Steinpilz eben nicht.

Nicht nur, dass selbst beim Liegauer Experten die leckeren Pilzmahlzeiten derzeit ausfallen, der Pilzmangel beeinträchtigt auch seine Arbeit. „Ich hatte bereits Termine für Exkursionen mit Schulklassen und Hortgruppen. Die musste ich alle absagen. Ich kann ja schlecht in den Wald mit ihnen gehen und ihnen dann nicht einen einzigen Pilz zeigen.“ Auch bei seinen Vorträgen musste Eckart Klett sich umstellen. „Originalpilze zur Anschauung wie ich sie sonst dabei habe kann ich nicht vorweisen. Ich muss auf meine glücklicherweise große Sammlung an Pilzmodellen zurückgreifen“, sagt der Liegauer.

Eine gute Nachricht hat er allerdings: „Ich bin mir sicher, auch in diesem Jahr werden noch Pilze wachsen.“ Die Saison dauert noch bis weit in den Herbst hinein. Erst wenn es Frost gibt, ist Schluss mit dem Pilzwachstum und bis dahin wird es sicher noch einmal ausgiebig regnen. Dann gibt es eine Explosion beim Pilzwachstum“, ist er sich sicher. Wenn es dann soweit ist, rät er, genau hinzuschauen, was man sich in den Korb legt. Nach einer ähnlichen Trockenheit vor einigen Jahren schossen die Pilze nur so aus dem Boden. „Das rief viele Sammler auf den Plan. Einer war so emsig dabei und hat quasi alles genommen, was ihm vor das Messer kam. Darunter waren auch einige Pantherpilze. Sie sind sehr gefährlich.“ Glücklicherweise habe die Ehefrau nicht allzu viel von der Mahlzeit gegessen. Sie konnte, bevor es ihr richtig schlecht ging, noch die Polizei alarmieren. So wurden beide Pilzsammler noch rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht.“

Infotafel vorm Haus

Die späte Pilzsaison vermutlich im Herbst habe auch ihr Gutes. Die dann schon niedrigeren Temperaturen würden Fliegen bremsen, die ihre Eier auf den Pilzen ablegen. „Deshalb gibt es dann weniger madige Pilze. Also auch mal im Oktober oder sogar noch im November zum Pilzesuchen in den Wald gehen.“ Allen, die trotz der Trockenheit nicht auf eine leckere Pilzmahlzeit verzichten wollen rät er, selbst ein Pilzbeet anzulegen. „Das ist kinderleicht.“ Dazu muss der Untergrund mit Stroh entsprechend vorbereitet werden, dann kommt das Pilzsubstrat drauf und nach einigen Wochen wachsen die Pilze. Das Substrat gibt es beispielsweise bei der Firma Pilzmännchen in Malschwitz zu kaufen“, sagt er.

Wer sich vorab noch informieren möchte, sollte in Liegau vorbeischauen. Vor seinem Haus hat Eckart Klett eine Infotafel aufgestellt. „Dort sind beispielsweise die Termine meiner nächsten Veranstaltungen aufgeführt. Unter anderem ist nachzulesen, wo ich die nächsten Vorträge halte. Aber auch Giftnotrufnummern sind vermerkt“, sagt der Pilzexperte. Auch ein sogenannter Pilzbriefkasten findet sich dort. Interessenten können in einem Korb die Pilze ablegen, zu denen sie Fragen haben. Allerdings dürfte der momentan wenig genutzt werden.  Ein wechselnder „Pilz des Monats“ sowie weitere Pilzmodelle ergänzen das Angebot von Eckart Klett.

PilzberaterEckart Klett ist zu erreichen in Liegau-Augustusbad, Am Hofeberg 12, 03528 411444

Der Pilznotruf für Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen befindet sich in Erfurt. 0361 730730 und im Internet https://www.ggiz-erfurt.de