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Wald rund um Dipps bereit fürs Frühjahr

Hitze, Wassermangel und Sturm machen den Wäldern zu schaffen. Wie der Forst auf den Klimawandel reagiert.

© Egbert Kamprath

Von Regine Schlesinger

Dippoldiswalde. Christoph Proft, Forstlehrling im dritten Lehrjahr, begutachtet in einem der Pflanzenlager des Bärenfelser Forstreviers junge Rotbuchenpflanzen. Rund 45 000 Rotbuchen lagern hier, schräg in den sandigen Boden eingeschlagen, wie die Forstleute sagen. Im Frühjahr sollen sie gepflanzt werden. Wie Kristina Funke vom Forstbezirk Bärenfels erklärt, handelt es sich um etwa die Hälfte aller Rotbuchen, die in diesem Frühjahr im Bärenfelser Forstrevier in den Boden kommen – pro Hektar werden etwa 8 000 Bäume gepflanzt, sodass die 45 000 jungen Rotbuchen vom Lagerplatz für ungefähr fünf Hektar Wald reichen.

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Bleibt zu wünschen, dass ihnen nicht das gleiche Schicksal widerfährt, wie etliche neue Anpflanzungen im vergangenen Frühjahr. Das war ein sehr mildes und trockenes, gefolgt von einem heißen und trockenen Sommer. Der Wassermangel machte den jungen Bäumen so schwer zu schaffen, dass in einigen der elf Landeswaldreviere zwischen Zinnwald und Paulshainer Heide bis zu 50 Prozent der Kulturen mit neuen Pflanzen nachgebessert werden mussten. Betroffen waren laut Kristina Funke im gesamten Forstbezirk rund 80 Hektar Wald, davon liegen 60 Hektar zwischen Zinnwald und Paulshainer Heide und 20 Hektar im Tharandter Wald.

Förster hatten Schlimmeres befürchtet

Die trockene Witterung hat auch in anderen Regionen dem Wald schwer zugesetzt, wie der jüngste sächsische Waldzustandsbericht offenbart. Für den wurden in einem Raster von vier mal vier Kilometern insgesamt 283 fest markierte Probepunkte aufgesucht und dort jeweils der Zustand der Kronen von 24 Bäumen untersucht. Bei Trockenheit werfen die Bäume vermehrt Nadeln bzw. frühzeitig Blätter ab. 2015 mussten daher mehr Bäume der höchsten Schadstufe zugeordnet werden als im Vorjahr.

Doch für den Wald im Osterzgebirge kam es nicht ganz so dick. Hier gab es insgesamt 15 solcher Probepunkte, wie Manuel Wächter erklärt. Er arbeitet im Rahmen seines Referendariats im Forstbezirk Bärenfels und hat sich mit dem Waldzustand in unserer Region befasst. Die Untersuchungen an den 15 Probepunkten haben ergeben, dass das Osterzgebirge mit seinen ausgedehnten Fichtenwäldern in Sachsen zu den Bereichen mit unterdurchschnittlichem Blatt- bzw. Nadelverlust gehört, „Ein solches Ergebnis war vor dem Hintergrund der trockenen und warmen Witterung nicht zu erwarten gewesen“, sagt der Forstreferendar. Die Förster hatten Schlimmeres befürchtet. Die häufigste Baumart in den Wäldern des Osterzgebirges ist die Fichte. Bei ihr wurde ein mittlerer Nadelverlust von 15,7 Prozent festgestellt. Im Jahr davor lag er bei 14,7 Prozent. Sachsenweit liegt der Verlust im Schnitt bei 16 Prozent.

Klimawandel ist deutlich zu spüren

Nicht so schlimm wie erwartet fiel auch der Befall von Bäumen mit den gefürchteten Borkenkäfern namens Buchdrucker und Kupferstecher aus. Die massenhafte Vermehrung der in der Rinde von Fichten brütenden Käfer blieb im Bereich des Forstbezirkes Bärenfels weitgehend aus. Wie Manuel Wächter erklärt, gab es aber sowohl im Tharandter Wald als auch in den Wäldern rund um Dippoldiswalde, Schmiedeberg und Altenberg kleinere befallene Stellen. Dazu trugen der warme Sommer und das noch vom Frühjahrssturm Niklas vorhandene Bruchholz bei. Der Sturm hatte am 31. März rund 10 000 Festmeter Bruch- und Wurfholz verursacht. Das waren etwa zehn Prozent vom geplanten Jahreseinschlag. Dabei blieb es dann allerdings nicht. Kurz vor Jahresende zog Sturmtief Eckhard übers Osterzgebirge, das noch erheblich größere Schäden anrichtete.

Insgesamt betrachtet ist auch im vergangenen Jahr die fortschreitende Veränderung des Klimas deutlich spürbar gewesen, sagt Manuel Wächter. Das unterstreiche mehr denn je, wie wichtig es sei, die überwiegend von Fichten geprägten Wälder zu Mischwäldern umzubauen, die dem jeweiligen Standort angepasst sind. Im Forstbezirk werden jährlich 120 bis 140 Hektar Waldboden mit Baumarten wie Weißtanne, Stieleiche oder eben Rotbuche gepflanzt. Allein in diesem Frühjahr sollen mehr als 900 000 neue Bäume dazu beitragen, dass sich der Wald verjüngt.