merken
PLUS Görlitz

Feuer hört man schnell

Noch schneller als Menschen können Sensoren wahrnehmen, wenn ein Brand ausbricht. Das will der Kreis Görlitz künftig nutzen. Mit Hilfe von 5G.

Waldbrände wie hier in Waldhufen könnten mithilfe von Sensoren und Drohnen schon im Entstehen entdeckt werden.
Waldbrände wie hier in Waldhufen könnten mithilfe von Sensoren und Drohnen schon im Entstehen entdeckt werden. ©  André Schulze (Archiv)

160 Feuerwehreinsätze. Alleine voriges Jahr waren auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes Oberlausitz 160 Feuer zu löschen. Der Truppenübungsplatz hat seine eigene Feuerwehr, oft bekommt sie aber auch Unterstützung von umliegenden Wehren im Kreis Görlitz. "Der Truppenübungsplatz ist ein sehr trockener Bereich", erklärt Kreisbrandmeister Björn Mierisch. Je trockener, desto schneller können Brände zu Großeinsätzen werden. Welche Ausmaße das annehmen kann, hatte etwa vor einem reichlichen Jahr das Feuer auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog gezeigt. 

Die neuen Waldwächter: Drohnen, Sensoren, Kameras

Ein Stück südlicher auf dem TÜP Oberlausitz, soll es innovative Technik möglich machen, solche Szenarien bald zu verhindern. Am Dienstag kamen im Görlitzer Landratsamt Vertreter des Kreises, der Hochschule Zittau-Görlitz, der Brandenburgischen Technischen Universität, der Unternehmen GGS Speyer und Exelonix zusammen. GGS Speyer entwickelt geotechnische Instrumente, Exelonix IoT-Systeme, also Systeme beispielsweise zur Vernetzung von Sensoren. Drohnen, Kameras, Sensoren   - solche Technik wird gebraucht für das Projekt "Waldwächter". 

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Waldwächter gibt es im Truppenübungsplatz bereits, menschliche auf Feuerwachtürmen. Drei sind es, einer ist bereits mit Kameras ausgestattet. Wenn ein Feuer ausbricht, dann ist das vielleicht nicht sofort zu sehen, aber zu hören. Und zu riechen: Und so soll der Wald ausgestattet werden mit Sensoren, die Geräusche, Gerüche, Temperaturveränderungen wahrnehmen und frühzeitig warnen können. 

Kampf dem Borkenkäfer - durch Geruchssensoren

Es geht aber nicht nur um akute Brandfälle, erklärt Axel Schulz von TÜV Rheinland Consulting, der das Projekt begleitet. Sondern auch darum, längerfristig Daten zu sammeln, "und Muster oder Anomalien im Wald zu erkennen", erklärt Schulz. Und darüber Analysen zu erstellen,  wo Gefahrenstellen sein könnten. 

Und es geht auch um den Borkenkäfer, erklärt Axel Schulz. So können etwa Drohnen mit Kameras über bestimmtes Licht Daten zum Chlorophyllgehalt der Bäume liefern - was  Aussagen über Anomalien ermöglicht. So spinnert das klinge, auch beim Aufspüren des Borkenkäfers sollen Geruchssensoren weiterhelfen, erklärt Schulz. Die Signale, die Sensoren und Kameras aufnehmen, sollen an eine Datenbank übermittelt werden. Letztlich sollen - ebenfalls auf digitalem Weg - Handlungsempfehlungen für den Menschen entstehen.

Grundlage ist 5G-Technik

Grundlage für all das ist die 5G-Technologie. Wie viele 5G-fähige Masten es im Landkreis bereits gibt, konnte der Kreis kurzfristig nicht mitteilen. Die Telekom jedenfalls hat 25  im Kreis, sagt Axel Wenzke, Konzernbevollmächtigter für die Region Ost. Ein sehr nützliches Projekt sei "Waldwächter", sagt er, "auch sehr ambitioniert". Und eines, das ein stabiles Netz braucht. Einer der 25 Telekom-Masten steht bereits in TÜP-Nähe, erzählt Wenzke. Die Telekom plane außerdem, einen zweiten einzurichten. Und auch Vodafone hat bereits einen 5G-fähigen Mast in der Nähe, will weiter ausbauen.  

Von heute auf morgen wird das nicht. Es gab in der Vergangenheit bereits 5G-Forschungsfelder. Vor etwa einem Jahr wurden die Kommunen aufgefordert, konkrete Anwendungen der 5G-Technologie für sich zu benennen und zu konzipieren. Damals hatte sich auch Rietschen eingebracht, quasi den Anfang gemacht für das Vorhaben, das der Landkreis nun umsetzen will. In Rietschen hatte es aber auch Kritiker der 5G-Technologie gegeben, deren Skepsis sich etwa auch in einer Bürgerversammlung nicht ausräumen ließ. 

Der Plan sieht mehrere Schritte in drei Jahren vor. Der Schritt, der jetzt ansteht: eine Förderung beim Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur zu beantragen. Das Umsetzungskonzept muss der Kreis dafür bis Ende des Monats einreichen. 

Nicht nur auf dem TÜP nützlich

Insgesamt werde der Kreis aufgrund seiner Fläche in Zukunft sehr auf 5G angewiesen sein, so Landrat Bernd Lange. Zumal es auch ein Kreis mit vergleichsweise viel Waldfläche ist. Alleine der Truppenübungsplatz ist 175 Quadratkilometer groß. Im Fall eines Brandes macht die Größe es nicht einfacher. Zum Beispiel wegen der Zugänglichkeit für die Einsatzkräfte. Wälder sind  selten mit Hydranten ausgestattet. "Wir haben Tanklöschfahrzeuge", erklärt Björn Mierisch. Die beinhalten bis zu 4.000 Liter Wasser. Aber die können beim Löschen unter Hochdruck auch in drei Minuten aufgebraucht sein. Umso wichtiger, schnell bei einem Brandherd zu sein. Drohnen, erklärt Mierisch, könnten helfen, solch einen Brandherd in einem Waldgebiet schneller ausfindig zu machen. "Je eher, desto besser lässt sich verhindern, dass sich ein Feuer ausbreitet." 

Das trifft auch nicht nur auf den TÜP zu. Regelmäßig ist die Feuerwehr etwa auch im Zittauer Gebirge im Einsatz. Des öfteren schon haben dort Boofer, also Leute, die im Freien übernachten, Brände ausgelöst, "Das ist ein Riesenproblem", sagt Mierisch. Vor allem in Gebirgsteilen, die schwer zugänglich sind. "Und eine Unachtsamkeit kann reichen." 

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr zum Thema Görlitz