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Emotionaler Kampf ums Waldbad

Das Waldbad Polenz muss saniert werden. Wie das geschehen soll, gefällt den Einwohnern nicht. Dann fällt der Rat einen Beschluss.

Für die Nutzer des Waldbades Polenz ist das Bad ein Kleinod, was sie behalten wollen.
Für die Nutzer des Waldbades Polenz ist das Bad ein Kleinod, was sie behalten wollen. © Mutscher

Hoch explosiv war die Stimmung beim jüngsten Stadtrat in Neustadt. Das ist ungewohnt. Dass dieses Mal die Emotionen hochkochten, lag an der Tagesordnung. Auf dieser stand ein Grundsatzbeschluss zur Zukunft des Waldbades im Ortsteil Polenz. Und deshalb kamen auch viele Polenzer Einwohner. Denn so wie es der Beschluss der Stadtverwaltung vorsah, stellen sie sich die Zukunft das Waldbades nicht vor. Das Bad selbst gehört der Stadt. Pächter ist Bernd Mutscher, der gleichfalls als Parteiloser (Liste CDU) im Stadtrat sitzt.

Das schlägt die Verwaltung vor

Das Waldbad Polenz bedarf einer dringenden Sanierung. Es bestehen neben zahlreichen baulichen Mängeln auch Mängel in der Wasserzufuhr und der Wasserqualität. Zu dem Schluss ist die Stadtverwaltung gekommen. Das Gesundheitsamt im Landratsamt Pirna habe die Stadt aufgefordert, diesen Zustand zu ändern, da sonst die Schließung drohe. Und das schon seit Jahren. Jetzt wollte die Stadt zum großen Schlag ausholen. Dafür wurde eine Studie in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten auszuloten. Nicht die erste übrigens. Im Jahr 2016 gab es bereits Vorschläge zur Sanierung beziehungsweise einen Umbau. Im Mai 2017 fand eine Vor-Ort-Begehung statt. Eine Entscheidung zum Fortbestand des Bades ist damals nicht gefallen. Deshalb wurde auch kein Geld für die weitere Planung in den Haushalt eingestellt. Um jedoch handlungsfähig zu sein, musste nun die Entscheidung fallen, um Geld für den anstehenden Doppelhaushalt 2021/2022 einzuplanen. 

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Drei Varianten gibt es. Die komplette Schließung oder eine Sanierung entsprechend des heutigen Bäderstandards, sind die ersten beiden. Schließen beziehungsweise zuschütten wolle man das Bad nicht. Eine Sanierung im jetzigen Bestand stellte sich als schwierig heraus. "Ein richtiges Schwimmbad kann die Stadt nicht unterhalten. Um es zu bewirtschaften, bräuchten wir allein zweieinhalb Arbeitskräfte. Darüber hinaus könnte die Stadt die notwendige Investition von über einer Million Euro nicht stemmen", sagt Bürgermeister Peter Mühle (NfN). Im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung am 20. Mai diskutierte das Gremium die Varianten. Die Tendenz war klar. Variante drei wurde bevorzugt. Diese beinhaltet die Sanierung beziehungsweise den Umbau zur Badestelle. Und so sollte es im jüngsten Stadtrat auch beschlossen werden.

Das sagt der Betreiber

Waldbadpächter Bernd Mutscher argwöhnt einiges.
Waldbadpächter Bernd Mutscher argwöhnt einiges. © privat

Bernd Mutscher betreibt das Waldbad Polenz voller Leidenschaft. Da er selbst Stadtrat ist, wurde er von den Diskussionen wegen Befangenheit ausgeschlossen. Das kritisierte er bereist mehrfach. "Meine Ideen und Vorstellungen wurden gar nicht gehört", sagt er. Deshalb machte er sich auf der Internetseite des Waldbades gehörig Luft.  Gut sei zunächst, dass man Planungen beauftragen will. Doch wenn die Vorzugsvariante ab etwa 2025 realisiert werden würde, dann bedeutet das in seinen Augen den Tod für das Waldbad. "Wir hätten einen zweiten Freibadesee in Miniausführung, den wahrlich niemand braucht", sagt er. Denn Neustadt verfügt bereits über einen großen Badesee am Rugiswalder Weg. Und nicht zuletzt argwöhnt Bernd Mutscher einiges. Bekanntlich ist für das Freizeitbad Mariba ein Außenbecken geplant. Das wäre dann der endgültige Todesstoß. Und er kritisiert zudem, dass nicht nur er, sondern auch die Bürgerschaft außen vor gelassen worden sei. "Das hat mit Transparenz und Bürgernähe eher wenig zu tun", sagt er.

Das fordern die Einwohner und Badnutzer

Den Zorn der Einwohner bekamen Bürgermeister und Stadträte in breiter Front zu spüren.  Sie warfen dem Gremium vor, über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden. Das Waldbad sei ein Juwel und müsse als solches auch erhalten werden. Das Bad wurde in Eigeninitiative gebaut und solle nun tot gemacht werden. Vor allem Kinder und Familien bräuchten auch eine günstige Alternative zum Baden. Denn in Polenz ist der Eintritt kostenlos. Schon Generationen hätten das Bad besucht, jeder fühle sich dort wohl. Letztlich teilten auch sie Bernd Mutschers Vermutung, dass man das Bad mit dem Umbau absichtlich sterben lassen wolle. Und sie forderten, dass ihnen die Varianten vorgestellt werden und das sie mitdiskutieren können. Bei soviel Gegenwind lenkten nun auch die Stadträte ein. Von Peter Jung (Die Linke) gab es den Antrag, einige Punkte im Beschluss zu streichen, um sich für die Zukunft Gestaltungsmöglichkeiten offen zu halten. Damit ist der Umbau zum Badesee vorerst vom Tisch. Das wurde einstimmig beschlossen.

So geht es nun weiter

Der Stadtrat bekannte sich zum Fortbestand des Waldbades Polenz. Darüber hinaus soll Geld für die Planung in den Doppelhaushalt 2021/2022 eingestellt werden. Nach dieser stehen dann auch die Sanierungs- oder Umbaukosten konkret fest. Auf dessen Grundlage kann die Stadt Fördermittel beantragen. Sicher ist, dass die Stadt das Areal erhalten will. Um an Zuschüsse für Sanierung und Umbau zu kommen, müssen jedoch auch verschiedene Kriterien erfüllt werden. Welche das sind, wird noch zu klären sein. Der Bürgermeister wurde beauftragt, mit den Fraktionsvorsitzenden und dem Betreiber die Varianten zu prüfen und auch andere Möglichkeiten auszuloten. Und, für die Einwohner das Wichtigste, sie werden mit einbezogen. Speziell zum Thema Waldbad ist eine Bürgerversammlung geplant. Auf dieser sollen Varianten vorgestellt und darüber diskutiert werden. Damit konnte im Stadtrat ein Kompromiss gefunden werden, bei dem auch die Polenzer noch ein Wörtchen mitzureden haben.

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