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Wald soll vom Klima-Opfer zum Klima-Schützer werden

Die Forstminister der CDU-geführten Länder vereinbaren eine Moritzburger Erklärung: für mehr Laubbäume und gegen Borkenkäfer.

Erste Hilfe für Bäume: Vor trockenen Kiefern bei Moritzburg kündigen Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (Mitte, blaues Jackett) und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (links daneben) mehr Waldumbau an.
Erste Hilfe für Bäume: Vor trockenen Kiefern bei Moritzburg kündigen Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (Mitte, blaues Jackett) und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (links daneben) mehr Waldumbau an. © Georg Moeritz

Auf einer Lichtung bei Moritzburg ist alles vorbereitet für den Besuch der Bundeslandwirtschaftsministerin: Ein Modell des Achtzähnigen Fichtenborkenkäfers in Rattengröße liegt auf einem Kiefernholztisch. Texttafeln vor vertrocknenden Nadelbäumen weisen Julia Klöckner (CDU) darauf hin, dass drei Stürme in Sachsen mehr als drei Millionen Kubikmeter Holz geschädigt haben. Der Borkenkäfer fand leichte Beute, die Waldarbeiter kamen nicht nach mit dem Retten der Stämme. Was aufgeforstet wurde, vertrocknete zum Teil.

Doch Ministerin Klöckner kennt die Sorgen der Waldbesitzer schon von Besuchen in anderen Bundesländern. Erst am Mittwoch ist ihr Auto bei Treuenbrietzen in Brandenburg beinahe von einem Baum getroffen worden, als sie Waldbrandschäden besichtigte. Nun nimmt sie von Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) und mehreren seiner Kollegen aus derselben Partei die „Moritzburger Erklärung“ entgegen. Die Forstminister fordern einen „Masterplan für Deutschlands Wälder“. Sie fordern vor allem Geld. 800 Millionen Euro soll der Bund in den nächsten vier Jahren geben, um Schäden auszugleichen und beim Wald-Umbau zu helfen. Sachsen müsste wegen seiner Schäden etwa acht Prozent davon bekommen, schätzt Minister Schmidt auf SZ-Nachfrage.

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Die Bundespolitikerin zeigt sich vor Kameras im Schadwald nicht erschrocken über die Forderung. Vielmehr gebe ihr die Moritzburger Erklärung „Rückenwind“ für ihre Verhandlungen mit dem Finanzminister. Ohnehin sei schon Fördergeld aufgestockt worden, sagt Klöckner. Voriges Jahr bekamen Bauern nach der dürren Ernte Hilfsgeld, wenn sie Existenzbedrohung nachweisen konnten. Nun sollen Waldbesitzer unterstützt werden, die derzeit ihr Holz kaum verkaufen können – und manchmal auf technische Hilfe warten müssen, weil die Firmen ausgelastet sind.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner begutachtet bei einem Treffen mit Forstministern der Union Schäden im Wald von Moritzburg.
Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner begutachtet bei einem Treffen mit Forstministern der Union Schäden im Wald von Moritzburg. © Robert Michael/dpa

Steffen Wolf ist Geschäftsführer des Sächsischen Waldbesitzerverbandes und zeigt sich mit der Moritzburger Erklärung zufrieden. Am Waldrand sagt er der SZ, es gebe bereits ein Nothilfeprogramm zur Waldberäumung in Sachsen, das mit dem neuen Geld aufgestockt werden könnte. Für einen Kubikmeter Fichtenholz bekomme man jetzt nur noch 15 bis 30 Euro statt früher 90 Euro. Da gehe Kleinwaldbesitzern das Geld aus.

Erst den Wald aufräumen, dann aufforsten, gibt Ministerin Klöckner vor. Sie sagt, was auch auf einer der Texttafeln im Moritzburger Wald steht: Die neuen Bäume seien zugleich eine Chance, denn damit gehe der „Waldumbau“ weiter. Wo nach dem Krieg schnell wachsende Nadelbäume bevorzugt wurden, sei künftig Mischwald nötig. Der halte mehr aus. Mit klimaresistenten Sorten könne der Wald „Klimaschützer Nummer eins“ bleiben und Kohlendioxid binden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ruft ebenfalls optimistische Botschaften in den Wald: Das Waldsterben der 80er-Jahre im Mittelgebirge sei dank klugen Handelns bewältigt worden. Die Elbe sei wieder reich an Fischen. Auch mit dem Borkenkäfer werde man fertig. 

© Sylvia Tietze/SZ-Grafik

In Kretschmers Presse-Erklärung steht das Ziel, 50 Millionen neue Bäume bis 2030 in Sachsen zu pflanzen. Das klingt nach viel, aber die Berichte des Staatsbetriebs Sachsenforst zeigen: Auch in den vergangenen Jahren wurden etwa fünf Millionen Bäume pro Jahr gepflanzt. Der Waldumbau hat längst begonnen: drei Millionen Rotbuchen sind dabei, eine Million Eichen und eine Million Weißtannen.

Die Moritzburger Erklärung fordert allerdings noch mehr, zum Beispiel Hubschrauber zur Waldbrandbekämpfung. Ein Land wie Sachsen alleine könne sich die nicht leisten, sagt Minister Schmidt.

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