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Waldbad ohne Gaststätte?

Die Gemeinde Niederau hat dem bisherigen Pächter den Vertrag gekündigt. Sie sucht nun nach einem neuen Betreiber.

Da war die Welt noch in Ordnung: 2014 übernahm Rene Chrobok die Gaststätte im Waldbad Oberau. Sechs Jahre hat er sie bewirtschaftet. Jetzt aber wurde ihm der Vertrag gekündigt.
Da war die Welt noch in Ordnung: 2014 übernahm Rene Chrobok die Gaststätte im Waldbad Oberau. Sechs Jahre hat er sie bewirtschaftet. Jetzt aber wurde ihm der Vertrag gekündigt. ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Niederau. Vor sechs Jahren hatte er sich einen langgehegten Wunsch erfüllt: Rene Chrobok, der bis dato mit Bratwurstwagen durch die Lande zog, unter anderem am Toom-Baumarkt in Meißen steht, hatte endlich eine eigene, feste Gaststätte. Der heute 44-Jährige, der auch „Bratwurstkönig“ genannt wird, übernahm die Badgaststätte im Waldbad Oberau. Die hatte leer gestanden, nachdem der vorherige Pächter aufgehört hatte. Chrobok setzte sich gegen zwei andere Bewerber durch.

Der gebürtige Niederauer startete durch, baute einen Trennwand zwischen Gastraum und Küche ein, installierte eine neue Küche, strich die Gaststube und richtete sie ein. Im vergangenen Jahr erneuerte die Gemeinde das große Panoramafenster. Das alte Fenster ließ in seiner Gesamtoptik sehr zu wünschen übrig, ganz zu schweigen von seiner Undichtigkeit und Funktionalität. 

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In ihrem Amtsblatt lobte die Gemeinde Niederau noch im vergangenen Jahr sich und den Pächter. „Mit dem neuen Fenster erstrahlt der gesamte Raum, welcher nun auch für Veranstaltungen und Familienfeiern genutzt werden kann. Chroboks Konzept lautet außerdem nicht nur, die Bewirtung in der Hauptsaison abzudecken, sondern auch in der Vor- und Nachsaison für hungrige Gäste die Türen offenzulassen. 

Gespräche seinerseits mit dem Betreiber des angrenzenden Friedwaldes sind eben falls geplant. So gäbe es sogar für eine Trauergesellschaft die Möglichkeit vor Ort Abschied zu nehmen und in unmittelbarer Nähe zu speisen“, heißt es da. Aufgrund des neuen Konzeptes und der bisherigen guten Zusammenarbeit sei der Pachtvertrag verlängert worden, so dass schon jetzt feststehe, dass es an einem schönen Badetag an einer Bewirtung nicht fehlen werde, heißt es weiter.

Doch nun die plötzliche Kehrtwende. Der Pachtvertrag, der nach Chroboks Worten bis 2022 lief, wurde quasi über Nacht fristlos gekündigt. Niederaus Hauptamtsleiter Ronny Reichel bestätigt das, hält sich aber über die Gründe zunächst bedeckt: „Der Betreiber hat seine vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt“, sagt er. Erst auf Nachfrage wird er deutlicher. Chrobok habe erhebliche Mietrückstände.

Der gibt das auch zu, relativiert aber: „Ich habe die Miete nicht im Lastschriftverfahren überwiesen, sondern monatlich selbst eingezahlt. Einmal, als ich im Urlaub war, habe ich das leider vergessen“, sagt er. Doch wird nach einem Monat Mietrückstand sofort der Vertrag gekündigt? Das nicht, räumt der ehemalige Gaststätten-Betreiber ein. Er habe auch zuvor schon mehrere Monate Mietrückstände gehabt.

„Es gab erhebliche Vertragsverletzungen, und das nicht zum ersten Mal. Es ging einfach nicht mehr“, sagt Bürgermeister Steffen Sang (parteilos) . Dabei habe der Pächter vor allem in den vergangenen zwei Jahren Top-Umsätze gemacht. Im Vorjahr zählt das Bad 18.000 Besucher, 2018 waren es sogar noch ein paar mehr. Unklar, warum er trotz der offenbar guten Einnahmen die Pacht schuldig blieb.

Müssen die Gäste des Waldbades Oberau nun also auf eine Gaststätte verzichten? Nach den Worten von Bürgermeister Steffen Sang wohl nicht. „Wir haben die Gaststätte ausgeschrieben und auch Bewerbungen erhalten“, sagt er. Mit einem potenziellen Pächter sei man in intensiven Gesprächen.

„Das Problem ist, dass die Gaststätte immer leer vermietet wurde. Sie muss also völlig neu eingerichtet werden“, sagt der Bürgermeister. Dabei will die Gemeinde dem neuen Pächter, egal, wer es sein wird, behilflich sein. Er wolle jetzt mit dem Gemeinderat besprechen, ob in die Gaststätte auf Kosten der Gemeinde ein gesetzeskonformer Küchenbereich eingebaut werde. Der koste rund 25.000 Euro. „Es kann nur der Weg sein, dass notwendige Sachen von der Gemeinde selbst angeschafft werden“, sagt Sang.

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Bis Ende des Monats wolle er dem Gemeinderat vorschlagen, welche Möglichkeiten es dafür gibt. Bis Ende März soll dann ein Vertrag mit einem neuen Pächter abgeschlossen sein, damit pünktlich zum Beginn der Campingsaison zu Ostern die Gaststätte wieder öffnen kann. Eines ist für den Niederauer Bürgermeister klar: „Ohne Gaststätte funktioniert das Waldbad in Oberau nicht. Wir müssen die Gastronomie hinbekommen.“

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